Impfkampagne am BKH Lienz voll angelaufen

Am 11.1. ist im Lienzer Krankenhaus die erste Tranche an Impfdosen für die MitarbeiterInnen der wichtigsten medizinischen Einrichtung im Bezirk eingelangt. Bis morgen Freitag, 15.1., sollen rund 38 Prozent des Krankenhauspersonals geimpft sein.

Im BKH Lienz hat man sich auf die Impfkampagne der MitarbeiterInnen bestens vorbereitet. Im Südtrakt des Hauses wurde eine Impfstelle mit eigenen Anmelde- und Impfbereichen installiert, in denen ärztlich-pflegerische Teams die Impfungen nach genauen Terminplänen vornehmen. Hier werden aus den bereitstehenden Ampullen im Schnitt etwas mehr als sechs Impfdosen entnommen, die – sind sie einmal in der Spritze aufgezogen – innerhalb von 30 Minuten verabreicht sein sollten. Bis Freitag, 15.1., müssen die am 11.1. angelieferten Dosen von Pfizer/Biontech verimpft sein. Warum dies so ist, erklärt der Ärztliche Leiter des BKH Lienz, Dr. Martin Schmidt, damit, dass der Impfstoff in bereits aufgetautem Zustand angeliefert werde. „Dies wird österreichweit so gehandhabt. Nur wenige Kliniken verfügen, wie wir hier in Lienz mit dem von Liebherr bereitgestellten `Ultra Freezer` über entsprechende Kühleinrichtungen. Für uns ist dies natürlich sehr bedauerlich, da uns so die Möglichkeit einer längeren Lagerung von verbleibenden Dosen verwehrt ist und wir dadurch in der Impfplanung unflexibel werden. Der Pfizer/Biontech-Impfstoff behält seine Wirksamkeit nämlich nur maximal 120 Stunden nach dem Auftauen.“

 

Primar Dr. Martin Schmidt, der Ärztliche Leiter des BKH Lienz, betont: „Nur mit der Impfung kann die Pandemie durchbrochen und letztendlich beendet werden. Es geht beim Impfen nicht nur um den Selbstschutz, sondern auch um den Schutz der Gemeinschaft!“

 

Bereits im Vorfeld habe man, wie der Ärztliche Leiter weiter ausführt, im Haus auf eine fundierte Information der gesamt 870 Personen zählenden Belegschaft gesetzt. „Der Impfstoff von Biontech/Pfizer wurde, wie jener von Moderna, von der EMA, der Europäischen Arzneimittel-Agentur, geprüft und erst nach Abschluss eines exakten Verfahrens zugelassen. Sämtliche Protokolle der Zulassungsstudie sind öffentlich einsehbar und damit transparent, auch was die Daten zur Sicherheit des Impfstoffes betrifft“, so Schmidt. Der Impfstoff von Pfizer/Biontech wurde vor seiner Zulassung in 120 Zentren in klinischen Studien an rund 44.000 Probanden getestet. Nach Zulassung wurden beispielsweise in Israel bis dato mehr als 1,9 Millionen bzw. in Großbritannien 2,6 Millionen PatientInnen geimpft. Auch in Kanada läuft die Impfung bereits seit Mitte Dezember 2020, in den meisten EU-Staaten seit 27.12.2020 und in den von der Pandemie besonders schwer getroffenen USA konnten mittlerweile bereits mehr als 10 Millionen Impfungen verabreicht werden.

Primar Schmidt ist persönlich davon überzeugt, dass der Forschung mit der Entwicklung der Impfstoffe ein gigantischer Meilenschritt in Hinblick auf die Bekämpfung der Pandemie gelungen ist und dass die wissenschaftliche Sorgfalt von Seiten der EMA, trotz des beschleunigten Genehmigungsverfahrens, nicht vernachlässigt wurde. Er sieht es deshalb auch als einen gesellschaftlichen Auftrag an, Vorbehalte und Ängste, die in der Bevölkerung, die Impfung betreffend, vorherrschen, zwar ernst zu nehmen, im Gegenzug aber seriös und transparent aufzuklären. „Spezifische Nebenwirkungen des mRNA-Impfstoffes sind bislang keine bekannt. Bei 1 bis 30 Prozent können ein bis drei Tage nach der Impfung grippeähnliche Symptome wie Kopfweh, Abgeschlagenheit und/oder Fieber auftreten. Schwere Nebenwirkungen, insbesondere autoimmun-allergische Reaktionen, sind äußerst selten und keinesfalls häufiger als dies etwa bei Grippe- oder anderen Impfungen der Fall ist.“ Bemerkenswert sei, dass 70 Prozent der Geimpften bereits nach der ersten Teilimpfung immun gegen COVID-19 und alle bislang bekannten Mutationen sind und dies für 95 Prozent sieben Tage nach der zweiten Teilimpfung, welche 21 Tage später erfolgt, gilt – und dass der menschliche Körper im Schnitt nach einer Impfung fünf Mal so viele Antikörper bildet, wie dies wie nach einer COVID-19-Infektion der Fall ist.

Im BKH Lienz selbst setzt man auf eine Freiwilligkeit bei der Impfung, hofft aber darauf, dass sich möglichst alle MitarbeiterInnen dafür entscheiden. „Mit 95 Prozent ist die Impfbereitschaft bei unseren ÄrztInnen bereits im ersten Impfdurchgang enorm hoch“, freut sich der Ärztliche Leiter des BKH Lienz, der bei den MitarbeiterInnen im Bereich Pflege aktuell noch eine gewisse Reserviertheit ortet. Möglicherweise liege ein Grund dafür, so Schmidt, im Altersdurchschnitt des großteils noch jungen Pflegepersonals und in der auch in der Bevölkerung weit verbreiteten Ansicht, dass Covid-19 nur für ältere Personen eine Gefahr darstelle. „Leider wird oft vergessen, dass das Virus auch jungen Menschen gefährlich werden kann, dass diese auch schwer erkranken und versterben können und auch bei milderen Krankheitsverläufen Folgeschäden durch die COVI-19-Infektion auftreten können. Zudem ist nicht auszuschließen, dass infolge von Mutationen auch die Gefahr für Personen unter 40 Jahren deutlich ansteigen kann, wie Experten warnen. Deshalb sagen uns die Fachleute, je früher hohe Durchimpfungsraten erreicht werden, umso geringer ist das Mutationsrisiko.“

Umso wichtiger sei es, so der erfahrene Mediziner, das Ziel zu erreichen, das gesamte Personal im BKH Lienz zu impfen. „Bei der Impfbereitschaft geht es letztlich nicht alleine nur darum, sich selbst zu schützen, sondern auch darum, Verantwortung für andere – füreinander und für unsere PatientInnen und sowie für Menschen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können – zu übernehmen. Jeder, der geimpft ist, ist ein Baustein, der dazu beiträgt, dass diese Pandemie beendet werden kann. Ich kann nur empfehlen, sich, sobald die Möglichkeit besteht, impfen zu lassen!“

Mit der Lieferung der nächsten Impfstoff-Tranche rechnet der Ärztliche Leiter des Bezirkskrankenhauses nächste Woche. „Wir sind intensiv darum bemüht, weiteren Impfstoff trotz der allgemeinen Impfstoffknappheit beizubringen.“ Wann auch ausreichend Impfdosen für PatientInnen im Haus zur Verfügung stehen, hänge, so Martin Schmidt, davon ab, wann der Bund die nächsten Impfstoffdosen zur Bestellung freigibt.

 

 

Text: Elisabeth Hilgartner, Fotos: Osttirol heute, Expa/Groder

14. Januar 2021 um