Verbesserte Diagnose und Therapie bei Prostatakrebs

Mit rund 5.000 Neuerkrankungen pro Jahr gilt Prostatakrebs in Österreich als die häufigste Krebsform bei Männern. Auch Jüngere sind zunehmend betroffen.

Die gute Nachricht ist, dass Prostatakrebs im Frühstadium fast immer geheilt werden kann, die  schlechte, dass es bei mangelnder Vorsorge für eine Heilung leider oft zu spät ist. „Kein Mann muss vor Prostatakrebs Angst haben, wenn er sich regelmäßig vom Facharzt untersuchen lässt“, sagt Dr. Hubert Volgger, Primar der Urologischen Abteilung am Bezirkskrankenhaus Lienz. Der erfahrene Facharzt für Urologie wird nicht müde, zu betonen, wie wichtig es ist, die richtige Vorsorge zu treffen. „Mit Vorsorge meine ich einerseits die urologische Untersuchung in der Facharztpraxis und andererseits einen vorsorgenden Lebensstil mit regelmäßigem Sport sowie einer ausgewogenen Ernährung mit viel Gemüse sowie Fisch und wenig Fleisch.“

Mit der neuen Untersuchungsmethode ist eine gezieltere Ausrichtung der Biopsienadel möglich und eine hohe Trefferquote erreichbar.

Mit der neuen Untersuchungsmethode ist eine gezieltere Ausrichtung der Biopsienadel möglich und eine hohe Trefferquote erreichbar.

Laut Aussagen des Leiters der Urologischen Abteilung am BKH Lienz glauben immer noch viele, dass es ausreicht, zum Urologen zu gehen, wenn sie Symptome haben. „Leider macht das Prostatakarzinom
jedoch sehr lange Zeit überhaupt keine Beschwerden. Symptome wie Schmerzen oder Blutbeimengungen im Urin zeigen sich häufig erst im fortgeschrittenen Stadium, weshalb Karzinome oft spät erkannt werden. Bei einem fortgeschrittenen Krebs kann man nicht mehr heilen. Es ist aber
heute möglich, den weiteren Krankheitsverlauf zu verlangsamen bzw. positiv zu beeinflussen!“

Eine exakte Befundung ist die Grundlage einer individuell auf den Patienten abgestimmten Therapie.

Eine exakte Befundung ist die Grundlage einer individuell auf den Patienten abgestimmten Therapie.

Ab dem 45. Lebensjahr sollte, so Dr. Volgger, eine urologische Basisuntersuchung jährlich auf dem Vorsorgeprogramm des Mannes stehen. Ist Prostatakrebs schon in der Familie aufgetreten, wird diese bereits ab dem 40 Lebensjahr empfohlen. Als wichtige Bestandteile des jährlichen Vorsorgetermines
nennt der Experte ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch über etwaige Beschwerden, das rektale
Abtasten der Prostata, die Ermittlung des PSA-Wertes im Blut und eine Harnkontrolle. Die Größe der Prostata kann mittels Ultraschall exakt gemessen und auffällige Areale, die eventuell auf maligne
Veränderungen hinweisen, festgestellt werden. „Grundsätzlich gilt aber, dass der Verdacht auf ein Prostatakarzinom nur durch eine Gewebeprobe und die anschließende feingewebliche Abklärung durch den Pathologen eindeutig ausgeschlossen werden kann. Entscheidend ist, dass die Gewebsentnahme an der richtigen Stelle vorgenommen wird, eine gerade bei der männlichen Vorsteherdrüse
diffizile Angelegenheit“, weiß der Urologe.

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Diagnoseverfahren wie Ultraschall und Doppelsonographie werden am BKH Lienz seit Kurzem durch neueste Methoden ergänzt. Dabei wird eine Fusion der Daten aus MRT- und Ultraschalluntersuchung angewandt.

Während die Karzinomlokalisation bei Niere oder Blase eine wesentlich einfachere sei, würden, so Dr. Volgger, erst neuere Techniken die Trefferquote einer gesicherten Prostatakarzinom-Diagnostik wesentlich erhöhen. Früher stand den Fachärzten laut seinen Angaben zur Abklärung möglicher Tumore nur die Tastuntersuchung zur Verfügung. Die Entdeckung bzw. die anschließende Biopsie hingen von der Erfahrung des Arztes, aber auch von Lage und Größe der Krebsgeschwulst ab. Mit Entwicklung des Ultraschalls durch den Enddarm konnte die Prostata erstmals gut sichtbar gemacht und in der Folge eine systematisierte Gewebsentnahme vorgenommen werden. Eine wichtige Ergänzung dazu stellt der Farb-Doppler dar, mit dem sich die Strömungsgeschwindigkeit in den Blutgefäßen messen lässt. Tumorgewebe weist andere Durchblutungsmuster als gesundes Gewebe auf. „Trotzdem mussten wir uns auf Basis dieser Methoden mit einer Trefferquote von nur rund 40 Prozent zufriedengeben“, blickt Hubert Volgger zurück.

3D-Darstellungen einer Prostata in der Planungssoftware der Biopsie bzw. eines Models

3D-Darstellungen einer Prostata in der Planungssoftware der Biopsie bzw. eines Models

Als nächsten Schritt auf dem Weg hin zu einer exakten Diagnostik nennt er die Elastographie. Damit kann man Unterschiede in der Gewebshärte einzelner Bereiche der Prostata feststellen. „Die neueste Methode, die wir seit Kurzem hier am BKH in Lienz anwenden, ist die Verschmelzung von Datensätzen aus MRT und Ultraschall. „Zuerst wird die Prostata im Rahmen einer Magnetresonanztomografie (MRT) in speziellen Sequenzen untersucht, um eine Aussage treffen zu können, wo mögliche verdächtige Herde liegen. Die Einstufung nach potenzieller Bösartigkeit erfolgt dabei nach der PI-RADS-Klassifikation auf einer Skala von 1 bis 5. Bei Stufe 4 und 5 fällt die Entscheidung für eine Biopsie. Dafür spielen wir die Untersuchungsbilder aus dem MRT zur Befundlokalisation direkt in das
Ultraschallgerät ein und verbinden diese mittels einer Bilddatenfusion in Echtzeit mit der Live-Ultraschalluntersuchung. Dies ermöglicht uns während des Biopsievorganges die gezielte Ausrichtung der Biopsienadel auf die auffälligen Gewebsbereiche“, erklärt der Urologe den Vorgang.
Dieser sichere eine Trefferquote von bis zu 80% und sei die Basis dafür, dass bösartige Tumore heute besser und eindeutiger diagnostiziert werden können. „Damit nähern wir uns auf Basis dieser optimierten Diagnostik einer besseren Patiententherapie an bzw. können Karzinome noch öfter in
frühen Stadien erkennen!“

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Der Therapieerfolg ist abhängig vom Stadium. Ist die Diagnose Krebs eindeutig, stehen den Urologen am BKH Lienz heute verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Ist der Tumor noch auf die Prostata begrenzt und hat noch keine Metastasen in den benachbarten Lymphknoten gebildet, hat die vollständige Entfernung der männlichen Vorsteherdrüse langfristig die größte Aussicht auf Heilungserfolg. „Die Strahlentherapie empfehlen wir jenen, die eine OP ablehnen oder für die ein solcher Eingriff ein zu großes Risiko darstellt“, sagt Dr. Volgger. „Dafür müssen die Patienten aber einige Wochen nach Klagenfurt oder Innsbruck pendeln.“ Hat der Krebs bereits „gestreut“, lässt er
sich nicht mehr vollständig heilen. Eine Hormon- oder Chemotherapie kann dann aber die Überlebenszeit verlängern.

Dr. Hubert Volgger, Primar der Urologischen Abteilung am BKH Lienz

Dr. Hubert Volgger, Primar der Urologischen Abteilung am BKH Lienz

„Mit der Hormontherapie ist das Tumorwachstum für viele Patienten über Jahre aufhaltbar“, erläutert
der Primar den Nutzen dieser Behandlungsform. Irgendwann jedoch komme fast immer der Zeitpunkt, an dem der Tumor trotzdem wieder weiterwachse. „Wenn das Tumorgewebe nicht mehr auf die Hormontherapie reagiert und wenn sich vor allem in den Knochen Metastasen gebildet haben, führt kein Weg mehr an der Chemotherapie vorbei. Die Prognose hängt dann, je nach Stadium der Erkrankung, v.a. vom Allgemeinzustand des Patienten ab.“

Text: E. Hilgartner, Fotos: Martin Lugger, Privat

13. Dezember 2015 um