Rainermusik Salzburg: Klangvolles Erbe einer k.u.k. Tradition

Die Rainermusik Salzburg ist weit mehr als eine Blasmusikkapelle – sie ist ein klingendes Denkmal der österreichischen Militärgeschichte. Mit Ulrich Oberschneider aus Matrei ist auch ein Osttiroler Teil dieses Klangkörpers.

Die Rainermusik Salzburg wurde im Jahr 1999 nicht als Fortsetzung einer bestehenden Kapelle, sondern als Neubelebung einer musikalischen Tradition, die mit dem Ende der k.u.k. Monarchie 1918 untergegangen war, gegründet. Ihr Namensgeber, das k.u.k. Infanterieregiment Nr. 59 „Erzherzog Rainer“, war über Jahrzehnte in Salzburg stationiert und galt als „Hausregiment“ der Stadt.

 

 

Die ursprüngliche Regimentsmusik war ein fester Bestandteil des militärischen und gesellschaftlichen Lebens in Salzburg. Sie spielte bei Paraden, Empfängen und öffentlichen Konzerten und prägte das musikalische Bild der Stadt. Mit dem Zusammenbruch der Monarchie wurde das Regiment aufgelöst, und die Musik verstummte – bis zur Gründung der Rainermusik Salzburg, die sich seither der Pflege und Aufführung altösterreichischer Blasmusik widmet.

„Aktuell zählen wir rund 45 aktive Musikerinnen und Musiker – sie kommen aus so ziemlich allen Winkeln des Landes Salzburgs, einige auch aus Oberösterreich. Ulrich Oberschneider aus Matrei in Osttirol hat derzeit sicher die weiteste Anreise“, erklärt Obfrau Claudia Baumann.

 

v.l.n.r.: Hornist Ulrich Oberschneider aus Matrei, Obfrau Claudia Baumann und Kapellmeister Horst Egger

 

Matreier Hornist als Mitglied

Ulrich Oberschneider ist seit Jänner 2025 Mitglied der Rainermusik Salzburg und spielt dort das Doppelhorn. Über Kapellmeister Horst Egger, der auch die Bürgermusik Zell am See musikalisch leitet, fand der Matreier den Weg zu diesem traditionsreichen Klangkörper. „Ich habe ein Jahr lang bei der Bürgermusik Zell am See mitgewirkt. Horst hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, auch bei der Rainermusik einzusteigen – und ich habe zugesagt“, erzählt Ulrich, der bereits seit 2009 Teil der Musikkapelle Matrei und seit 2016 bei der Osttiroler agdhornbläsergruppe Lavant mit dabei ist.

„Die Rainermusik absolviert rund zehn Ausrückungen im Jahr. Besonders beeindruckend war für mich das Konzert beim Kaiserfest in St. Gilgen Mitte August“, schwärmt der Matreier.

 

Horst Egger dirigiert die Rainer beim diesjährigen Kaiserfest in St. Gilgen.

 

Die Rainermusik Salzburg ist spezialisiert auf die gehobene mitteleuropäische Blasmusik des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Ihr Repertoire umfasst Werke von Komponisten wie Johann Strauss Vater & Sohn, Franz von Suppé, Carl Michael Ziehrer, Franz Lehár oder Julius Fucík. „Wir Rainer verstehen uns als Nischen-Kapelle und konzentrieren uns hauptsächlich auf die Musik des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Der Schwerpunkt liegt auf der k.u.k. Zeit. Die Unterhaltung des Publikums steht im Vordergrund“, so die Obfrau.

Der Rainermarsch – ein musikalisches Denkmal

Im Zentrum des musikalischen Schaffens steht der Rainermarsch, der 1914/15 von Hans Schmid, dem Musik-Feldwebel des Regiments, komponiert wurde. Entstanden ist der Marsch unter schwierigen Bedingungen im Ersten Weltkrieg – in einer beschädigten Kapelle in Galizien, während das Regiment im Feld stand.

 

 

Der Rainermarsch beginnt mit dem Regimentssignal und enthält im Trio den Generalmarsch, ein typisches Element der k.u.k. Militärmusik. Ursprünglich wurde er mit einem Soldatenchor aufgeführt, was ihm eine besondere emotionale Tiefe verlieh. Der Text stammt von Korporal Josef Schopper und wurde auf einer Feldpostkarte festgehalten – ein berührendes Zeugnis der Zeit.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde eine vierte Strophe hinzugefügt, die den gefallenen Kameraden gewidmet ist. Der Rainermarsch gilt heute als „zweite Landeshymne Salzburgs“ und wird bei offiziellen Anlässen, Gedenkfeiern und Konzerten regelmäßig gespielt.

 

 

Das Rainermuseum – Geschichte zum Anfassen und Anhören

Ein zentraler Ort der Erinnerung ist das Rainermuseum auf der Festung Hohensalzburg. In acht Ausstellungsräumen wird dort das Erbe des Regiments „Erzherzog Rainer“ dokumentiert – von Uniformen und Waffen bis hin zu musikalischen Erinnerungsstücken. „Unsere Kapelle ist eng mit dem Museum verbunden und versteht sich als musikalischer Arm dieser Traditionspflege“, so die Obfrau. Im Museum sind mehrere originale Exponate der historischen Regimentsmusik ausgestellt, darunter die Schärpe und der Stab des Tambourmajors sowie eine Signaltrompete aus der Zeit vor 1918.

 

 

Die Rainer haben mehrere Tonträger veröffentlicht, die das musikalische Erbe dokumentieren und zugänglich machen. „Diese Aufnahmen sind nicht nur musikalisch hochwertig, sondern auch historisch wertvoll – sie bewahren Werke, die sonst in Archiven oder auf vergilbten Notenblättern in Vergessenheit geraten würden.“

Im Jahr 2008 wurde der Rainermusik das Landeswappen von Salzburg verliehen – eine hohe Auszeichnung für ihr Engagement zur Erhaltung der musikalischen und kulturellen Tradition. Die Kapelle tritt regelmäßig bei offiziellen Veranstaltungen, Gedenkfeiern und internationalen Musikfestivals auf und genießt hohes Ansehen in der Blasmusikszene. Sie ist ein Beispiel dafür, wie Musik Geschichte bewahren kann. Sie verbindet musikalische Qualität mit historischer Authentizität und schafft ein Erlebnis, das weit über das bloße Konzert hinausgeht.

 

 

„In einer Zeit, in der vieles schnelllebig und digital ist, bieten wir Rainer einen respektvollen Blick zurück – auf eine Epoche, in der Musik noch Teil des öffentlichen Lebens, der Identität und des Stolzes war“, fasst Claudia Baumann zusammen.

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Rainermusik Salzburg, Kathrin Scheuer, Rainermuseum, privat, Video: YouTube

26. September 2025 um