„Suizid – ein Tabuthema unserer Gesellschaft!“
Großes Interesse am Freitag, 1.3., am Vortrag mit anschließender Podiumsdiskussion zum Thema „Suizid“ im Bildungshaus. Univ.-Prof. Dr. Ullrich Meise aus Innsbruck referierte.
Der Einladung des Bildungshauses Osttirol zum Vortrag über Suizid mit anschließender Podiumsdiskussion folgten am 1. März 2013 zahlreiche Interessierte aus der Bevölkerung in den Vortragssaal der Bildungseinrichtung in der Kärntner Straße 42 in Lienz. Der Vorstand der Univ.-Klinik für Allg. Psychiatrie und Sozialpsychiatrie der Universität Innsbruck, Univ.-Prof. Dr. Ullrich Meise, informierte fachkundig und ausführlich über die Thematik. Meise ging zu Beginn auf die Begriffsbezeichnungen „Selbstmord“ und „Freitod“ ein und erläuterte in der Folge mittels verschiedenster Grafiken interesssante Details und Zahlen.
So sterben lt. Univ.-Prof. Dr. Meise weltweit ca. 1 Million Menschen jährlich an Suizid. In Österreich verzeichnete man im Jahre 2011 1 286 Selbstmorde. 40 Suizide pro Jahr fallen in die Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen, d.h. Selbstmord stellt eine der häufigsten Todesursachen bei über 15-jährigen jungen Menschen dar. Hinsichtlich der Suizidversuche sprach der Experte von einer sehr hohen Dunkelziffer, die auf das 15- bis 20-Fache tatsächlich erfolgter Suizide geschätzt wird. Interessant ist auch die geschlechterspezifische Gefährdung bei Suizid: So sind nach Angaben von Univ.-Prof. Dr. Meise Männer drei Mal so häufig betroffen wie Frauen, wobei diese Rate in der Altersgruppe über 85 Jahre auf das Zehnfache ansteigt.
Univ.-Prof. Dr. Ullrich Meise erläuterte auch die häufigsten Ursachen für einen Suizid.
Suzid hinterlässt Trauer und Schmerz, aber auch Ratlosigkeit, sowohl bei den Angehörigen, als auch bei Freunden und beruflich damit Konfrontierten. „Suizid hat gravierende Auswirkungen auf das weitere Leben der Hinterbliebenen!“, so Meise, der auch auf die Tabuisierung der „Selbsttötung“ in unserer Gesellschaft und das damit verbundene Schweigen als Last für die Zurückgebliebenen einging. „Vor allem wenn Jugendliche betroffen sind, bleiben viele Fragen offen. Das Tabu erschwert das Reden über die Tat, wenn es um die Entlastung und Heilungsschritte für Familie und Freunde geht. Reden und Zuhören sind aber wichtige Bestandteile nicht nur nach einem Selbstmord, sondern auch vor allem schon im Vorfeld – als Mittel der Prävention“, erklärte der renommierte Psychiater und Psychotherapeut, der in diesem Zusammenhang auch auf die Osttiroler Selbsthilfegruppe „Suizid – zurückgelassen?!“ als eine Anlaufstelle für Betroffene hinwies.
Im weiteren Verlauf seines Vortrages erläuterte Meise die häufigsten Ursachen für einen Suizid. Als Risikofaktoren gelten u.a. depressive Störungen und verschiedene psychiatrische Erkrankungen, Alkohol- und Drogenabhängigkeit, psycho-soziale Probleme oder unheilbare Krankheiten. Im Kindes- und Jugendalter seien, so Meise, außerdem auch schulische Probleme, sexueller Missbrauch, Spontansuizide nach massiven Kränkungen oder der „Imitationseffekt“ innerhalb der Gruppe von Bedeutung. Wichtig sei es, so der Experte abschließend, zu wissen, dass es im Vorfeld eines Suizides immer Anzeichen gebe und dass es entscheidend sei, mit den gefährdeten Personen zu sprechen und ihnen fachkundige Hilfe anzubieten.
Moderiert von DI Christine Brugger, beantworteten im Anschluss an das Referat die Teilnehmer des Podiums, unter ihnen der Leiter der Psychiatrischen Abteilung am BKH Lienz, Prim. Dr. Martin Schmidt, die Lienzer Beratungslehrerin Mag. Conny Schroffenegger-Bodner sowie der stellv. Polizeikommandant von Lienz, Hannes Gatterer, Fragen bzw. erläuterten persönliche Erfahrungen mit der Suizid-Thematik.
Insgesamt ein sehr informativer Abend, der verschiedene Möglichkeiten des Umganges mit Suizid aufzeigte!
Text und Fotos: Journal/Sulzenbacher-Hilgartner