Auf Fels gebaute Kirche mit langer Geschichte
Seit seiner Kindheit beschäftigt sich der pensionierte HAK-Professor Mag. Josef Vergeiner mit der Kirche oberhalb seines Elternhauses, die der Hl. Justina geweiht ist.
Ausgehend vom „Kristeinwirt“ im Asslinger Ortsteil St. Justina stapfe ich mit Josef Vergeiner durch den frisch gefallenen Schnee den so genannten „Kirchbichl“ hinauf. Nach ein paar Minuten erreichen wir die Kirche und genießen den Ausblick auf die umliegende Bergwelt – ein wunderschöner Ort ist dieser Felsen, auf dem die Kirche gebaut ist. „Den Grundstein für mein Interesse an der Kirche hat mit Sicherheit unser Volksschullehrer gelegt. Er hat von uns Kindern verlangt, dass wir die wichtigsten Daten zu unserer Pfarrkirche kennen. Später, als Schüler des Paulinums in Schwaz, verdiente ich mir in den Ferien mein Taschengeld mit Führungen in der Kirche“, erinnert sich Josef Vergeiner zurück. An Kunst und Geschichte Interessierte seien schon immer zahlreich nach St. Justina gepilgert, zu jener Kirche, die erstmals im Jahre 1177 urkundlich genannt wurde.
Mit Führungen hat sich Mag. Josef Vergeiner während seiner Studienzeit in den Sommerferien sein Taschengeld verdient.
„Im Zuge der Außenrenovierung in den Jahren 1990-1993 wurden unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Harald Stadler Grabungen durchgeführt. Damals fand man bislang unbekannte Keramikgattungen und auch Gebrauchsgegenstände, die auf die Römer schließen lassen. Viele Spuren reichen bis in das 3. Jh. n. Chr. zurück“, erzählt der 62-Jährige. Interessantes trat auch bei den Renovierungsarbeiten im Inneren der Kirche Anfang des 21. Jahrhunderts zutage. „Beim Entfernen des alten Kirchenbodens haben wir entdeckt, dass die Kirche auf nacktem Felsen steht.“
Die meisten kunstinteressierten Besucher kommen wegen des Seitenaltars nach St. Justina, den wahrscheinlich Friedrich Pacher geschaffen hat.
Die meisten kunstinteressierten Besucher zieht es wegen des Seitenaltars nach St. Justina. Dieser wird dem bekannten Südtiroler Maler Friedrich Pacher zugeschrieben. „Der Altar aus dem ausgehenden 15. Jh. zeigt u.a. Szenen aus dem Leben der Hl. Justina und des Hl. Cyprian. Die Figur in der Mitte stellt vermutlich die Hl. Justina dar. Sie ist älter als der Altar und dürfte um 1430 entstanden sein“, weiß Josef Vergeiner zu berichten. Das Hauptaltar-Bild zeige die Enthauptung der Hl. Justina, habe ihm einst sein Volksschullehrer erzählt. Dass das Gemälde eine Kopie ist, erfuhr er von einem kundigen Kirchenbesucher. „Er wies mich daraufhin, dass es insgesamt drei Kopien gebe.

Josef Vergeiner: „Im Zuge von Renovierungsarbeiten haben wir entdeckt, dass die Kirche auf nacktem Felsen steht.“
Wir steigen wieder den Hügel hinab – Josef Vergeiner lädt mich auf einen Kaffee in sein Elternhaus ein. Der Bauernhof ist inzwischen verpachtet, der „Kristeinwirt“ ist am Wochenende für Gäste geöffnet. Gattin Hildegard setzt sich zu uns an den Tisch. Auch sie weiß viel von St. Justina zu erzählen. „Unsere Pfarre mit rund 140 Seelen ist immer noch eigenständig, worüber wir sehr froh sind. Wir haben ein sehr reges Pfarrleben. Jeden Sonntag wird in St. Justina ein Gottesdienst gefeiert. Die Kirche ist auch bei Hochzeitspaaren beliebt, bzw. für Taufen sehr gefragt. Und wir haben auch zwei Friedhöfe“, so Hildegard Vergeiner. Wie ihr Mann begeistert sie sich sichtlich für die Historie rund um das ganz besondere Gotteshaus. „Am 2. Juni 2011 habe ich auf dem Kirchweg, der von St. Justina hinauf nach Burg führt, eine Münze gefunden. Wir haben sie Univ.-Prof. Dr. Stadler übergeben. Inzwischen liegt ein Gutachten vor.“ Die Münze sei ein Hinweis auf die frühere römische Besiedlung der Region. „Karthago 297“ steht auf dem Gutachten, was bedeutet, dass die Münze im Jahre 297 in Karthago geprägt wurde. „Unter dem römischen Kaiser Diokletian wurde auch unsere Kirchenpatronin Justina gemeinsam mit Cyprian enthauptet“, stellt Hildegard Vergeiner einen Bezug zwischen Münze und Kirche her. „Oberhalb des Fundortes der Münze liegt eine Wasserstelle. Deswegen liegt der Schluss nahe, dass sie beim Wasserholen verloren wurde“, mutmaßt sie. Teile der Grabungsfunde von St. Justina – darunter das wohl kostbarste Artefakt, der sogenannte „Juwelenkragen“ von St. Justina (ein Gold- und Edelsteingehänge) – sind übrigens im Asslinger Gemeindeamt ausgestellt und können dort besichtigt werden.Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Mühlburger, Hotzler
