Lienz: Vorträge zum Welt-Alzheimer-Tag im BKH

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Neurologie und Psychiatrie gewinnt in Sachen Demenz- und Alzheimer-Erkrankungen immer mehr an Bedeutung.

Der Welt-Alzheimer-Tag ist am 21. September, das Bezirkskrankenhaus Lienz und die Selbsthilfe Osttirol begehen diesen Tag aus terminlichen Gründen am 28. September. Die Primare Dr. Josef Großmann (Neurologie) und Dr. Martin Schmidt (Psychiatrie) sowie Dr. Mathias DalBianco und Selbsthilfe-Geschäftsstellenleiterin Christine Rennhofer stellten die neuesten Entwicklungen in Sachen dementielle Erkrankungen und das Vortragsprogramm bei einem Mediengespräch vor.

„Die demografische Entwicklung zeigt eine immer höher werdende Lebenserwartung – vor allem auch bei uns in Osttirol. Auch die Anzahl der an Demenz erkrankten Menschen wird sich damit massiv erhöhen. Derzeit gibt es in Österreich rund 130.000 Menschen mit dementiellen Erkrankungen, ca.  60% davon haben Alzheimer. Bis zum Jahr 2050 wird sich diese Anzahl ungefähr verdoppelt haben“, berichtete Josef Großmann. Neben den gesellschaftlichen Veränderungen, die sich daraus ergeben, stellten die Ärzte vor allem auch den Zusammenhang zwischen Demenz-Erkrankungen und seelischen Erkrankungen in den Mittelpunkt. „Es gibt psychische Erkrankungen, die aussehen wie Demenz, aber zum Beispiel eine Depression sein können. Diese Störungen – wie zum Beispiel Vergesslichkeit, geminderte Erinnerungsfähigkeit – sind gut behandelbar“, erklärte dazu Martin Schmidt.

Primar Dr. Josef Großmann moderiert die Veranstaltung und spricht zum Thema „Alzheimer - die vielen Dimensionen einer Krankheit"

Primar Dr. Josef Großmann moderiert die Veranstaltung und spricht zum Thema „Alzheimer – die vielen Dimensionen einer Krankheit“.

Die Diagnostik sei bei diesen Erkrankungen sehr aufwändig. „Wichtig ist eine vernünftige Diagnostik und eine gute Behandlungsplanung. Der Zeitfaktor spielt nämlich eine wichtige Rolle“, so Großmann. Eine große Bedeutung würden bei dieser Planung Angehörige und Hausarzt spielen. Der Betroffene selbst oder die Angehörigen sollten möglichst früh mit dem Hausarzt Kontakt aufnehmen, und dieser überweist den Patienten an die Fachärzte in der Neurologie und/oder Psychiatrie. Tagesstätten, Tages- und Nachtkliniken – wie es sie in Deutschland gibt – könnten bei der Erkrankung verzögernd wirken. „Die Sprengelstube in Abfaltersbach, wo an Demenz erkrankte Menschen zeitweise betreut werden, ist in diesem Zusammenhang bei uns in Osttirol eine wichtige Einrichtung“, betonte Josef Großmann.

Primar Dr. Martin Schmidt hält einen Vortrag zum Thema „Die seelischen Ursachen der Vergesslichkeit und ihre Behandlung"

Primar Dr. Martin Schmidt hält einen Vortrag zum Thema „Die seelischen Ursachen der Vergesslichkeit und ihre Behandlung“.

Christine Rennhofer wird am 28. September im BKH über die Rolle der Selbsthilfe sprechen. „Wenn jemand bei seinem Partner Veränderungen bemerkt, kann das ein großes Problem sein. Hier können wir von der Selbsthilfe unterstützend wirken“, erklärte die Selbsthilfe-Geschäftsführerin. Josef Großmann unterstrich die Bedeutung eines „gesunden Lebens“ in Zusammenhang mit dementiellen Erkrankungen. „Viel Bewegung und eine gesunde Ernährung sind wichtig, aber auch die Teilnahme am sozialen Leben und die Bereitschaft, immer wieder Neues zu lernen, sind für die Hirnfunktion – besonders auch im Alter – von großer Bedeutung“, so Großmann abschließend.

Die Vorträge finden am 28. September 2015, ab 14.00 Uhr, im Vortragssaal (4. Stock) des BKH Lienz statt. An diesem Tag und auch schon am Freitag, 25. September, wird es im Foyer viel Information zum Themenkreis Demenz und Alzheimer geben.

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Mühlburger 

 

15. September 2015 um