Das Wasenmoos: Ein besonderes Naturjuwel am Pass Thurn im Pinzgau

Das Wasenmoos in Mittersill ist nicht nur ein ökologisches Kleinod, sondern auch ein Ort gelebten Naturschutzes und der Umweltbildung. Der Moorverein setzt sich mit großem Engagement für den Erhalt dieser Moorlandschaft ein.

Vor der prächtigen Kulisse der Hohen Tauern liegt zwischen 1.200 und 1.500 Metern Seehöhe am Pass Thurn eine beeindruckende Moorlandschaft. Den zentralen Bereich bildet das rund 16 Hektar große Naturjuwel Wasenmoos. Ein Dutzend weiterer Moore vervollständigt diesen äußerst hochwertigen Moorkomplex.

„Das Gebiet umfasst eine Vielzahl unterschiedlicher Nieder-, Übergangs- und Hochmoore. Diese Vielfalt schafft Lebensräume für zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten, darunter auch gefährdete Spezies“, erzählt Ferdinand Lainer, der 2023 die Obmannschaft des Moorvereins übernommen hat.

 

 

Im Wasenmoos wurde in zwei Phasen Torf abgebaut: von 1781 bis 1819 als Brennmaterial für das Kupfervitriolwerk in Mühlbach/Bramberg und von 1901 bis 1963 für Einstreu bei den Bauernhöfen. Diese Eingriffe führten zu Austrocknung sowie zur Verheidung und Verbuschung einzelner Moorbereiche. Seit 2002 laufen jedoch Renaturierungsprojekte, die das Gebiet wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzen sollen.

 

Der Vorstand des 2023 neu gegründeten Moorvereins mit Obmann Ferdinand Lainer (rechts)

 

Ein rund zwei Kilometer langer Themenweg mit 15 Schautafeln lädt heute dazu ein, die faszinierende Flora, Fauna und Geschichte des Wasenmooses zu erkunden. „Das Grundkonzept für die Informationstafeln haben Schülerinnen und Schüler des BORG Mittersill 2003/2004 erarbeitet. Im Vorjahr haben wir die Tafeln komplett neu gestaltet“, informiert der Obmann.

Wer das Wasenmoos in seiner ganzen Vielfalt erleben möchte, kann auf der rund sieben Kilometer langen großen Moorrunde tief in die geheimnisvolle Moorlandschaft eintauchen – vorbei an Birkenhainen, Pfeifengrasflächen und stillen Wasserstellen. Von der Aussichtswarte des Pavillons genießt man einen atemberaubenden Blick in die Hohen Tauern. Besonderheiten im Wasenmoos sind die drei Birkenarten – die Zwerg-Birke als Eiszeitrelikt und Rarität im Land Salzburg sowie die Hänge-Birke und die Moor-Birke. „Hier findet man auch alle drei heimischen fleischfressenden Pflanzen – den Rundblättrigen Sonnentau, das Gemeine Fettkraut und den Wasserschlauch.“

 

 

Der Wald und die Moore am Pass Thurn befinden sich größtenteils im Besitz der Österreichischen Bundesforste. Das Wasenmoos ist ein Naturjuwel von internationalem Rang. Bereits 1978 wurde es als Naturdenkmal ausgewiesen und 2004 gemeinsam mit dem umliegenden Moorgebiet mit dem Ramsar-Prädikat ausgezeichnet. 2019 wurde das Schutzgebiet von 190 auf 220 ha erweitert. Die Ramsar-Konvention ist das älteste und wichtigste Übereinkommen zum Schutz von Feuchtlebensräumen und wurde 1971 in der iranischen Stadt Ramsar beschlossen.

 

 

Ein zentrales Anliegen des Vereins ist die aktive Pflege des Moores. Jedes Jahr im Juni findet ein Moorpflegetag statt. „Wir schwenden, entbuschen und freuen uns immer über viele helfende Hände“, so der Obmann. Ein weiterer Höhepunkt im Wasenmoos ist der Moorerlebnis-Nachmittag, der alljährlich im September stattfindet. „Dieses Angebot richtet sich vor allem an Familien. Mit Kescher und Becherlupe erkundeten auch heuer rund 50 junge und ältere Naturliebhaber das Moos, schnitzten Wanderstöcke, mikroskopierten und bauten Vogel-Nistkästen.“

 

 

Das Wasenmoos ist zu jeder Jahreszeit ein faszinierender und lebendiger Naturraum, in dem es viel zu entdecken gilt. Auch im Winter ist das Moos am Pass Thurn ein beliebtes Ziel: Eine der schönsten Langlaufloipen Österreichs und Winterwanderwege führen durch das Gebiet, Schneeschuhwanderungen bieten stille Naturerlebnisse. „Das Moor hat zu jeder Jahreszeit seinen Reiz. Wer das Wasenmoos besucht, begegnet nicht nur einer besonderen Landschaft, sondern findet vor allem auch Ruhe und Erholung“, schwärmt Ferdinand Lainer abschließend von „seinem“ Moor.

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Franz Reifmüller

04. Dezember 2025 um