Feierliche Gedenkmesse für Jakob Gliber in Ainet
Zum zweiten Male innerhalb weniger Wochen traf sich der Lienzer Sängerbund am 12.2.2017 in der Pfarrkirche Ainet, um eines verstorbenen Mitgliedes zu gedenken …
Auch vor 97 Jahren hatten sich die Sänger in der Aineter Kirche zum Gedenken an ihr Ehrenmitglied eingefunden. Nachdem der Sängerbund beim Begräbnis Glibers am 3. Feber 1917, mitten in den Wirren des Ersten Weltkrieges, nicht einsatzfähig war – zu viele Sänger standen an den Fronten oder waren schon gefallen – begab sich der Sängerbund am 5. September 1920 nach Ainet, um einer alten Ehrenpflicht Genüge zu leisten und seinem Sangesbruder und Ehrenmitglied Jakob Gliber ein Grablied zu singen, wobei …„wir die ‚Deutsche Messe‘ sangen“, wie der Chronist zu berichten wusste.
Links und rechts an den Langhauswänden die Gipsmodelle zum Kreuzweg in Admont, die der Künstler seiner Heimatkirche geschenkt hatte, links vom Altar die Maria Immaculata aus Birnbaumholz, die er 1865 geschnitzt und beim Unterrichtsministerium eingereicht hatte, um ein Stipendium für die lang ersehnte Italienreise zu erhalten, und auf den Altarstufen die Sänger – dies alles ergab am Sonntag, 12.2.2017, ein stimmiges, dem Anlass gebührendes Bild.
In der Kirche fanden sich auch die Aineter Schützen ein. Obwohl kein direkter Zusammenhang zwischen Gliber und der noch zu Lebzeiten Glibers gegründeten Kompanie überliefert ist, ist ein solcher durchaus vorstellbar, trat Gliber doch bevorzugt in Tracht auf und war Mitglied des 1863 in Wien gegründeten Tirolerbundes und des Ersten Tiroler Andreas Hofer-Vereines in Wien. Gliber hatte übrigens auch für den Admonter Schießstand eine heute allerdings nicht mehr existierende Andreas-Hofer-Statue geschaffen.
BG/BRG Lienz-Professor Mag. Klaus Lukasser hat sich intensiv mit dem Leben Jakob Glibers und seinem Wirken als Bildhauser und Sänger auseinandergesetzt. Sein Sohn Mag. Raphael Lukasser verfasste eine akribisch recherchierte Diplomarbeit über den Aineter.
Auf einen anderen Zusammenhang, wenn auch einen rein zufälligen, verwies Mag. Klaus Lukasser in seiner Kurzansprache: Just am 20. Feber 1810, dem Todestag Hofers, hatte einst der damalige Kircherbauer Johann Weger seinem Neffen Johann Gliber, dem Sohn seiner Schwester Kunigunde und des Peter Gliber, vulgo Ackerer, Schustermeister in Thurn, den Hof übergeben.
Der Lienzer Sängerbund sang zwar nicht, wie vor 97 Jahren, die „Deutsche Messe“ von Schubert, aber die „Marterle-Messe“ von Pleschberger hätte dem begeisterten Sänger und Sammler von Volksliedern wohl mindestens ebenso gut gefallen.
„Im kleinen Saal beim Schneeberger [heute Gasthof Sattler] fand sich kurz darauf die ganze Gesellschaft zusammen, um noch einige Stunden vergnügt durch Sang und Becherklang im fröhlichen Vereine zu verbringen“, berichtete die Lienzer Zeitung am 5. Mai 1914 über die Verleihung des Ehrendiploms an den greisen Sänger vor seinem Elternhaus. „Tempora et tavernae mutantur“ – Gute alte Traditionen überdauern die Zeiten: So ging es auch am 12.2.2017 nach dem Gottesdienst wieder zum „Sattler“, allerdings in den vorderen Saal, wo Lieder und Gläser gleichermaßen noch einige Zeit erklangen.
Ainets Bürgermeister Mag. Karl Poppeller freute sich am 12.2., den Lienzer Sängerbund im Gasthof Sattler begrüßen zu können.
Hier der Link zum Beitrag über Jakob Gliber im Journal 1/2017
Text: Redaktion, Fotos: Brunner Images

