Die Augengesundheit im Fokus: 25 Jahre Sehschule Lienz
In den Räumlichkeiten der Augenarztpraxis Dr. Matthias Dapra widmet sich Orthoptistin Gabi Huber PatientInnen jeden Alters, wobei der Schwerpunkt auf Kindern und Jugendlichen liegt.
Die Sehfähigkeit des eigenen Kindes einzuschätzen, ist für Eltern nicht leicht. Da eine eingeschränkte Sehleistung keine Schmerzen verursacht und einseitige Sehschwächen nicht registriert werden, bleiben Fehlsichtigkeiten bei Kindern oft unbemerkt – mit Folgen für die Entwicklung des gesamten visuellen Systems. Umso wichtiger für die gesunde Entwicklung der Augen ist eine Vorsorge im Kindesalter, weshalb der erste Besuch beim Augenarzt bereits als Teil des Mutter-Kind-Passes und anschließend in etwa alle zwei Jahre erfolgen sollte. Die Bedeutung der Vorsorge gerade bei Kindern ist enorm wichtig, betont Gabi Huber, langjährig erfahrene Orthoptistin der Sehschule in Lienz. „Mit meiner Arbeit wird ein Spezialbereich der Augenheilkunde abgedeckt“, erklärt sie. „Sehschulen gibt es in Augenkliniken, Rehazentren und in Augenarztpraxen. In diesen Zentren diagnostizieren und behandeln OrthoptistInnen in Zusammenarbeit mit Augenärzten Störungen des beidäugigen Sehens, Sehschwächen und neuroophthalmologische Fälle.“

25 Jahre Sehschule Lienz
Die Sehschule in Lienz ist die einzige derartige Einrichtung in Osttirol. „Mit der Eröffnung der Augenarztpraxis von Dr. Karl Dapra im Jahre 1997 inklusive Sehschule konnte ich mich in Osttirol entfalten und meinen Traumjob ausüben“, so die Leisacherin. Die Ausbildung zur Orthoptistin hatte sie in Wien absolviert und bereits Berufserfahrungen an der Universitätsklinik für Augenheilkunde in Klagenfurt sowie in einer Augenarztpraxis in Wörgl sammeln können. „Das Berufsbild OrthoptistIn war in den 90er-Jahren im Bezirk Lienz noch weitgehend unbekannt und ich damals auch die einzige Osttirolerin, die diese Ausbildung mit Diplom abgeschlossen hatte“, erinnert sie sich zurück. „Heute sind es neben mir, soweit ich weiß, insgesamt drei, die diese Qualifizierung besitzen, jedoch im Bezirk nicht tätig sind.“

Ein Draht zu Kindern
OrthoptistInnen gelten als ExpertInnen auf dem Gebiet der Vorsorge, der Erkennung und Behandlung von funktionellen und sensorischen Erkrankungen der Augen und ihrer Folgen. Das Gros der PatientInnen sind Kinder mit unterschiedlichsten Frage- und Problemstellungen. „Am häufigsten treten ein- oder beidseitige Sehfehler auf, gefolgt von Schielformen und Sehstörungen. Der Begriff Orthoptik stammt aus dem Griechischen und bedeutet ‚gerade Sehen‘. Der Fachbegriff für den im Volksmund oftmals betitelten Silberblick ist Strabismus. Herrschen ein Ungleichgewicht oder eine Lähmung bei den äußeren Augenmuskeln vor, so kommt es zu einer Fehlstellung der Augen“, informiert Gabi und erzählt, dass es eine Reihe unterschiedlichster Schielformen gibt. Weitere Probleme, mit denen Mädchen und Buben in Begleitung ihrer Eltern zu ihr kommen, betreffen fehlendes räumliches Sehen, Augenzittern, Kopfschmerzen und allgemeine Störungen des beidäugigen Sehens sowie Sehschwächen. „Kurzsichtigkeit tritt bei Kindern immer häufiger auf, was teils auf Vererbung, vielfach aber auf die stark zugenommene digitale Freizeit an Handy und Tablet zurückzuführen ist. Wichtig ist hier, die Kinder anzuhalten, pro Tag mindestens zwei Stunden im Freien zu verbringen, um das Auge in der Ferne zu entspannen.“

Die Osttiroler Orthoptistin arbeitet nach eigenen Angaben sehr gerne mit Kindern. Wer ihr beim Umgang mit den kleinen PatientInnen zusieht, der kann dem nur zustimmen. Man merkt sofort, dass sie sprichwörtlich einen „Draht“ zu den Mädchen und Buben hat. Kommt ein kleiner Patient in die Sehschule, dann wird zunächst der so genannte orthoptische Status erhoben. „Dabei geht es um die Prüfung der Sehleistung mit Brillenbestimmung, um die Erhebung eines Schielstatus, um Farbtest und räumliches Sehen. Zusätzliche Untersuchungen wie die Akkommodationsmessung, Pola- und Schobertest runden die Untersuchung ab. Schielabweichungen werden mittels Prismen oder einem Dunkelrot-Glas ausgemessen und die Sensorik bei Strabismen bestimmt. Die unterschiedlichen Untersuchungsmethoden, oft auch mit Rot/Grün-Brille oder einer Polarisationsbrille sowie mit kindgerechten Fixationsobjekten machen bei Kindern eine Untersuchung spannender“, nennt Gabi Details. Wichtig ist ihr zu betonen, dass OrthoptistInnen die Qualität des Sehvermögens und der Augenstellung ohne aufwändige Geräte feststellen können. „Eine genaue Anamnese ist unumgänglich und meist schon sehr aufschlussreich. Die Untersuchung erfolgt mit einfachen Hilfsmitteln und erfordert Aufmerksamkeit, Erfahrung und das richtige Gespür.“
Sehtraining und Therapiemöglichkeiten
Steht die Diagnose fest, beginnt die Beratung der Eltern, was zu tun ist, ob Brillen oder andere Sehhilfen nötig sind bzw. welche Therapiemöglichkeiten es gibt. Je nach vorliegender Sehstörung umfasst beispielsweise das Sehtraining bestimmte Übungen bzw. Maßnahmen, die entsprechend der fach- und patientengerechten Anleitung durch die Orthoptistin ausgeführt werden sollen. Mit der „Abdecktherapie“ spricht Gabi eine Therapieform an, die bei Amblyopie zur Anwendung kommt. Der Fachbegriff bezeichnet eine Sehschärfenminderung des Auges, die auftritt, obwohl die organischen und neuronalen Voraussetzungen für gutes Sehen gegeben sind oder es einmal waren. „Normalerweise werden die Bilder, die beide Augen an das Gehirn senden, gleichmäßig verarbeitet. Bei Kindern kann es durch unterschiedliche Sehfehler oder Schielen in der Entwicklungsphase jedoch vorkommen, dass nur ein Auge ein schärferes Bild liefert.
Dann wird dieses Auge vom Gehirn bevorzugt und die Sehleistung kann sich bei dem schwächeren Auge nicht richtig entwickeln. Mit dem Abdecken des gesunden Auges mit einem Pflaster, das direkt auf die Haut geklebt wird, wird das schwache Auge zum Sehen animiert – und damit trainiert“, informiert sie. „Wie lange das Augenpflaster zu tragen ist, ist vom Alter des Patienten, der Schielform bzw. der Sehschwäche abhängig. Es können z.B. auch nur einige Stunden pro Tag ausreichen.“ Entscheidend sei, so die Lienzer Orthoptistin, dass die Therapie zeitgerecht erfolgt. „Bei Kindern ist nämlich die Entwicklungsphase bis zum Schulalter enorm wichtig.“
PatientInnen aller Altersstufen
Gabi Huber betreut in der Sehschule Kinder jeder Altersstufe und Jugendliche bis 16 Jahre. Ihr Aufgabengebiet umfasst darüber hinaus auch Erwachsene, die an Seh- und Wahrnehmungsdefiziten leiden. Die Beschwerden der zu untersuchenden und behandelnden PatientInnen sind sehr unterschiedlich und reichen über Schwindel, Kopfschmerzen mit unklarer Ursache, Doppelbilder und Gesichtsfeldausfälle bis hin zu Sehproblemen bei der Bildschirmarbeit sowie visuellen Beschwerden durch neurologische Erkrankungen (z.B. Schlaganfall), nach Unfällen oder Stoffwechselstörungen (z.B. bei Schilddrüsenerkrankungen). Die orthoptische Behandlung und Rehabilitation zielt auf die Reduktion der Seh- und Wahrnehmungsdefizite ab. Außerdem werden Strategien zu deren Kompensation entwickelt bzw. die Anwendung des Sehens im Alltag trainiert.

Anfragen und Termine
Terminvereinbarungen für die Sehschule Lienz können über die Ordination Dr. Matthias Dapra unter der Tel.: 0676/3664610 getroffen werden. „Patienten in Akutfällen, wie z.B. bei plötzlich auftretenden Sehverschlechterungen oder Doppelbildern, sollten umgehend untersucht werden“, so Gabi Huber, die abschließend die Zusammenarbeit mit Augenarzt Dr. Matthias Dapra als eine zum Wohle der PatientInnen bestens funktionierende Symbiose bezeichnet. „Gemeinsam können wir das breite Feld der Augenheilkunde sehr gut abdecken.“
Text: Elisabeth Hilgartner, Fotos: Elias Bachmann


