Ein Denkmal für Frieden: 100 Jahre Kriegergedächtniskapelle Lienz

Am 8. September 2025 wurde in Lienz das 100-jährige Bestehen der Kriegergedächtniskapelle feierlich begangen. Die Kapelle bei der Pfarrkirche St. Andrä wurde ursprünglich am selben Datum im Jahr 1925 als Bezirkskriegerdenkmal eingeweiht.

Die Feier stand unter dem Leitgedanken „Dem Frieden dienen“. Besonders im Mittelpunkt stand das berühmte Fresko „Der Auferstandene“ von Albin Egger-Lienz, das bei der ursprünglichen Einweihung für einen europaweiten Skandal sorgte. Die Darstellung des auferstandenen Christus wurde als provokant empfunden und rief sogar im Vatikan heftige Kritik hervor.

Egger-Lienz hinterließ mit seinem Werk ein bleibendes Zeugnis künstlerischer Ausdruckskraft und gesellschaftlicher Reibung. Heute gilt das Fresko als zentrales Element der Kapelle und als Symbol für die Auseinandersetzung mit Krieg, Erlösung und künstlerischer Freiheit.

 

 

Zur ursprünglichen Einweihung im Jahr 1925 versammelten sich rund 10.000 Menschen in Lienz. Die Feierlichkeiten 100 Jahre später würdigten nicht nur die historische Dimension des Bauwerks, sondern auch die künstlerische und spirituelle Tiefe, die mit der Geschichte der Kapelle verbunden ist.  Der Innsbrucker Diözesanbischof Hermann Glettler zelbrierte am Montag, 8. September, einen Gedenkgottesdienst am Kirchplatz der Stadtpfarrkirche St. Andrä.

„Angesichts globaler Verunsicherungen braucht es sinnstiftende Orte und ,Haltestellen‘, wo Menschen Halt finden, ihre Toten und andere Verluste beweinen und neuen Zukunftsmut schöpfen können. 100 Jahre nach der Errichtung dieser Gedächtnisstätte können wir aufgrund der aktuellen, weltweiten Kriegsszenarien ansatzweise zumindest das Grundgefühl jener Zeit verstehen. Die Gedächtniskapelle sollte ein Ort der religiösen und kulturellen Selbstvergewisserung sein – verständlich nach den Desaster, das die ,Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts‘ hinterlassen hat“, so der Bischof in seiner Predigt.

 

 

„Auf den Tag genau einhundert Jahre ist es nun her, dass hier, am alten Kulturplatz von St. Andrä, mit einer großen Feier das Bezirkskriegerdenkmal eingeweiht worden ist. Der Krieg hatte den Familien unserer Stadt, unseres Bezirks viele geliebte Mitmenschen entrissen, hatte neue territoriale Strukturen geschaffen. Der verwundete und abgegrenzte Bezirk Lienz stand orientierungslos vor einem Neubeginn. Die Fresken von Albin Egger-Lienz heben das Gedenken an die Gefallenen auf eine neue Stufe und führen dazu, dass ihre Namen nicht nur in den Familien, den Gemeinden unvergessen bleiben, sondern auch von unzähligen Kunstsuchenden immer wieder in Erinnerung gebracht werden“, so die Lienzer Bürgermeisterin und Landtags-Vizepräsidentin Elisabeth Blanik in ihrer Rede.

 

 

Schülerinnen und Schüler der Volksschule Lienz-Nord gestalteten ein bewegendes Rollenspiel, das sich mit dem Werk von Albin Egger-Lienz und dem Wert des Friedens auseinandersetzte.

Kind: „Was sind das für Bilder, Herr Egger-Lienz? Die sehen ganz anders aus als die Bilder in meiner Schule.“

Albin Egger-Lienz: „Ja, das ist wahr. Meine Bilder sind anders, weil sie Geschichten erzählen, die oft sehr schwer und traurig sind. Sie zeigen, wie der Krieg die Menschen verändert, wie sie leiden, aber auch, wie sie miteinander kämpfen und überleben.“

Kind: „Aber warum hast du solche Bilder gemalt? Ich dachte, Bilder sollen schön sein.“

Albin Egger-Lienz: „Manchmal sind Bilder nicht nur da, um schön zu sein. Sie sollen uns an etwas erinnern. Diese hier, zum Beispiel, erinnern uns an all die Menschen, die durch den Krieg viel verloren haben – ihr Zuhause, ihre Freunde und manchmal sogar ihr Leben. Und sie erinnern uns an die Trauer, die die Familien und die ganze Gemeinschaft fühlen.“

Felix: „Für die Menschen, die in Kriegen kämpfen mussten: dass sie Frieden und Trost finden und nie wieder Krieg führen müssen.“

Matteo: „Für alle, die von Gewalt betroffen sind: dass sie Versöhnung und Heilung erfahren.”

 

 

Text: Redaktion, Fotos: Georg Webhofer

15. September 2025 um