Lawinentraining: „3! Winter Life Camp“ in Osttirol erreicht jährlich 550 SchülerInnen
Das Lawinentraining von Bergrettung, Bergführern und Alpinpolizei sensibilisiert seit 13 Jahren Jugendliche für die Gefahren im alpinen Gelände abseits präparierter Skipisten.
Handlungsorientiertes Wissen über Pistenregeln, Schneeverhältnisse, Kameradenrettung und Erste Hilfe – das Projekt „3! Winter Life Camp“ des Austria Alpinkompetenzzentrums Osttirol setzt auf Prävention. „Vor 13 Jahren haben uns besorgte Eltern angesprochen, weil ihre Kinder abseits der gesicherten Pisten Fun und Action suchen, aber sich der Gefahren zu wenig bewusst sind. Die Folgen sind fatal“, erklärt Peter Ladstätter, Bezirksleiter der Bergrettung Osttirol.
SchülerInnen der MS Abfaltersbach beim Bergen eines Lawinendummys im Skigebiet Thurntaler
Bergrettung, Bergführer und Alpinpolizei entwickelten ein eintägiges Sicherheitscamp. TeilnehmerInnen sind alle Osttiroler Jugendlichen der siebten Schulstufen. „Wir rannten bei den DirektorInnen offene Türen ein. Mittlerweile sind alle Osttiroler Mittelschulen und das Gymnasium dabei, und wir erreichen flächendeckend jährlich an die 550 Schülerinnen und Schüler“, zeigt sich Martin Rainer, Obmann des Austria Alpinkompetenzzentrums Osttirol und selbst Bergführer und HAK-Lehrer, stolz.

Nach einer kurzen Theorieeinheit über Pistenregeln und jugendgerechte Schnee- und Lawinenkunde wird der Klassenraum in das alpine Gelände, also ins Skigebiet, verlegt. „Ob mit Ski, Snowboard oder Schneeschuhen – alle kommen mit in den Schnee. Auf der Piste machen wir den SchülerInnen klar, dass jede und jeder Verantwortung trägt. Wir besprechen, wie man bei einem Unfall die Piste absperrt und einen Notruf absetzt“, beschreiben Franz Holzer und Toni Riepler, die Masterminds des Projektes, den Ablauf.

Die Jugendlichen setzen sich mit praxisnaher Schnee- und Lawinenkunde auseinander und lernen zum Beispiel, wie sie mit den im Lawinenlagebericht genannten Gefahrenstufen und Lawinenproblemen richtig umgehen und was das im Gelände bedeutet. Die Vorträge sind jugendgerecht aufbereitet und sollen mit plakativen Elementen und einprägsamen Bildern wichtige Botschaften transportieren. „Es beeindruckt, wenn man sich vor Augen führt, dass die Schneemassen einer 70 m langen, 10 m breiten und 1,5 m tiefen Lawine 525 Tonnen wiegen, in etwa so viel wie 200 Autos“, so Ladstätter.
MounTEENcoaching auf einer alten Lawine im Skigebiet Thurntaler
Die Jugendlichen lernen auch, dass Erste Hilfe ganz einfach mit ansprechen und einem kurzen Lage- Gefahrencheck beginnt. Im Großteil der Fälle kann die Situation des Verunfallten schon mit einfachen Handgriffen – etwa Skibindung öffnen oder aus dem Tiefschnee helfen – verbessert werden kann.
Aus dem Schnee ragt die Hand eines Lawinendummys. „Das ist ein Freund von euch. Er wurde verschüttet. Holt ihn raus!“, heißt eine der Aufgabenstellungen. „Die Jugendlichen wissen, dass nach 15 Minuten die Überlebenschancen rapide sinken. Sie graben jedes Mal mit voller Energie, denn sie wissen, jede Minute kann über Leben und Tod entscheiden“, erklärt Toni Riepler.

Bis jetzt war das Projekt erfolgreich. „Wir hatten keinen einzigen jugendlichen Lawinentoten in den vergangenen zwölf Jahren zu beklagen. Es gibt einige erfreuliche Beispiele, bei denen Jugendliche im Ernstfall alles richtig gemacht haben und die professionellen Ersthelfer nur staunen konnten. Mir ist jede Stunde Prävention tausendmal lieber als eine Minute Einsatz“, betont Bergretter Peter Ladstätter.

„Wir belehren die Jugendlichen nicht, sondern sind Coaches. Das Gesamtprojekt – Winter und Sommer – heißt daher mounTEENcoaching. Wir erzählen aber auch von eigenen Erfahrungen und Fehler. Wir sind sehr froh, dass wir mit dem Tourismusverband Osttirol, dem Land Tirol, der Firma iDM, der TIROLER Versicherung, der Felbertauernstraße AG, der Privatstiftung Lienzer Sparkasse und den Osttiroler Gemeinden Sponsoren für unser Projekt gefunden haben. Ohne diese Unterstützung wären die Sicherheitscamps nicht möglich“, bedankt sich Martin Rainer abschließend.

Text: Redaktion, Fotos: Alpinkompetenzzentrum Osttirol, Toni Riepler
