Selbsthilfe Osttirol lädt zum Info-Abend zum Thema Long/Post-COVID
Primar Dr. Josef Großmann und Maarte Preller (Gründerin von Long Covid Austria – Verein & Betroffeneninitiative) werden am 25. Mai im Institut für Gesundheitsbildung Lienz referieren.
Ein Aufatmen geht durchs Land: Die COVID-Zahlen gehen deutlich zurück! Die warme Jahreszeit wird diese Entwicklung zumindest in unseren Breitengraden wohl auch weiter begünstigen. Gleichzeitig gibt es viele Menschen, die nach wie vor an den chronischen Folgen einer durchgemachten COVID-Erkrankung leiden. Ein solches „Long/Post-COVID-Syndrom“ kann sowohl nach leichten, als auch nach schweren Erkrankungsverläufen auftreten.
Das klinische Spektrum umfasst inzwischen über 50 verschiedene Symptome. Neben Atembeschwerden bei Belastung und einer eingeschränkten körperlichen Leistungsfähigkeit klagen viele Betroffene über psychische und neurovegetative Veränderungen, Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit wie der Konzentration, Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit sowie des Gedächtnisses. Besonders häufig zu beobachten ist das chronische Müdigkeitssyndrom, auch als „Chronic-Fatigue-Syndrom“ bekannt.
Die Häufigkeit eines „Long/Post-COVID-Syndroms“ variiert in den verschiedenen Untersuchungen. Man kann heute aber davon ausgehen, dass etwa 15 Prozent der Menschen nach einer COVID-Erkrankung klinisch relevante Beschwerden aufweisen. Die genaue Ursache des Post-COVID-Syndroms ist nicht bekannt. Neben kleinen Durchblutungsstörungen in bestimmten Gehirnarealen und Veränderungen der Botenstoffe im Gehirn werden vor allem Störungen des Immunsystems und ein Verbleiben des Virus oder bestimmter Virusbestandteile im Körper diskutiert.
In den meisten Fällen hat das Post-COVID-Syndrom eine günstige Prognose. Innerhalb von etwa sechs Monaten kommt es beim überwiegenden Teil der Betroffenen zu einer vollständigen Ausheilung. Eine ärztliche Betreuung ist aber dennoch in vielen Fällen erforderlich.
Maarte Preller hatte einen mittelschweren COVID-19-Verlauf im März 2020 und ist seit August 2020 an Long COVID erkrankt. Eineinhalb Jahre kämpfte sie dafür, dass ihre Erkrankung und die damit einhergehenden Einschränkungen auch rechtlich anerkannt werden. Nun wurde vom Sozialgericht über eine vorübergehende Berufsunfähigkeit entschieden, die rückwirkend ab dem 1. März 2021 zu gewähren ist. Im Hinblick auf Long Covid ist es in Österreich die erste dementsprechende Entscheidung, die bekannt ist.
Der Selbsthilfe Osttirol ist es wichtig, den vielen Betroffenen im Bezirk eine Plattform zu bieten. Die Informationsveranstaltung bietet die Gelegenheit, sich neue Erkenntnisse anzueignen und Fragen zu stellen, die einer Klärung bedürfen. Als Referent*innen fungieren Prim. Dr. Josef Großmann als erfahrener Neurologe im BKH Lienz und Maarte Preller als Long/Post-COVID Patientin, der es als erste Betroffene in Österreich über das Sozialgericht gelungen ist, dass ihre Erkrankung als „vorübergehende Berufsunfähigkeit“ anerkannt wurde. Sie kann aus ihrer positiven Erfahrung Auskunft und auch Hoffnung für Gleichbetroffene geben. In der von der Abteilung für Neurologie am BKH Lienz und der Selbsthilfe Osttirol organisierten Veranstaltung werden die medizinischen, aber auch sozialrechtlichen Aspekte des Long/Post-COVID-Syndroms besprochen.
Infoabend Long/Post-COVID – gesundheitliche Langzeitfolgen
Mittwoch, 25. Mai 2022, 18.30 Uhr – Institut für Gesundheitsbildung Lienz (neues Gebäude auf der Tiefgarage des BKH Lienz)
Text: Redaktion, Symbolfoto: © AdobeStock/niphon