Plöckenpass-Straße: grenzüberschreitendes Vernetzungstreffen

Am Montag, 28. Juli 2025, fand ein grenzüberschreitender Austausch unter dem Titel „The Big European Picture“ statt. Vertreter von Wirtschaft, Gemeinden und Regionen dies- und jenseits des Plöckenpasses nahmen teil.

Das grenzüberschreitende Treffen am 28. Juli war Auftakt für eine Reihe von geplanten Folgeveranstaltungen in Friaul-Julisch Venetien und Kärnten. Die teilnehmenden Wirtschafts-, Bezirks- und Gemeindevertreter:innen eint ein gemeinsames Ziel: Sie wollen künftig noch intensiver zusammenarbeiten und favorisieren einen vier Kilometer langen Scheiteltunnel als mögliche Lösung für eine zukünftig sichere Straßenverbindung von Kärnten nach Italien.

Erst vor dem Sommer 2025 konnte die Plöckenpassstraße nach rund eineinhalb Jahren Sperre aufgrund von Sanierungsarbeiten nach einem massiven Steinschlag wieder geöffnet werden. Parallel zur Beseitigung der Steinschlagschäden wurden in bilateralen Arbeitsgruppen der Grenzregionen Friaul-Julisch-Venetien und Kärnten mehrere technisch machbare Varianten ausgearbeitet – von Tunnellösungen bis hin zu einer alternativen Straßenführung. Dabei wurden für den Bau einer Alternativtrasse rund 240 Millionen Euro und sieben Jahre Umsetzungszeit veranschlagt. Die Errichtung eines Scheiteltunnels wurde mit rund 530 Millionen und einer zehn- bis elfjährigen Planungs- und Bauzeit beziffert. Die kostspieligste Variante, mit Kosten von mehr als einer Milliarde Euro, wäre ein Basistunnel, der jedoch realistischerweise nicht in Frage kommen dürfte. Darauf weisen auch die Stellungnahmen beim Vernetzungstreffen am 28. Juli 2025 hin.

Offenbar forcieren sowohl politische als auch wirtschaftliche Entscheidungsgremien auf beiden Seiten des Passes die Scheiteltunnel-Variante.  In der Sitzung am Montag, 28. Juli, wurden konkrete Erfolgsmodelle wie der Felbertauern-, Karawanken- und Koralmtunnel thematisiert. Gleichzeitig wurde versucht, die Bedenken zu zerstreuen, dass durch einen Scheiteltunnel mehr Transit angezogen würde. Auf der 400 Kilometer langen Strecke von München nach Triest sei ein vier Kilometer langer Scheiteltunnel zum ganzjährigen Vorteil der Bevölkerung beider Regionen tragbar. Zudem weise die Plöcken-Studie des Landes Kärnten aus dem Jahr 2019 einen nur marginalen Zuwachs des Verkehrsaufkommens durch den Bau eines Scheiteltunnels aus. Technisch sei das Projekt machbar und mit Unterstützung Europas auch finanzierbar, so die Teilnehmer:innen des Treffen. Sie wünschen sich ein Mautsystem für den Tunnel, als „dringend benötigte Investitionshilfe für die Grenzgemeinden“.

Vizepräsident Stefano Mazzolini berichtete, dass auf italienischer Seite Einigkeit herrsche und man für die Lösung eines Scheiteltunnels eintrete. Der Bürgermeister von St. Stefan im Gailtal, Ronny Rull, und Claudio Coradazzi von der Comunita di montagna della Carnia unterstrichen als Vertreter von 35 Gemeinden dies- und jenseits des Plöckenpasses ihre Unterstützung. Die EU-Abgeordneten Elisabeth Dieringer und Marc Germeshausen von „Europa Direkt Kärnten“ brachten die europäische Perspektive ein. Enzo Unfer, ehem. Direktor der Europäischen Investitionsbank in Luxemburg, brachte es auf den Punkt: „Wenn die beiden Regionen es politisch wollen, wird die Finanzierung mit Unterstützung der EIB funktionieren.“ Victoria Gailer, Unternehmerin aus Kötschach-Mauthen und Initiatorin der „Karnischen Werkstätten“, bezeichnete die Öffnung nach Süden hin als eine Zukunftschance für den Wirtschafts-und Tourismusstandort Osttirol-Oberkärnten und ortete Aufbruchsstimmung. Sie berichtete von mehreren laufenden Projekten, auf denen künftig aufgebaut werden müsse. „So viel grenzüberschreitenden Kontakt und Informationsaustausch wie in den 500 Tagen der Plöckenpass-Sperre gab es wohl noch nie“, sagte Ingo Ortner, Unternehmer aus Kötschach-Mauthen und Koordinator des Treffens. Er erklärte, dass es in den rund 500 Tagen der Plöckenpass-Sperre ein enorm hohes Ausmaß an grenzüberschreitendem Kontakt und Informationsaustausch gegeben habe.

 

Text: Redaktion, Foto: © Inge Ortner

30. Juli 2025 um