Teestube Lienz: Ein Ort der Wärme, der Begegnung und der Menschlichkeit

Der Begegnungs- und Aufenthaltsraum für einsame und obdachlose Menschen sowie jene, die mit wenig Geld auskommen müssen, öffnet am Dienstag, 13. Oktober, wieder seine Pforten.

Wenn die Tage kürzer und die Temperaturen kälter werden, öffnet im Franziskanerkloster in Lienz wieder ein ganz besonderer Ort seine Türen: die Teestube. „Der Pfarrsaal, der mit den einzeln aufgestellten Tischen wie ein kleines Café wirkt, ist ein wichtiger sozialer Treffpunkt geworden – für Menschen, die obdachlos sind, die sich einsam fühlen oder mit wenig Geld ihren Alltag bewältigen müssen“, informiert Dekanatskoordinatorin Michaela Huber, die auch für die Teestube verantwortlich ist.

Die Teestube Lienz ist ein gemeinsames Projekt des Franziskanerklosters Lienz, der Caritas der Diözese Innsbruck und des Dekanats Lienz. Von Mitte Oktober bis Mitte Mai ist sie jeweils von Dienstag bis Freitag zwischen 11.00 und 15.00 Uhr geöffnet. „Am Montag verweisen wir auf das ,warme Platzl‘ der evangelischen Kirche“, so Huber.

Ein Platz zum Ankommen

Im ersten Stock des Franziskanerklosters erwartet die Gäste eine gemütliche Kaffeehaus-Atmosphäre. Wer die Teestube besucht, findet einen Ort der Ruhe, an dem niemand etwas konsumieren muss, um willkommen zu sein. Die Räumlichkeiten sind barrierefrei erreichbar.

Kostenlos angeboten werden warme und kalte alkoholfreie Getränke, Brote mit verschiedenen Aufstrichen, Kuchen, Obst sowie täglich eine frisch zubereitete Klostersuppe. Darüber hinaus stehen Tageszeitungen, Wochenzeitschriften, Gesellschaftsspiele, Radio und kostenloses WLAN zur Verfügung. „Selbst vierbeinige Begleiter sind willkommen – ganz im Sinne der franziskanischen Gemeinschaft“, so Pater Martin Bichler vom Franziskanerkloster.

Teestube lebt vom Ehrenamt

Die Teestube lebt vom Engagement ihrer ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Mittlerweile engagieren sich rund 35 Freiwillige und schenken den Gästen das, was im hektischen Alltag oft fehlt: Zeit. Sie hören zu, führen Gespräche, lachen gemeinsam und sind einfach da. Oft genügt schon ein freundliches Wort oder das Gefühl, gesehen und ernst genommen zu werden. „In der Liebe zu den Ärmsten bekommt die Liebe Gottes Hand und Fuß“, betont Dekan Franz Troyer.

 

 

Begleitet wird das Team von Ehrenamtskoordinator Hermann Kuenz sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Caritas und des Dekanats Lienz. In regelmäßigen Treffen werden nicht nur die Dienste eingeteilt, sondern auch aktuelle Themen besprochen und Schulungen angeboten. Immer wieder kommen Vertreterinnen und Vertreter sozialer Einrichtungen oder anderer Organisationen zu diesen Treffen, um die Zusammenarbeit und Vernetzung innerhalb der Region weiter auszubauen.

Respektvolles Miteinander

Die Gäste der Teestube kommen aus ganz unterschiedlichen Lebenssituationen. Manche haben kein Zuhause, andere kämpfen mit finanziellen Sorgen, wieder andere suchen einfach einen Ort gegen die Einsamkeit. Allen gemeinsam ist der Wunsch nach Gemeinschaft und einem respektvollen Miteinander.

„Die Teestube versteht sich als Ort der Begegnung. Hier entstehen Gespräche, Freundschaften und manchmal auch neue Perspektiven. Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen unter sozialer Isolation leiden, gewinnt ein solcher Treffpunkt zunehmend an Bedeutung“, so Ehrenamtskoordinator Hermann Kuenz.

Damit sich alle Gäste wohlfühlen können, gelten in der Teestube klare Regeln für ein respektvolles Miteinander. Alkohol und Drogen haben ebenso keinen Platz wie Gewalt oder Belästigungen. So bleibt die Teestube ein geschützter Ort, an dem sich alle Besucherinnen und Besucher sicher und willkommen fühlen können.

Finanzierung durch Spenden

Die Finanzierung der Teestube erfolgt ausschließlich durch Spenden. „Ein besonderer Dank gilt dem Sozialladen Lienz (SoLaLi), der die Teestube regelmäßig und großzügig mit Lebensmitteln versorgt, und den Brüdern des Franziskanerklosters, die die Klostersuppe bereitstellen“, freut sich Caritas-Regionalreferentin Barbara Kraler über die Kooperation.

Die Teestube zeigt eindrucksvoll, was entstehen kann, wenn Kirche, soziale Einrichtungen und engagierte Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen. Sie schenkt nicht nur Wärme in den Wintermonaten, sondern Hoffnung, Gemeinschaft und menschliche Nähe.

Wer die Teestube unterstützen möchte, kann dies durch finanzielle Spenden (Caritas der Diözese Innsbruck, AT79 3600 0000 0067 0950, Verwendungszweck: Teestube Lienz) oder durch ehrenamtliches Engagement tun. Jede Unterstützung trägt dazu bei, dass dieser wichtige Begegnungsort auch künftig vielen Menschen offenstehen kann.

Kontakt: dekanat.lienz@dibk.at, Tel.: 0676/87307879

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol Journal

11. September 2026 um