Dialyse am BKH Lienz: Hilfe für die kranke Niere

Die Niere ist ein wichtiges Reinigungsorgan des Körpers, das man auch als „Schwerarbeiter im Stillen“ bezeichnen könnte. Eine gesunde Niere hat viele Funktionen: Sie filtert Abfallstoffe aus dem Blut und schützt den Körper so vor Vergiftungen. Darüber hinaus zeichnet sie für den Wasser- und Elektrolythaushalt verantwortlich. Über die Flüssigkeitsausscheidung im Urin beeinflusst sie den Blutdruck und produziert Hormone, die für die Blut- und die Knochenbildung wichtig sind. Auch bei extremer Belastung arbeitet sie lange ohne wesentlich merkbare Defizite, weil das Organ die Fähigkeit besitzt, bei Bedarf innere Reserven zu aktivieren. Nierenerkrankungen zeigen oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium Anzeichen, sodass Betroffenen nicht selten sehr spät ärztliche Hilfe suchen. Erst wenn 80 bis 90 Prozent der Nierenfunktion erloschen ist, machen sich Symptome bemerkbar. Ein deutlicher Einbruch der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit ist die Folge, es kommt u.a. zu einer massiven Störung des Mineralhaushaltes, zu geschwollenen Gliedern, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und massiv erhöhtem Blutdruck. Da Giftstoffe im Körper zirkulieren und nicht mehr entfernt werden können, sind auch andere Organe beeinträchtigt. Außerdem können Störungen im Wasser- und Mineralstoffhaushalt, im Vitamin- und Knochenstoffwechsel und sogar im Bereich der Blutbildung auftreten. Als Hauptursachen für das Nachlassen der Nierenfunktion bis hin zum Nierenversagen gelten nach heutigem Wissensstand – neben akuten Krankheitsformen im Rahmen einer schweren Infektion, bei Medikamentenunverträglichkeit, nach einem Unfall oder in Folge einer Herz-Thorax-OP – in erster Linie schwere Diabetes und Hypertonie. Univ.-Prof. Dr. Peter Lechleitner, Primar der Internen Abteilung am BKH Lienz, weist deshalb im Gespräch mit dem Journal auf die Bedeutung einer engmaschigen Blutdruckkontrolle, der regelmäßigen Erhebung von Blut- und Harnbefunden sowie die Vermeidung von Diabetes durch einen gesunden Lebensstil hin. Der renommierte Mediziner betont: „Ich möchte eindringlich auf die Wichtigkeit regelmäßiger Vorsorgeuntersuchungen inklusive einer guten Blutdruckeinstellung hinweisen. Es stehen uns heute bei bereits vorhandenen Problemfeldern ausgezeichnete Medikamente zur Verfügung, die eine blutdrucksenkende Wirkung besitzen und eine fortschreitende Nierenverschlechterung aufhalten oder lindern können. Aber leider sehen wir Ärzte uns sehr oft mit dem auch für andere medizinische Bereiche geltenden menschlichen Problem konfrontiert, dass viele Anzeichen ignoriert werden, solange es dem Patienten `nicht weh tut`. Hoher Blutdruck schmerzt ebenso wenig wie eine beginnende Nierenschwäche!“ Hat sich die Schädigung des Organs manifestiert, bietet die moderne Medizin Behandlungsmöglichkeiten an, die bei schweren Krankheitsformen die Nierenfunktion stützen bzw. ersetzen können. Je nach Konstitution des Patienten kommen eine Transplantation, die Hämodialyse oder eine Peritonealdialyse in Frage. Der erfahrene Internist dazu: „Wir haben derzeit in Osttirol acht Dialysepatienten für eine Transplantation (tirolweit rund 300 Personen) angemeldet, wobei die Wartezeit auf ein Spenderorgan sehr unterschiedlich ausfallen kann. Dies hängt damit zusammen, dass für eine Nierentransplantation nicht nur die Blutgruppe des Spenders und Empfängers maßgeblich ist, sondern dass auch bestimmte zusätzliche Gewebsmerkmale, welche mit hohem Aufwand bestimmt werden müssen, eine Rolle spielen. So kann es sein, dass einige Patienten nur wenige Monate, andere jedoch viele Jahre auf ein Organ warten müssen. Aus diesem Grund bleibt für viele nur die Dialyse als Möglichkeit, zu überleben!“

Laut Univ.-Prof. Lechleitner unterscheidet man heute grundsätzlich zwischen zwei verschiedene Dialysetechniken: „Zum einen das Verfahren der Peritonealdialyse, die zu Hause durchgeführt werden kann und zum anderen jenes der sogenannten Hämodialyse (Blutwäsche) im Krankenhaus. Der behandelnde Arzt entscheidet gemeinsam mit dem Patienten, welche Art der Dialyse am sinnvollsten ist. Rund 80 bis 90 Prozent der Patienten wählen die Hämodialyse. Dabei wird der Patient an eine Dialysemaschine angeschlossen, mehrmals pro Woche mehrere Stunden lang.“ Die Zahl der Patienten, deren Nieren versagen, hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Im Osttirol hat man an der wichtigsten medizinischen Einrichtung vor Ort, dem Bezirkskrankenhaus Lienz, auf diesen Umstand schon vor Jahren reagiert und eine neue Dialyse-Station mit modernster Technik installiert. Univ.-Prof. Dr. Peter Lechleitner berichtet, dass sich die Zahl der Dialysepatienten in der Region alleine in den letzten 18 Jahren verdoppelt hat. Derzeit betreut das Dialysezentrum im BKH Lienz 26 Dialysepatienten. Die Einrichtung verfügt über acht Behandlungsplätze, das heißt, es stehen acht Dialysemaschinen zur Verfügung. Lechleitner erklärt: „Mit einer Dialysemaschine kann man grundsätzlich vier Patienten versorgen, außer wenn ein Patient an einer infektiösen Erkrankung leidet. In diesem Fall kann die Gerätschaft aus hygienischen Gründen nicht für andere Betroffene zur Verfügung gestellt werden. Außerdem sollte es an unserem Zentrum jederzeit auch möglich sein, eine Akutdialyse im Falle eines unerwarteten plötzlichen Nierenversagens durchzuführen.“

„In Lienz werden“, so der Leiter der größten Fachabteilung am BKH Lienz weiter, „pro Jahr rund 4000 Blutwäschen auf Basis modernster Technik gesichert. Durch die jahrelange Behandlung im BKH Lienz wird für viele Patienten die Dialysestation zu einem zweiten `Zuhause`. Es wundert also nicht, dass auf der Dialysestation eine besonders intensive Beziehung zwischen Patienten, Pflegern und Ärzten besteht. Wir setzen alles daran, unsere Patienten besonders intensiv zu überwachen und zu betreuen und beziehen unsere Ergebnisse nicht zuletzt auch in Forschungen in Hinblick auf Störungen des Herz-Kreislauf-Systems bei Dialysepatienten ein.“ Welch ausgezeichnete Arbeit das gesamte Team des Osttiroler Dialysezentrums leistet, zeigt sich nicht zuletzt auch darin, dass Patienten an der Dialysestation in Lienz eine überdurchschnittlich lange Lebenserwartung aufweisen. „Wünschen würden wir uns allerdings“, so Lechleitner, „dass wir den Patienten die Dialyse überhaupt ersparen könnten. Das wäre bei einigen durchaus auch möglich, wenn rechtzeitig Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt und daraus dann die Konsequenz einer guten, gesunden Lebensweise resultieren würde.“

Text: Osttirol Journal, Fotos: Journal/Interne Abt. BKH Lienz

02. Dezember 2011 um