Das Museum Kitzbühel – ein kulturelles Highlight

Die Dauerausstellungen des Museums in der Gamsstadt sind dem berühmten Maler Alfons Walde, der Stadtgeschichte Kitzbühels sowie dem Thema „Wintersport“ gewidmet.

Ein echtes Stück Geschichte ist schon das Gebäude in der Hinterstadt, in dem das Museum untergebracht ist. Der Baukomplex besteht aus dem ehemaligen Stadtturm, der einst auch Teil der Stadtmauer war, aus dem ehemaligen Getreidekasten sowie aus dem ehemaligen Forstamt.

 

 

„Das Gebäude ist eines der ältesten in Kitzbühel. Zum 750-Jahr-Jubiläum der Stadtgründung (1271) haben wir 2021 eine Sonderausstellung gestaltet“, erzählt Dr. Wido Sieberer. Der studierte Historiker und Archäologe ist 1995 in seine Heimatstadt zurückgekehrt, um die Leitung des Museums und des Stadtarchivs zu übernehmen.

Das Museum Kitzbühel umfasst drei spannende Dauerausstellungen: Die Sammlung Alfons Walde sowie die beiden Ausstellungen „Stadtgeschichte“ und „Wintersport“.

 

Sammlung Alfons Walde

 

 

Auf 250 Quadratmetern Ausstellungsfläche würdigen rund 60 Gemälde (wie „Almen im Schnee“, „Auracher Kirchl“ oder „Aufstieg“) sowie hundert Grafiken das Werk des berühmten Malers und Architekten Alfons Walde (1891 – 1958). „Von 1910 bis 1914 hat Alfons Walde in Wien Architektur studiert. Besonders ansprechend ist sein von Gustav Klimt und der Auseinandersetzung mit Egon Schiele beeinflusstes Frühwerk. Nach dem Krieg – Walde war an der Südfront im Einsatz – kam er nach Kitzbühel zurück. In dieser Zeit schuf er nicht nur seine bekannten Bilder von Wintersportlern und Landschaften, sondern gestaltete auch Plakate für den Tourismus und die Bergbahnen.

 

 

Einige von Waldes architektonischen Entwürfen prägen auch heute noch die Landschaft, wie z.B. die Talstation der Hahnenkammbahn“, berichtet Sieberer von interessanten Details aus dem Leben und Schaffen des bekannten Tiroler Malers.

 

Zur Stadtgeschichte

 

 

Der Südwestturm der mittelalterlichen Stadtbefestigung ist der Kitzbüheler Stadtgeschichte gewidmet. „Im ersten Obergeschoß wird im romanischen Turmraum aus dem 13. Jahrhundert das mittelalterliche Kitzbühel präsentiert. Im Zentrum steht die Stadterhebungskurkunde vom 6. Juni 1271. Das zweite Obergeschoß des Stadtturms stellt mit seiner aus eingefalzten Balken und Brettern bestehenden Decke ein spätgotisches, wahrscheinlich im 16. Jahrhundert eingerichtetes Turmstüberl dar.“

 

 

Der wirtschaftliche Erfolg des Bergbaus führte zur Blüte von Kunst und Architektur. Im 16. und 17. Jahrhundert entstanden die ansehnlichen Bürgerhäuser der Bergbauverwaltung, die den Stadtkern Kitzbühels bis heute prägen. In der bildenden Kunst griffen Kitzbüheler Barockkünstler aktuelle Strömungen großer Zentren wie Rom, Venedig, München oder Salzburg auf, um sie über die Grenzen der Region hinaus umzusetzen.

 

 

„Musik von Benedikt Anton Aufschnaiter, Bilder von Simon Benedikt und Ignaz Faistenberger, Votivtafeln oder die Zunfttruhe des ‚Siebenerlei‘ Handwerks lassen das barocke Kitzbühel in unserem Museum wieder aufleben“, weist Dr. Sieberer auf besondere Beispiele dieser Kunstepoche hin. Aus dem 17. Jahrhundert stammen eine eindrucksvolle Eisentruhe und der Christus am Kreuz, der Meister Hans Spindler zugeschrieben wird.

 

Ausstellung Wintersport

 

 

Mit dem Anschluss Kitzbühels an das österreichische Eisenbahnnetz setzte in der Gamsstadt um 1870 der Sommertourismus ein. Der Bau des „Hotel Kitzbühel” 1903 stand am Beginn der Entwicklung hin zur mondänen Tourismusmetropole. Nach der ersten Skiabfahrt Franz Reischs vom Kitzbüheler Horn im Jänner 1893 entwickelte sich Kitzbühel bis 1910 neben dem Semmering zum attraktivsten Wintersportort Österreichs und erreichte in den 1920er- und 1930er-Jahren seinen ersten Höhepunkt als Wintersportmetropole internationalen Rufs.

 

 

„Wintersportgeräte, Originalfotografien und historisches Filmmaterial erinnern im Museum an diese Zeit des Kitzbüheler Tourismus. Dem ‚Kitzbüheler Skiwunderteam‘, das mit den beiden Olympiasiegern Toni Sailer und Ernst Hinterseer den Skisport der späten 1950er-Jahre dominierte, ist ein eigenes Paneel gewidmet“, informiert der Museumsleiter.

 

 

„Durch Sonderausstellungen, wie zuletzt jene zu ‚150 Jahre Stadtfeuerwehr Kitzbühel‘, darf ich mich immer wieder aufs Neue mit Kitzbühel und seiner Geschichte auseinandersetzen. Das macht einen einerseits mit seiner Heimatstadt sehr vertraut. Man lernt vieles und kann Querverbindungen knüpfen. Andererseits führt der Blick auf die Vergangenheit auch dazu, gewisse Entwicklungen der Gegenwart durchaus kritisch zu hinterfragen“, betont Dr. Wido Sieberer abschließend.

 

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Elias Bachmann

12. Mai 2023 um