Geschätzte 2.500 Menschen sind in Osttirol alkoholkrank
Der Verein BIN hilft und berät bei Alkohol-, Medikamenten- oder Spielsucht. Derzeit nehmen die kostenlose Beratung nur relativ wenige Betroffene in Anspruch.
„Wir schätzen, dass derzeit im Bezirk Lienz rund 2.500 Menschen alkoholkrank und mindestens 5.000 alkoholsuchtgefährdet sind“, berichtet Mag. Sabine Kiyose-Angerer, Beraterin beim Verein BIN in Lienz. BIN steht für Beratung, Information und Nachsorge. Die Beratungsstelle hilft bei Alkohol-, Medikamenten- und Spielsucht. „Im vergangenen Jahr habe ich 79 Menschen beraten, natürlich können auch Angehörige mit uns in Kontakt treten“, so Kiyose-Angerer.
Ein Bewusstsein für die Problematik gäbe es in unserer Gesellschaft kaum. Viele würden die Notwendigkeit nicht sehen, über Probleme mit Alkohol zu reden oder eine Beratungsstelle aufzusuchen. „Für Männer wird von der WHO ein Wert von 20g reiner Alkohol pro Tag – das sind etwa zwei Bier – und für Frauen einer von 12g pro Tag angegeben, der ohne Gesundheitsfolgen bleibt“, erklärt die Beraterin. Wenn Kinder und Jugendliche mitbekommen, wie die Erwachsenen unbeschwert zu alkoholischen Getränken greifen, sei es schwierig zu vermitteln, dass Alkohol schädlich sein soll.
Mag. Sabine Kiyose-Angerer: „Wir leben in einer Gesellschaft, in der viel Alkohol getrunken wird, und in der man sich oft erklären muss, wenn man nicht mittrinkt.“
Beim Erstgespräch versucht Sabine Kiyose-Angerer die Lebenssituation, die Problemstellungen und das Trinkverhalten der Betroffenen zu klären und sie auf eine eventuelle Therapie vorzubereiten. Eine Entgiftung kann beispielsweise am Bezirkskrankenhaus Lienz gemacht werden, psychische Entwöhnung wird etwa in Treffen (Kärnten), Hall in Tirol oder Mutters in Nordtirol angeboten. „Viele Betroffene können sich ein Leben oder gewisse schwierigere Situationen ohne Alkohol nicht mehr vorstellen. Hier können wir mit unseren Beratungen helfen“, erzählt die Beraterin aus ihrer Erfahrung. Ziel sei in vielen Fällen Entzug und Abstinenz oder auch die Alkoholreduktion zur Verringerung von gesundheitlichen Schäden. In den Nachsorgegruppen oder Nachsorge-Einzelberatungen geht es darum, den Therapieerfolg nach der Entwöhnung zu sichern und das Leben neu zu gestalten.
Neben Alkoholkranken oder Suchtgefährdeten hat Sabine Kiyose-Angerer im vergangenen Jahr auch zwei Jugendliche beraten, die computerspiel-süchtig sind – pathologischer Computer- und Internetgebrauch nennt sich das in der Fachsprache. Im Bereich Spielsucht wurde keine einzige Beratung in Anspruch genommen. Abhängige von illegalen Substanzen (Drogen) finden Hilfe bei der ambulanten Drogen- und Suchtberatung im gleichen Haus wie der Verein BIN.
Verein BIN, Rosengasse 12/2, 9900 Lienz
Terminvereinbarung unter Tel.-Nr. 04852/73450
www.bin-tirol.org
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: merydolla/Fotolia, Osttirol heute/Mühlburger
