Anästhesiologie: Keine Angst vor der Narkose!

Die Durchführung und Überwachung der klassischen Vollnarkose während einer Operation prägen den Alltag des Teams der Abteilung für Anästhesie am BKH Lienz.

Eine Vollnarkose schaltet während eines operativen Eingriffes das Bewusstsein und das Schmerzempfinden im Körper aus. Stets an der Seite des Patienten ist dabei der Anästhesist, der die Werte überwacht und dafür sorgt, dass der gesamte Prozess unter der jeweils richtigen Dosierung abläuft. Am Ende der Operation ermöglichen die „Hüter des Tiefschlafes“, wie die Anästhesisten manchmal bezeichnet werden, das sanfte Aufwachen des Patienten. „Wir Anästhesisten kommen aber nicht erst zum Einsatz, wenn eine Operation durchgeführt wird“, betont Univ.-Doz. Dr. Andreas Mayr. Wie der Leiter der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin am BKH Lienz festhält, beginnt die Arbeit seines Teams bereits lange vorher. „Zu unseren Aufgaben gehört es auch, die Patienten im Rahmen des sogenannten „Narkosegespräches“ auf die OP vorzubereiten. Wir sichten die Vorbefunde, klären Risiken ab und informieren den Patienten persönlich und umfassend. Außerdem versuchen wir nach Möglichkeit die nicht selten vorhandenen Befürchtungen vor einer Narkose zu nehmen.“

Primar Univ.-Doz. Dr. Andreas Mayr mit der 1. Oberärztin der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin am BKH Lienz, Dr. Karin Mudroch

Primar Univ.-Doz. Dr. Andreas Mayr mit der 1. Oberärztin der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin am BKH Lienz, Dr. Karin Mudroch

Dass es vielen Menschen Angst macht, wenn sie die Kontrolle über ihren Körper abgeben müssen,  bestätigen Dr. Karin Mudroch und Dr. Alfred Senfter, beide Oberärzte an der Abteilung. Die Mediziner führen jedoch aus, dass die Wissenschaft in der Frage der Sicherheit für Patienten, die sich einer  Narkose unterziehen müssen, enorme Fortschritte gemacht hat. Die Regionalanästhesie, im Volksmund auch Teilnarkose genannt, ist besonders für Eingriffe an Unterleib, Becken, Beinen und Armen geeignet. „An unserer Abteilung kommen periphere Nervenblockaden (gezielte Blockade von einzelnen Nerven oder Nervenfasergeflechten) oder rückenmarksnahe Regionalanästhesieverfahren (wirken auf die Nervenwurzeln) zum Einsatz. In beiden Fällen arbeiten wir mit Lokalanästhetika, die die Leitung von Nervensignalen und damit den Schmerz unterbinden“, informiert OA Dr. Mudroch. Es kann, wie Primar Univ.-Doz. Dr. Mayr ergänzt, aber auch eine Kombination differenter Verfahren die  beste Lösung sein. Er nennt als Beispiel eine chronische Dickdarmentzündung. „Muss etwa ein Teil des Dickdarms entfernt werden, bieten wir für derartige OPs das Zusammenspiel einer Vollnarkose mit einer rückenmarksnahen Regionalanästhesie (PDA) an.

anaesthesiebkhlienz-c-martinlugger-t1

Während der Operation wirkt die Vollnarkose. Ist der Patient wach, gewährleistet die PDA die Schmerzausschaltung. Ähnliches gilt z.B. auch für eine Knieprothesen-OP.“ Wie eine geplante Operation im Normalfall abläuft, erklären OA Dr. Mudroch und OA Dr. Senfter: „Findet der Eingriff unter Vollnarkose statt, darf der Patient einige Zeit vorher nichts mehr essen oder trinken. Etwa eine Stunde vor der OP erhält er auf Wunsch eine Tablette zur Beruhigung. Dann wird der Patient in den Vorraum des OP-Saales gefahren und dort vom Anästhesisten und einer Fachpflegekraft in Empfang genommen. Hier erfolgt die Einleitung der Narkose durch Verabreichung von Schmerz- und  Schlafmitteln sowie von Medikamenten zur Erschlaffung der Muskulatur über eine Infusion direkt in das Blut. Ist der Patient eingeschlafen, wird die Allgemeinanästhesie im weiteren Verlauf entweder durch intravenöse Medikamente oder als Inhalationsanästhesie durch Narkosegase, die dem Beatmungsgas zugemischt werden, fortgeführt.

Pro Jahr werden am BKH Lienz rund 5.500 Operationen durchgeführt, pro Wochentag 20 bis 25 Eingriffe. Hinzu kommen ungeplante Operationen in der Nacht oder am Wochenende, z.B. nach Unfällen. Ohne das Anästhesie-Team gibt es keine größere Operation.

Pro Jahr werden am BKH Lienz rund 5.500 Operationen durchgeführt, pro Wochentag 20 bis 25 Eingriffe. Hinzu kommen ungeplante Operationen in der Nacht oder am Wochenende, z.B. nach Unfällen. Ohne das Anästhesie-Team gibt es keine größere Operation.

Ein Team von Spezialisten überwacht während der OP die Tiefe der Narkose (kontinuierliche Zufuhr der Narkosemittel) sowie alle wichtigen Kreislaufwerte über Monitoring. Mit der Ausleitphase, dem Beenden der Zufuhr von Medikamenten und der Wegnahme des Narkosegases, wird die OP abgeschlossen. Es dauert dann meist 10 bis 15 Minuten, bis der Patient erwacht. Während des Aufwachprozesses werden auch der Tubus bzw. die Larynxmaske (Atem- und Beatmungshilfe) entfernt und das Funktionieren der Atmung und das Wiedererlangen von wichtigen Schutzreflexen kontrolliert. Anschließend bringen wir den frisch Operierten auf die Aufwachstation, wo er, je nach Zustand, zwischen einer halben oder sieben Stunden verbleibt. Erst dann erfolgt die Verlegung auf die Normalstation.“

anaesthesiebkhlienz-c-martinlugger-t2

Nach großen Operationen oder schweren Unfällen kommen die Patienten nicht auf die Normalstation, sondern werden in der anästhesiologischen Intensivstation betreut. Primar Univ.-Doz. Dr. Mayr: „35 Prozent der Aufnahmen in unsere Intensivstation, die fünf Intensivbetten umfasst, sind geplant, 65 Prozent jedoch die nicht planbare Folge von schweren Unfällen, großen operativen Eingriffen oder medizinischen Notfällen.“ Neben der Gewährleistung dieser Intensivtherapie von schwerkranken Patienten gehören auch die Behandlung akuter, insbesonderer perioperativer Schmerzen sowie Notarztdienste im Notarztwagen bzw. Notarzthubschrauber zum Leistungsauftrag der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin am BKH Lienz. Außerdem sichert das Anästhesie-Team, gemeinsam mit dem behandelnden Facharzt, die Erstversorgung von lebensbedrohlichen Akutfällen im sogenannten Schockraum und betreut interdisziplinär die Unfallambulanz, das Kreisszimmer, radiologische Einrichtungen sowie den Sectio-OP. „Für unsere Arbeit stehen uns fünf reguläre Operationssäle zur Verfügung. Unser Team besteht aus 12 Fachärzten für Anästhesie und Intensivmedizin, 11 Fachpflegekräften für Anästhesie und 17 Fachpflegekräften für den Bereich Intensivmedizin“, so der Leiter der Abteilung abschließend.

anaesthesiebkhlienz-c-martinlugger-t5

Text: Elisabeth und Josef Hilgartner, Fotos: Martin Lugger, Journal/David Hotzler

27. März 2016 um