Kneippen in Osttirol: Der Gesundbrunnen für Körper & Geist
Kneippen ist viel mehr als „Wassertreten“. Alberta Ortner, Obfrau des Kneipp Aktiv-Clubs Lienz, berichtet von der positiven Wirkung auf Gesundheit und Wohlbefinden.
Der bayerische Priester Sebastian Kneipp (1821 – 1897) erkrankte während seines Studiums an Lungentuberkulose und beschäftigte sich daraufhin intensiv mit dem „Lebenselexier“ Wasser. „Bis heute sind Wasseranwendungen die Grundlage der Kneipp-Therapie. Sie sollen zur Stärkung der Selbstheilungskräfte beitragen, den Kreislauf anregen und den Stoffwechsel fördern. Ob kalte und warme Wechselanwendungen, Wassertreten, Güsse, Bäder, Waschungen, Wickel oder Auflagen – es gibt viele verschiedene Kneipp-Anwendungen“, erzählt Alberta Ortner aus Nußdorf-Debant, die seit dem Jahr 1999 den Kneipp Aktiv-Club Lienz mit aktuell rund 400 Mitgliedern leitet.
Alberta Ortner leitet seit über 20 Jahren den Kneipp Aktiv-Club Lienz.
Neben dem Lebenselexier Wasser gehören Bewegung, Ernährung, Heilkräuter und Lebensfreude bzw. Lebensordnung zu den fünf Säulen des Systems von Pfarrer Kneipp. Eine einfache, aber effektive Kneippanwendung ist z.B. das kalte Armbad. „Es wird auch als Kneipp-Espresso bezeichnet. Man kann es in der Kneipp-Anlage, aber auch ganz einfach zu Hause anwenden. Dazu füllt man das Waschbecken oder den Armkneipper mit kaltem Wasser, taucht zuerst den rechten, dann den linken Arm ein und bewegt die Arme ca. 20 Sekunden im Wasser. Danach sollte man die Arme kräftig kreisen. Die Anwendung wirkt herzstärkend und beruhigend. Das kalte Armbad ist erfrischend und regt an, ohne aufzuregen. Es fördert Konzentration und Leistungsfähigkeit.“

Eine wichtige Säule im Kneipp-System ist die Bewegung. „Es gibt unzählige Möglichkeiten, körperlich aktiv zu sein. Wir veranstalten unter anderem Radausflüge, Berg- und Kräuterwanderungen oder – heuer im Sommer – jeden Donnerstag ein Bewegungstraining zur optimalen Verknüpfung von linker und rechter Gehirnhälfte. Im Winter organisieren wir beispielsweise Rücken-Fit-Gymnastik, Wassergymnastik im Dolomitenbad oder auch Tanz-Einheiten. Musik und Rhythmus fördern nicht nur die Gelenkigkeit, den Bewegungs- und Gleichgewichtssinn, sondern es wird auch die Merkfähigkeit gesteigert.“

Sebastian Kneipp erkannte sehr früh die ursächlichen Zusammenhänge zwischen seelischen Problemen und körperlichen Erkrankungen. „Er hielt die Menschen an, Ordnung bzw. Freude in ihr Leben zu bringen. Ich denke, wir alle brauchen eine Tagesstruktur und sollten regelmäßig unsere Gedanken ordnen. Wichtig ist, dass wir nicht zu viel in unseren Alltag packen und hinsichtlich der allgegenwärtigen Reizüberflutung aufpassen. Mit Gedanken an schöne Erlebnisse und bewusstem Genießen können wir Freude in unseren Alltag bringen, entschleunigen und Stress abbauen.“

Unter Mitarbeit des Kneipp Aktiv-Clubs Lienz wurden in Osttirol zahlreiche Kneipp-Anlagen errichtet: in Außer- und Innervillgraten, in Abfaltersbach, in Virgen, in Gaimberg, in Oberlienz und in Kals. „Bei unserer Wanderung entlang der Sonnenwege starten wir beim Labyrinth in Gaimberg, wo wir die Lebensordnung thematisieren. Am Riedlhof in Lienz/Patriasdorf beschäftigen wir uns mit Kräutern und nehmen anschließend bei der Kneipp-Anlage in Oberlienz ein Wasserbad und genießen das Wassertreten.“ Die Kindergärten in Abfaltersbach und Lienz/Eichholz sind als Kneipp-Kindergärten zertifiziert, und auch der Kindergarten Innervillgraten praktiziert Kneipp-Programme. In Prägraten orientiert sich das Hotel Heimat an der Kneipp-Lehre und bietet den Gästen mit viel Erfolg Kneipp-Anwendungen an.

„Ob in der Kneipp-Anlage, zu Hause oder beim Wandern an einem Bach oder Bergsee – jeder kann das Kneippen ausprobieren und so aktiv und vor allem kostenlos etwas für seine Gesundheit tun. Geselligkeit und Lebensfreude kommen bei den Programmen des Kneipp Aktiv-Clubs übrigens nie zu kurz, und gemeinsam machen die Anwendungen und das Bewegen noch viel mehr Spaß. Unser heimisches Wasser ist ein wahrer Schatz, den wir in Kombination mit den anderen Säulen des Kneipp-Systems für unser körperliches und geistiges Wohlbefinden nutzen können“, so Alberta Ortner abschließend.

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Martin Lugger