Auf den Spuren alter Lesachtaler Flurnamen

In ihrer Dissertation, die nun in Buchform vorliegt und am 30.11. in Liesing vorgestellt wird, widmet sich Regina Unterguggenberger den Flurnamen ihrer Heimat.

Die als jüngstes von sieben Kindern auf dem Jöhrerhof in Tscheltsch/Liesing aufgewachsene Sprach- und Kommunikationswissenschafterin ist heute als Geschäftsführerin des Osttiroler Wirtschaftsbundes, freie Autorin und Journalistin tätig. Schon in ihrer Kindheit fand es die 34-Jährige spannend, über die Bedeutung von Flurnamen nachzudenken und im „Kärntnerischen Wörterbuch“ des Lesachtaler Sprachforschers Matthias von Lexer zu schmökern. Dieses Interesse vertiefte sie während ihres Studiums an der Universität in Klagenfurt, und sie arbeitete bereits zu dieser Zeit an interdisziplinären Projektstudien rund um das Thema Flurnamen mit. Auch in ihrer Dissertation bzw. dem nun vorliegenden „Lesachtaler Namenbuch“ blieb Unterguggenberger diesem wissenschaftlichen Ansatz treu. „Es ist mir wichtig, dass die Forschungsergebnisse nicht in einer Schublade veschwinden, sondern den LesachtalerInnen als bleibender Wert erhalten bleiben“, beschreibt sie ihre Intentionen. „Ich möchte dazu beitragen, das Bewusstsein zu schärfen, Wertvolles zu dokumentieren.“

Der Fokus des „Lesachtaler Namenbuches“, das u.a. auf rd. 80 Stunden an Interviews mit mehr als 30 Informanten, auf umfassender Archivrecherche, langem Quellenstudium, zahlreichen Geländebegehungen basiert, liegt auf den Flurnamen der Bergmähder, gemeinschaftlich genutzten Wald- und Weideflächen sowie auf den kleinräumlichen Bezeichnungen innerhalb der Almen des Lesachtales. „Viele dieser Namen sind bereits vergessen, hat sich doch während der letzten Jahrzehnte ein massiver Nutzungswandel in der Landwirtschaft vollzogen, der sich auch direkt auf Mundart und Flurnamengut auswirkt“, so Regina Unterguggenberger. „Zahlreiche Bergmähder wurden aufgelassen, viele Hutweiden sind heute mit Sträuchern und Bäumen bestückt. Oft besteht keine Notwendigkeit mehr, sie beim Namen zu nennen oder das jahrhundertealte Wissen, das damit verbunden ist, weiter zu geben.“

Im Rahmen ihrer Dissertationsarbeit hat die Akademikerin rd. 1 300 Bezeichnungen zu Tage gefördert, deren Bedeutung in knapp 1 000 Einträgen aufgelistet und nachzulesen sind. Jedem Eintrag sind Informationen über die mundartliche Aussprache des Namens, Nutzung, äußere Erscheinungsform des Referenzobjektes, Angaben zur Lokalisierung etc. beigefügt. „Als Teil emotionaler Identität und Ausdruck der Lesachtaler Lebenswelt stellen Flurnamen einen reichhaltigen Schatz dar, der in der Abgeschiedenheit zwischen Karnischen und Gailtaler Alpen schlummert. Dennoch hat sich die Namenlandschaft des Lesachtales stets verändert und wird dies auch in Zukunft tun, vermutlich gravierender und schneller als in den vergangenen Jahrhunderten“, so die Buchautorin abschließend.

Buchpräsentation „Lesachtaler Namenbuch“. Bergmähder, Almen, gemeinschaftlich genutzte Wald-und Weideflächen. Regina M. Unterguggenberger, Samstag, 30.11.2013, 20.00 Uhr im Kultursaal Liesing/Lesachtal. Eintritt frei.

Text: Elisabeth Hilgartner, Foto: Klaus Spielmann

24. November 2013 um