Nationalpark Hohe Tauern Tirol: Letzte Kuratoriumssitzung von Hermann Stotter

Mit 65 geht der langjährige Nationalparkdirektor Hermann Stotter in den Ruhestand. Künftig lenkt sein Nachfolger Florian Jurgeit die Geschicke des Tiroler Anteils des Nationalparks Hohe Tauern.

Die Sitzung des Nationalparkkuratoriums Hohe Tauern Anfang Dezember war von einem besonderen Ereignis geprägt: Direktor Hermann Stotter bestreitet nach sieben Sitzungen des provisorischen Kuratoriums (1990–1992) und 68 Arbeitssitzungen seit 1992 seine letzte Arbeitssitzung des Tiroler Nationalparkkuratoriums Hohe Tauern.

„Ich danke Hermann Stotter für seine jahrzehntelange Aufbauarbeit und Verbundenheit zu Tirols erstem und einzigen Nationalpark. Ich wünsche ihm für die Zukunft alles Gute und hoffe, er wird dem Nationalpark auch weiterhin verbunden sein. Es freut mich, dass es auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten weiterhin gelingt, zukunftweisende Projekte umzusetzen und damit die Nationalparkregion zu stärken“, so Naturschutzlandesrat René Zumtobel.

DI Hermann Stotter wurde bereits 1990 – also noch vor der rechtlichen Verankerung des Nationalparks Hohe Tauern (1992) – als Leiter der Nationalparkverwaltung bestellt und hat auf Basis der Vorarbeiten der Nationalparkkommission im Jahr 1991 die Abwicklung des Anhörungsverfahrens mit allen Grundbesitzern als Grundlage für die erste Grenzziehungsverordnung (Festlegung der Nationalparkgrenzen 1992) geleitet.

„Die damalige Festlegung der Außen- und Kernzone hat sich bis heute bewährt. Die Einbindung und Kommunikation mit allen betroffenen Grundbesitzern (der Nationalpark befindet sich auf privatem Grundbesitz) sind bis heute ein Markenzeichen des Nationalparks Hohe Tauern Tirol und stellen international gegenwärtig einen wesentlichen Baustein von Leitlinien der Weltnaturschutzorganisation IUCN dar“, so der Landesrat.

René Zumtobel betonte, dass Hermann Stotter immer die Entwicklung des Nationalparks Hohe Tauern Tirol zu einem vollwertigen von der IUCN international anerkannten Nationalpark (IUCN Kategorie II Zertifizierung) inklusive Aufbau entsprechender Bildungseinrichtungen und Infrastruktur in der Region (Nationalpark-Zentrum, Ausstellungen, Themenwege, Schulprogramme) als Ziel hatte. Auch die gegenwärtig österreichweite einheitliche Ausbildung aller Nationalpark-Ranger:innen in Österreich geht auf das ursprüngliche Ausbildungsmodell der Hohen Tauern zurück.

„Ich bin dem Tiroler Nationalparkkuratorium Hohe Tauern für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit in all den Jahren sehr dankbar und vor allem dafür, dass der gemeinsame Weg für die Weiterentwicklung des Schutzgebiets immer unterstützt wurde“, dankte Hermann Stotter abschließend dem Kuratorium.

Inhaltlich standen mehrere zukunftsweisende Projekte im Mittelpunkt, darunter zwei über Dolomiti-Live/interreg finanzierte Projekte: Einerseits die neue Wanderausstellung des Nationalparks Hohe Tauern gemeinsam mit dem Nationalpark Dolomiti Bellunesi. Die Erst-Eröffnung findet voraussichtlich Ende Jänner 2026 in Venedig/Mestre statt. Die Ausstellung soll die grenzüberschreitende Natur- und Kulturvermittlung weiter stärken.

Ebenfalls vorgestellt wurde das Steinwild-Projekt im Dolomiti-Live-Gebiet (Gemeinde Prettau, NPHT, NP Dolomiti d’Ampezzo). Einheitliches Monitoring, genetische Untersuchungen, Gesundheitschecks sowie gezielte Habitatverbesserungen sollen langfristige Managementstrukturen schaffen und die Bestände stabilisieren.

Unter dem Schwerpunkt „Nationalpark für Alle“ wurde die vertiefte Kooperation mit der Lebenshilfe Osttirol sowie das Gesamtkonzept zur Neugestaltung des Lehrwegs „BergeDenken“ präsentiert. Das Tiroler Nationalparkkuratorium hat für die umfassende Umsetzung des barrierefreien Themenwegs im Ködnitztal über 100.000 Euro freigegeben.

Die 2025 wiederholte Almnutzungskartierung bestätigt zentrale Trends der letzten Jahrzehnte: In der Außenzone des Nationalparks Hohe Tauern stieg der Anteil ungenutzter Flächen seit 1998 von 42 % auf 62,5 % (2024), die beweideten Flächen sanken entsprechend auf 37 %. Die mit Rindern beweideten Bereiche reduzierten sich von 32,7 % (1998) auf 27,4 %, jene mit Schafen von 25,1 % auf 15,3 %. In der Kernzone sind mittlerweile 92,5 % der Flächen unbeweidet. Die Schafbeweidung verringerte sich seit 1998 von 14 % auf rund 6 %. Diese Entwicklungen entsprechen dem alpenweiten Rückgang traditioneller Weidenutzung.

 

 

Text: Redaktion, Foto: NPHT/Raffler

11. Dezember 2025 um