Selbsthilfe als wichtige Säule des Gesundheitssystems
Als Verein, der Leistungen bereitstellt, die die öffentliche Hand nicht liefern und finanzieren kann, bezeichnet Gesundheitslandesrat Univ.-Prof. Dr. Bernhard Tilg die Selbsthilfe Tirol.
Insgesamt 30 000 Mitglieder betreut der Verein Selbsthilfe Tirol, vor allem wenn es darum geht, Menschen Unterstützung zu geben, die von unerwarteten Schicksalsschlägen getroffen werden bzw. vor Lebenssituationen stehen, die sie alleine kaum bewältigen können. Der von Christine Rennhofer-Moritz geleitete Zweigverein Osttirol begleitet Menschen in 53 verschiedenen Selbsthilfe-Gruppen von A wie AD(H)S Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom & Hyperaktivität bis W wie Wachkoma.
„Für uns als Land sind die Selbsthilfegruppen von unschätzbarem Wert. Sie stellen inzwischen mit den Krankenhäusern, den niedergelassenen Ärzten, den Wohn- und Pflegeheimen und dem mobilen Pflegebereich eine gleichberechtigte Säule dar“, betonte Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg bei seinem Besuch im Bezirkskrankenhauses Lienz am 31.10.2012.
In den nächsten Jahren will man, so Christine Rennhofer-Moritz, im Rahmen der Selbsthilfe Osttirol auf drei Schwerpunkte setzen – die Betreuung von pflegenden Angehörigen, das Wegkommen von der Stigmatisierung psychischer Erkrankungen und die Aufklärungsarbeit bei den Jugendlichen. „Ab dem nächsten Jahr bieten wir ein spezielles Ausbildungsangebot für pflegende Angehörige an“, erklärte Rennhofer-Moritz. Besonders wichtig ist für sie auch die Vernetzung von professionellem Gesundheitspersonal, Betroffenen, Angehörigen, von Verwaltung und Politik. „Wir verstehen uns auch als Drehscheibe im Bereich Pflege, unterstützen Betroffene zum Beispiel auch bei Förderungsanträgen und bauen Hemmschwellen ab, die viele Menschen vor allem im Bereich psychischer Erkrankungen noch immer davon abhalten, einen Arzt aufzusuchen“, betonte die Geschäftsstellenleiterin.
Landesrat Tilg nützte die Gelegenheit, um üauch ber den Strukturplan Pflege als „großen Wurf“ für Tirol zu berichten. „700 Mio. Euro werden bis 2019 in Tirols Spitäler investiert, 14 Mio. Euro in einem ersten Schritt in das Bezirkskrankenhaus Lienz. Außerdem werden 1 200 neue stationäre Pflegebetten in Tirol geschaffen“, so Tilg. Zwölf Betten für „schwere Pflegefälle“ sind in der organisatorischen Nähe zum Bezirkskrankenhaus Lienz geplant. Außerdem soll der Pflegeberuf eine Imageaufwertung erfahren. „Für den diplomierten Pflegebereich werden in den sieben Tiroler Pflegeschulen 210 neue Ausbildungsplätze geschaffen, in Osttirol richten wir eine zusätzliche Klasse mit 30 Plätzen ein“, so der Landesrat abschließend.
Text und Fotos: Raimund Mühlburger