Spezialsprechstunde für „Bruch“-Patienten
Die Anzahl sogenannter „Bruch“-Operationen nimmt auch am BKH Lienz jedes Jahr zu. An der Abteilung für Chirurgie bietet man dazu eine Spezialsprechstunde an. Unter Hernien (Weichteil- und Bauchdeckenbrüche) versteht man Öffnungen bzw. Lücken der Bauchwand, durch die sich Gewebe oder Organe aus dem Körperinneren ausstülpen können. Diese Ausstülpungen sind sowohl für den Arzt, als auch für den Laien als weiche Vorwölbungen der Bauchwand erkennbar. Häufige Hernien sind Leisten-, Schenkel- und Nabelbrüche, Brüche von Narben nach Voroperationen, Bauchwandbrüche sowie innere Brüche. „Die Bezeichnung Bruch bedeutet aber nicht, dass z. B. ein Schenkelbruch mit einem Bruch des Ober- oder Unterschenkels (im Fachjargon Fraktur) gleichzusetzen ist“, hält Primar Dr. Manfred Müller fest. „Hernien entstehen häufig nach einem sogenannten Hebetrauma, aber auch als Folge von chronischem Husten oder chronischer Verstopfung. Außerdem können eine Gewichtszunahme, eine Schwangerschaft oder eine Bindegewebsschwäche das Entstehen einer Hernie begünstigen.“
Die Wahrscheinlichkeit für den häufigsten Weichteilbruch – den Leistenbruch – nimmt mit dem Alter zu. Die häufigste Komplikation, die bei Hernien auftreten kann, ist eine akute Einklemmung von Darmanteilen, die sich durch heftigste Schmerzen bemerkbar macht und die Notwendigkeit einer „Notfall“-OP nach sich zieht. Aus diesem Grund sollten Betroffene symptomatische Hernien frühzeitig und geplant behandeln lassen. „Früher wurden alle Hernien-Operationen offen und ohne Netz durchgeführt“, berichtet Prim. Dr. Müller. „Seit mehr als 15 Jahren kommen aber weltweit zunehmend Kunststoffnetze zur Verstärkung des Bindegewebes und zum Verschluss der Bruchlücken zum Einsatz. An der Chirurgischen Abteilung am BKH Lienz wenden wir überwiegend laparoskopisch-minimalinvasive Verfahren an, des Weiteren offene Verfahren mit Kunststoffnetz. Jeder chirurgische Eingriff wird von uns individuell auf den Patienten zugeschnitten. Insgesamt ist ein stationärer Aufenthalt zwischen drei und fünf Tagen notwendig.“
Die Vorteile der modernen Operationsverfahren liegen für den Patienten in einer deutlichen Verringerung der Schmerzen, in einer früheren Belastbarkeit und in einer deutlich geringeren Rezidivquote (erneute Bruchbildung). Nach einer laparoskopisch-minimal-invasiven Leistenbruchoperation ist im Schnitt nach drei bis vier Wochen die volle Belastbarkeit wieder hergestellt, bei einer konventionellen OP erstreckt sich diese Phase auf fünf bis sechs Wochen. „Leistenbrüche kommen bei Männern viel häufiger vor als bei Frauen“, so Prim. Dr. Müller weiter. Die Zunahme von Leistenbrüchen in der heutigen Zeit führt der erfahrene Mediziner vor allem auf vermehrtes Übergewicht und weniger Sport zurück.
Seit 1. April 2012 bietet das Team der Chirurgischen Abteilung am BKH Lienz eine Spezialsprechstunde für Bruch-Patienten an, die von den Oberärzten Dr. Michael Aschenbrenner und Dr. Manfred Warscher geleitet wird. Patienten können dieses Angebot dienstags von 8.00 bis 11.00 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung (04852/606-680) nützen. Die Fachärzte nehmen bei jedem Patienten eine gründliche Befunderhebung vor, besprechen vor einer OP mögliche Verfahren und legen erst dann einen Therapieplan fest. Außerdem sichern sie nach erfolgter Operation in den Sprechstunden auch eine entsprechende Nachsorge.
Text: J. Hilgartner, Foto: Journal/Sulzenbacher