Nach Lawinen-Wochenende mit Toten: Land Tirol appelliert an Eigenverantwortung

Nach einem intensiven Einsatzwochenende, über 250 Lawinenabgängen, rund 40 damit verbundenen Einsätzen und über 500 ausgerückten Einsatzkräften lud Landeshauptmann Anton Mattle zu einer Nachbesprechung.

„Tirol ist ein sicheres Land, die Behörden und hauptberufliche sowie ehrenamtliche Einsatzkräfte halten der Bevölkerung den Rücken frei. Das Land kann aber den Einheimischen und vor allem den Gästen die Eigenverantwortung nicht abnehmen. Jeder und jede trägt Verantwortung für sich selbst, aber eben auch für die Einsatzkräfte. Deshalb habe ich kein Verständnis für Personen, die die unüberhörbaren Warnungen und Empfehlungen ignorieren. Wer ohne Erfahrung und trotz hoher Lawinengefahr das freie Gelände betritt, gefährdet sich und andere“, betonte der Landeshauptmann.

Ekkehard Wimmer, Landesleiter der Bergrettung, wies einmal mehr auf die große Belastung für die ehrenamtlich tätigen Bergretter hin: „Die Belastung für die Kameradinnen und Kameraden ist an einem solchen Wochenende enorm. Und wir müssen feststellen, dass wenn man in einer solchen Situation in den freien Skiraum fährt, einem das Gespür, die Ausbildung und die Erfahrung fehlt“, sagt Wimmer.

Die Alpinpolizei bearbeitete am Wochenende rund 60 alpine Einsatzereignisse, wie Landespolizeidirektor Helmut Tomac ausführte: „Insgesamt sehen wir eine sehr professionelle und gute Zusammenarbeit zwischen Alpinpolizei, Bergrettung, Flugpolizei, anderen Einsatzorganisationen und dem Land Tirol.“

Die Kommunikationskanäle, mit denen Lawinenkommissionen und das Land Tirol auf die aktuelle Lawinensituation hinweisen, sind vielfältig und reichen von klassischen Medien über die Land Tirol App bis hin zu Social Media Plattformen. Allein die Webseite des Lawinenwarndienstes wurde vergangene Woche mehr als 1,5 Millionen Mal aufgerufen.

Durch die AT-Alert-Gefahreninformation stiegen die Zugriffszahlen in kurzer Zeit rasant an – rund 130.000 Mal wurde der Lawinenreport aufgerufen. „Kaum jemand in Tirol kann wohl behaupten, dass er oder sie nicht von der großen Lawinengefahr gewusst hat. Vielfach mangelt es nicht an der Information, sondern am Bewusstsein und der Akzeptanz. Wintersportler:innen sind angehalten, sich bereits bei der Planung von Skitouren und Ähnlichem über die aktuelle Lawinensituation zu informieren und ihr Verhalten den vor Ort vorherrschenden Bedingungen anzupassen“, erklärte Harald Riedl, zuständig für Lawinenkommissionsangelegenheiten im Land Tirol.

„Wir bedienen über sämtliche Informationskanäle moderne Schnittstellen und laden alle Tourismusverbände und Seilbahnen ein, möglichst früh diese Informationen über ihre hauseigenen Kommunikationskanäle weiter zu streuen. Diesbezüglich appellieren wir natürlich an alle Beherbergungsbetriebe und Vermieter, ihre Gäste auf Gefahren aufmerksam zu machen und für die aktuelle Lawinensituation zu sensibilisieren. Wir führen bereits Gespräche mit den Tourismusverbänden und Seilbahnunternehmen, wie die Kommunikation in diesem Bereich noch stärker ausgebaut werden kann“, erkärte Patrick Nairz, Leiter des Lawinenwarndienstes.

„Aufgrund der außergewöhnlichen Gesamtlage wurde vergangenes Wochenende mit der AT-Alert-Gefahreninformation auf die große Lawinengefahr hingewiesen. Der AT-Alert ist aber kein gängiges Warninstrument für Lawinenwarnungen, sondern zeigt, wie herausfordernd das Lagebild am Wochenende war“, versicherte Elmar Rizzoli, Leiter des Zentrums für Krisen- und Katastrophenmanagement, dass die Anwendung des AT-Alerts nicht leichtfertig oder inflationär erfolgt.

Offen angesprochen wurde bei der Nachbesprechung auch die technische Verlässlichkeit des AT-Alerts. „Schätzungen zufolge wurden mit der AT-Alert-Gefahreninformation über eine Million Endgeräte erreicht. Bei einem großen Teil der Endgeräte ist sie also entsprechend angekommen. Die Behörden-Warnung wurde durch das Land Tirol nachweislich ordnungsgemäß ausgelöst. Bis die Warnung das Endgerät erreicht, gibt es aber technische Unabwägbarkeiten, die im Gespräch mit den Mobilfunknetzbetreibern angesprochen werden müssen. Ab dem Auslösen hat das Land Tirol keinen Einfluss mehr auf die technischen Komponenten des AT-Alerts, da auf das allgemeine Handynetz zugegriffen wird. Bislang fehlt es seitens der Handynetzbetreiber an der entsprechenden Datenlage und an einer notwendigen Fehleranalyse, die wichtige Aufschlüsse geben würden“, so Rizzoli.

Die Landesregierung würde sich dem annehmen, sich mit einem Schreiben an die Mobilfunknetzbetreiber wenden und zu technischen Gesprächen mit dem Land Tirol einladen.

 

 

Text: Redaktion, Foto: KI-generiert

26. Februar 2026 um