Rotes Kreuz Osttirol feierte „20 Jahre Krisenintervention und First Responder“

Bei der Jubiläumsveranstaltung wurden Einblicke in die unterschiedlichen Aufgabenbereiche und das aktuelle Einsatzgeschehen der beiden Dienste gegeben.

Dass das Rote Kreuz Osttirol besonders stolz auf die beiden Dienste Krisenintervention und First Responder ist, kam bei der äußerst gut besuchten Jubiläumsveranstaltung zum Ausdruck. Gerhard Müller, Teamleiter der Krisenintervention Kitzbühel, veranschaulichte gemeinsam mit seiner Kollegin Annemarie die einzelnen Phasen der Betreuung beim fünffachen Mord in Kitzbühel im Vorjahr. Dabei ging es um die Betreuung der Familien der Opfer und des Täters genauso wie um Hilfe im privaten Umfeld (Freunde und Vereinskollegen). Auch das massive Medieninteresse stellte die Einsatzteams vor große Herausforderungen. Müller verwies hier auch auf den „Selbstschutz“ der Rettungsteams sowie die unbedingt notwendige Aufarbeitung in den eigenen Reihen bei diesen fordernden Einsätzen.

 

Gerhard Müller berichtete mit seiner Kollegin Annemarie vom Einsatz der Kriseninterventionsteams beim fünffachen Mord in Kitzbühel im vergangenen Jahr. Foto: ÖRK Osttirol/Erlacher

 

Ein derartiger Fall wie in Kitzbühel zählt Gott sei Dank zum Ausnahmegeschehen. In der 20-jährigen Geschichte der Krisenintervention in Tirol kam es aber immer wieder auch zu Großereignissen (Lawinenunglück von Galtür und Valzur, Brandkatastrophe von Kaprun, Busunglück in Vomp), bei denen die psychosoziale Betreuung durch außergewöhnliche Belastungen umso mehr gefordert ist.

Das First Responder-System startete zu Beginn mit 35 in Sanitäts- oder Notfallhilfe ausgebildeten MitarbeiterInnen, heute sind es mit den Virger Bergrettern und den Liebherr-MitarbeiterInnen insgesamt 50. Die Ausrüstung hat sich mit den Jahren verbessert, wichtige Medikamente und das Blutzuckermessgerät gehören zum Standard-Equipement der MitarbeiterInnen. Alarmiert werden die First Responder über die Leitstelle Tirol über ein eigenes Alarmierungssystem namens „Eagle EIS“. Ca. 25 First Responder sind mit einem Elektro-Schockgerät ausgerüstet.

 

v.l.n.r.: Herbert Girstmair (Leiter Rettungsdienst), Dr. Josef Burger und First Responder Stefan Mariacher. Foto: ÖRK Osttirol/Erlacher

 

Herbert Girstmair, der Leiter des Rettungsdienstes, veranschaulichte in Zahlen und Fakten den Wirkungskreis des First Responder-Systems mit Verstärkung durch qualifizierte Ersthelfer am Beispiel der Gemeinde Kals. Dr. Josef Burger und First Responder Stefan Mariacher berichteten vom Lawinenabgang im Prägratner Ortsteil Bobojach, bei dem sie nach der Evakuierung mit den dortigen First Respondern über mehrere Tage die sanitätsmäßige Versorgung der betroffenen Dorfbewohner übernommen haben. „Geburtshelfer“ dieses Systems, Dr. Franz Krösslhuber, bestätigte dieser „Nachbarschaftshilfe vor Ort“ den immensen Bonus durch den Zeitvorsprung gegenüber den regulären Rettungssystemen. Im Fall eines Herz-Kreislaufstillstandes steigt die Überlebenschance um das Doppelte. Ersthelfer und First Responder verkürzen grundsätzlich die Eintreffzeiten des Rettungsdienstes und sind deshalb nicht mehr wegzudenken in der „Paraderegion Osttirol“.

 

Ingo Vogl ist Leiter der Krisenintervention beim Roten Kreuz Salzburg und gleichzeitig Kabarettist. Foto: ÖRK Osttirol/Erlacher

 

Gegen Ende der Veranstaltung präsentierte Kabarettist und Leiter der Krisenintervention beim Roten Kreuz Salzburg, Ingo Vogl, eine anschauliche Verbindung von First Respondern und Krisenintervention und stellte damit beide Aufgabenbereiche in unmittelbare „Umklammerung des Rettungsdienstes“. Die Krisenintervention (derzeit 16 MitarbeiterInnen) kann gerufen werden, wenn außergewöhnlich belastende Ereignisse, wie Unfälle, Gewalt oder Tod, einen Menschen momentan vor unüberwindbare Probleme stellt. Die frühzeitig einsetzende, professionelle Betreuung trägt dazu bei, Akut-Reaktionen aufzufangen und spätere gesundheitliche Beeinträchtigungen zu vermindern. Ihr Einsatz ist dann erforderlich, wenn Betroffene unter einem akuten psychischen Schock stehen und menschlicher Begleitung bedürfen.

 

Foto: ÖRK Osttirol/Erlacher

 

In Osttirol gibt es derzeit 50 First Responder, sie sind verteilt auf ca. 25 Gemeinden, vor allem in der Peripherie. First Responder sind Ersthelfer aus der unmittelbaren Nachbarschaft, die im Notfall noch vor den Einsatzkräften Hilfe leisten und bis zum Eintreffen eines Notarztes bzw. Rettungswagens die Zeit bis zur ersten medizinischen Versorgung verkürzen. Das System bewährt sich speziell in geographischen Randlagen und gilt als notwendiges Bindeglied einer gut funktionierenden Rettungskette. Je schneller qualifizierte Maßnahmen durchgeführt werden, desto günstiger ist der Heilungsverlauf, und umso kürzer ist im Durchschnitt die nachfolgend notwendige Behandlungszeit. Im Bereich First Responder hat Osttirol eine Vorreiterrolle übernommen – mittlerweile wurde das System für die Versorgung abgelegener Örtlichkeiten in das Tiroler Rettungsgesetz aufgenommen.

 

Text: Redaktion, Fotos: Rotes Kreuz, ÖRK Osttirol/Erlacher

04. März 2020 um