Für den Noriker-Zuchthengst Massimo begann ein neues Kapitel

Ein Einblick in die Arbeit des Tiroler Pferdezuchtverbands, in das Leben auf der Hengststation und in den traditionsreichen Almsommer für Hengste in Kirchberg/Aschau. Ein Bericht von Norbert Mariacher.

„Massimo Diamant XIV“ ist ein achtjähriger Noriker-Zuchthengst, der als ein Paradebeispiel für Kraft, Charakter und Zuchtqualität gilt. Vier Jahre lang stand er nun zuletzt, im Auftrag des Tiroler  Noriker Zuchtverbandes, auf der Hengststation von Gottfried/Jasmina Walder in Strassen. Nach dem Sommer 2025 zeichnete sich ein Wechsel ab: Massimo übersiedelte auf eine andere  Hengststation. Zuvor verbrachte der Hengst den Sommer aber auf der Stallbachkaralm in Kirchberg/Aschau, auf die im Juni 2025 insgesamt sechs Hengste des  Verbandes aufgetrieben wurden. Doch bevor sich Massimo auf der Alm von der Decksaison „ausruhen“  durfte, wartete auf ihn eine alte Tradition: der „Hengstauftrieb“ mit der Bestimmung des  Leithengstes für den Sommer.

Johann und Simon Walder, selbst begeisterte und erfolgreiche  Züchter aus Sillian, übernahmen für diesen ereignisreichen Tag die Betreuung, den Transport und die Vorstellung von Massimo unter regem Interesse hunderter Zuschauer in der Almarena. Nach  der Präsentation wurden die Hengste freigelassen. Imposante Rangkämpfe folgten, um den  Leithengst für den Sommer zu bestimmen. Auf der Alm waren die Hengste die folgenden Monate  über Tag und Nacht draußen. Der intensive Naturkontakt stärkte ihr Immunsystem, gleichzeitig  wurden Gleichgewicht, Trittsicherheit und Motorik trainiert. Der Almabtrieb von der  Stallbachkaralm fand Ende September statt – und für Massimo begann damit ein neues Kapitel in Nordtirol.

 

Bild 1: Pediküre mit der Entfernung der Hufeisen für den Almsommer und spezielle Hufpflege ist zwar lästig, aber erforderlich und notwendig. Bild 2: Erster Sichtkontakt mit der Konkurrenz beim Ausladen auf der Alm-Arena unter der Obhut von Simon und Johann Bild 3: Zuerst noch auf die Waage, um das Gewicht vor bzw. nach dem Almsommer abgleichen zu können. Mit stolzen 840 kg war Massimo der schwerste Hengst in der Arena.

 

Die Norikerzucht in Tirol

Der Tiroler Pferdezuchtverband ist eine der zentralen Säulen der Pferdezucht in Tirol. Er widmet  sich der Zucht, Erhaltung und Weiterentwicklung des Noriker Pferdes, einer traditionsreichen,  österreichischen Kaltblutrasse, die einst als verlässlicher Arbeitspartner in der Landwirtschaft unentbehrlich war und heute mit ihrem ausgeglichenen Temperament, ihrer Kraft und Schönheit  auch als ein beliebtes Freizeitpferd gehalten  wird. Der Verband zählte 2024 rund 520 Zuchtstuten  und entsprechend viele Züchter:innen in Nord-, Ost- und Südtirol und ist in verschiedene Bezirksgruppen unterteilt. Neben der Organisation von Zuchtschauen,  Stutenbuchaufnahmen und  Leistungsprüfungen gibt es auch mehrere Hengststationen, die eine wesentliche Rolle in der  gezielten Anpaarung und Zuchtauswahl spielen. Eine Hengststation wird meistens in den Stallungen eines ausgesprochenen Pferde-Kenners und Liebhabers unter der Obhut des  Zuchtverbandes betrieben. Ausgewählte Zuchthengste werden so nach genauen Richtlinien bzw.  Kriterien flächendeckend über einzelne Gebiete verteilt und über die Decksaison dort eingestellt.  Sie dienen der gezielten Bedeckung von Zuchtstuten aus der Region und darüber hinaus. Somit ist die Station ein logistisches Zentrum für die Pferdezucht, ein Kompetenzzentrum in Sachen  Genetik und Zuchtplanung. Hier wird streng auf Gesundheit, Fütterung und Pflege geachtet. Die  Hengste werden regelmäßig tierärztlich untersucht und auf ihre Fruchtbarkeit getestet. Auch ihr  Verhalten und ihr Umgang mit Menschen spielen eine wichtige Rolle. Ein Hengst wie Massimo  verbringt den Großteil des Jahres auf der Station, wird trainiert, betreut und nimmt mitunter an  Zuchtschauen oder Präsentationen teil.

 

 

 

Text und Fotos: © Norbert Mariacher

30. September 2025 um