Zwischenbilanz des Roten Kreuzes Osttirol zur Notarzt-Versorgung im hinteren Iseltal

Bis Juli ist das System der inzwischen etablierten „mobilen Notfalleinheit Matrei“ über das Rote Kreuz gesichert. Ob der Auftrag des Landes verlängert wird, steht noch nicht fest.

Die ersten Wochen der „mobilen Notfalleinheit Matrei“ (mNE Matrei), die mit einem Notarzt und einem Notfallsanitäter besetzt ist und im Oktober 2019 ihre Arbeit aufnahm, waren von Aufgaben wie Rekrutierung von Notärzten, der Erstellung von Richtlinien und der Regelung von genauen Abläufen geprägt. „Mittlerweile kann jetzt auf ein verlässliches System, das rund um die Uhr der Iseltaler Bevölkerung und den tausenden Touristen der Nationalparkregion Hohe Tauern zur Verfügung steht, zurückgegriffen werden“, heißt es dazu in einer aktuellen Aussendung des Roten Kreuzes Osttirol.

Durchschnittlich absolviert die mNE Matrei einen Einsatz pro Tag und steht zusätzlich im Bedarfsfall auch den anderen Rettungsmannschaften telefonisch beratend zur Seite. Das Einsatzgebiet umfasst das hintere Iseltal mit den Gemeinden Prägraten und Virgen (zusammen ca. 20 %), den Großraum Matrei (ca. 70 %), Kals (ca. 8 %), Hopfgarten in Defereggen und zum Teil St. Johann im Walde. Unterstützend kommt die mobile Notfalleinheit auch in den Gemeinden des Lienzer Beckens zum Einsatz. In durchschnittlich acht Minuten ab Alarm konnten und können die diversen Einsatzorte erreicht werden.

Im Einsatz stehen routinierte Notfallsanitäter des Roten Kreuzes Osttirol und 16 erfahrene Notfallmediziner, darunter Fachärzte für Anästhesie und Intensivmedizin, Allgemeinmediziner, (Unfall)-Chirurgen, und jeweils ein Facharzt der Disziplinen Pädiatrie, Psychiatrie, Innere Medizin und Neurologie. Die Koordination der Notärzte hat Dr. Andreas Kreiger, selbstständiger Anästhesist aus Villach, inne. Das fachlich bestens ausgebildete Team von Ärzten und Notfallsanitätern ist mit den aktuellsten Standards vertraut und rund um die Uhr über die Leitstelle Tirol und den Notruf 144 erreichbar.

Unterwegs ist das Team mit einem top-ausgestatteten Mercedes Vito mit Allrad und 190 PS. Mit an Bord sind über 60 unterschiedliche Notfallmedikamente, Material zu (unfall-)chirurgischen Versorgungen von Patienten, ein Monitor mit EKG-, Defibrillations- und umfangreicher Diagnostikmöglichkeit, moderne Tools zur Atemwegssicherung, ein High-End-Beatmungsgerät mit acht verschiedenen Beatmungsmodi, Bergematerial und vieles andere mehr.

Die Verteilung der bisherigen Einsätze entspricht dem üblichen Bild bodengebundener Notarztsysteme: In 56 % der Fälle rückte die Mannschaft zu internistischen Notfällen wie Herzproblemen, Kreislaufproblemen, Atemproblemen, etc. aus. 12 % der Einsätze waren Haushaltsunfälle, 10 % neurologische Notfälle (wie z. B. Schlaganfälle). Der Rest verteilt sich gleichmäßig auf chirurgische Notfälle, Sport- und Freizeitunfälle sowie Verkehrsunfälle. Nur in wenigen Fällen handelte es sich um Arbeitsunfälle, psychiatrische Notfälle und Vergiftungen.

Zusätzlich kam die mNE, vor allem in den Wintermonaten und während der touristischen Hochsaison, auch ohne Notarzt zum Einsatz, wobei man als qualifizierter und gut ausgestatteter First Responder fungierte. Wenn kein anderes Rettungsmittel im Iseltal verfügbar war, übernahm man Koordinierungsaufgaben, wenn es mehrere Patienten zu versorgen gab und unterstützte niedergelassene Ärzte bei Notfällen, bis andere Rettungsmittel eintrafen.

Für die Zeit der Corona-Krise konnte mit den Ärzten der mobilen Notfalleinheit Matrei und in Zusammenarbeit mit dem Notarztverband Osttirol, der die räumliche Lösung dafür organisierte, ein Backup geschaffen werden, welches es ermöglicht, innerhalb kürzester Zeit eine „Notordination“ zu eröffnen, die den extramuralen Bereich jederzeit und flexibel unterstützen kann, sollte dies notwendig werden.

Wie gut sich das System mittlerweile etabliert hat und wie rasch die mobile Notfalleinheit im Ernstfall vor Ort ist, verdeutlicht der Erfahrungsbericht eines Patienten, der erst kürzlich vom Team versorgt wurde. Der 57-Jährige, sehr sportliche Mann hatte bereits seit einiger Zeit bei Belastung einen für ihn selbst schwer eruierbaren Druck in Kopf und Oberkörper verspürt. Als sich sein Zustand übers Wochenende verschlechterte, wurde Montagfrüh der Notruf gewählt. „In weniger als fünf Minuten war das Notarztteam bei mir vor Ort, und ich wurde bereits zuhause im Wohnzimmer kardiologisch durchgecheckt. Es wurden erste vorsorgliche Maßnahmen getroffen und die Therapie, die im Krankenhaus fortgesetzt wurde, begonnen. Während der gesamten Behandlung bei mir zuhause, sowie bei dem durch den Notarzt begleiteten Transport ins BKH Lienz fühlte ich mich sehr sicher und gut versorgt. Dies trug dazu bei, dass ich bereits nach wenigen Tagen, nach einem notwendig gewordenen Eingriff im Krankenhaus, dieses wieder wohlauf verlassen konnte“, so der Iseltaler. 

Der Auftrag des Landes Tirol an das Rote Kreuz bzw. die Rotes Kreuz Tirol gemeinnützige Rettungsdienst GmbH, für die Vorhaltung der mobilen Notfalleinheit in Matrei, als Ersatz für die bisherigen Notarztsysteme, endet mit 13. Juli 2020. Ob das mittlerweile sehr gut etablierte System darüber hinaus fortgesetzt werden kann und damit der Auftrag verlängert wird, ist noch nicht fix. Im Sinne der Iseltaler Bevölkerung bleibt zu hoffen, dass dem so ist.

 

Text: Redaktion, Foto: AdobeStock

05. Mai 2020 um