Außervillgraten auf dem Weg zur „gesunden Gemeinde“: Pflegende Angehörige im Fokus

Bei einer Podiumsdiskussion im Haus Valgrata am Samstag, 24. Jänner, wurde die Bedeutung der pflegenden Angehörigen als tragende Säule beleuchtet. Die Pflegethematik soll in Außervillgraten künftig ein Schwerpunkt sein.

Die Gemeinde Außervillgraten hat sich als eine Maßnahme aus dem Zielkatalog für die Auditzertifizierung zur „familien- und kinderfreundliche Gemeinde“ zum Ziel gesetzt, das Projekt „Gesunde Gemeinde“ umzusetzen. Bereits am 14. November des vergangenen Jahres fand diesbezüglich die Auftaktveranstaltung mit einem Vortrag von Vroni Mair und Sacha van Luyk zum Thema „Gesund durch den Alltag – Fakten statt Ernährungsmythen“ statt.

Im Rahmen dieser Zielsetzung freut sich die Gemeinde Außervillgraten nun besonders, als erste Gemeinde in Osttirol in Kooperation mit ISL Bildung und Begleitung und gefördert vom Fonds Gesundes Österreich, das Pilotprojekt „Neue Tradition im Umgang mit den Pflegenden Angehörigen“ in Angriff zu nehmen.

Bei einer Podiumsdiskussion im Haus Valgrata zum Thema „Altern mit Lebensqualität“ wurde die Bedeutung der pflegenden Angehörigen als tragende Säule von verschiedensten Seiten beleuchtet und angesprochen. Der Bezirk Lienz ist bereits mit einer breit aufgestellten Infrastruktur an Institutionen, Vereinen und Anlaufstellen ausgestattet, an welche man sich im jeweiligen Bedarfsfall wenden kann.

Einige dieser Institutionen haben die Einladung angenommen und an diesem Abend ihre Sichtweise dargelegt:

• Für die ISL Seniorenbegleitung waren Ursula Perfler, Petra Berger und Siegfried Klammsteiner anwesend. Letzterer führte auch als Moderator durch den Abend.

• Für den Gesundheits- und Sozialsprengel Osttiroler Oberland sprach Geschäftsführerin Monika Kraler.

• Carina Joas schilderte, wie ein regulärer Tagesablauf eines Klienten in der Tagesbetreuungsstätte Sprengelstube Abfaltersbach aussieht.

• Elisabeth Unterweger wies auf die Leistungen des LIV CareManagement hin, das Hilfestellung zur Erarbeitung von Versorgungslösungen und Versorgungslücken bietet.

• Marlen Resinger von der Tiroler Hospizgemeinschaft Osttirol erklärte den hospizlichen Gedanken hinter ihrer Organisation.

• Seit 2012 gibt es in Außervillgraten den Besuchs- und Begleitdienst. Er wird seit 2013 von den Trägern Gemeinde, Pfarre und Caritas als Verein geführt und besteht derzeit aus sieben ehrenamtlichen Mitgliedern. Gemeinderätin Christine Hofmann erwähnte, dass der Besuchsdienst nicht auf Pflege ausgerichtet ist. Die freiwilligen Mitglieder kommen auf Anfrage ins Haus, um Zeit zu schenken, um einen schönen Nachmittag beim Reden, Zuhören, Geschichtenerzählen, Spielen, Singen oder Spazierengehen zu verbringen.

• Gemeindevorstand Julius Trojer sprach stellvertretend für die Mitglieder des Ausschusses für Jugend, Familie, Soziales und Generationen, die schon im Vorfeld eingebunden sind und ihren Beitrag in der Steuerungsgruppe leisten wollen.

• Josef Ortner, der vor vielen Jahren an MS erkrankt ist und nun auf seinen Rollstuhl und Hilfe angewiesen ist, brachte als direkt betroffener Einheimischer seine Erfahrungen, Wünsche und Anregungen ein.

Bürgermeister Mag. Josef Mair sieht in dieser Pflegethematik einen künftigen Schwerpunkt, auf den in der Gemeinde großer Wert gelegt werden soll. Eine aktuelle Auswertung hat ergeben, dass rund 50 Bürgerinnen und Bürger von Außervillgraten ein Alter von 80 plus aufweisen. Ein nicht unbeachtlicher Prozentsatz hat schon einen Betreuungsplatz im Wohn- und Pflegeheim erhalten. Eine 24-h-Betreuung zu Hause ist nicht überall möglich – in räumlicher und finanzieller Hinsicht.

Die häusliche Pflege und Betreuung beginnt nicht erst, wenn man sich um Intensivpflege oder einen Sterbefall kümmern muss, sondern vielfach schon früher mit dem Bedarf von Unterstützung im Haushalt, bei Erledigungen, bei alltäglichen Dingen des Lebens.

Von Seiten des Publikums kamen wertvolle und wichtige Wortmeldungen, die bei den nächsten Treffen der Steuerungsgruppe behandelt werden. Als eines der Hauptthemen stellte sich die finanzielle Belastung heraus oder die oft nicht nachvollziehbare Einstufung bei Pflegegeld-Anträgen. Ein Transport oder ehrenamtlicher Fahrdienst würde als hilfreich angesehen werden.

Voraussetzung ist immer auch das Annehmen von Hilfe und Unterstützung, daher wird ein Schwerpunkt des Pilotprojektes auch die Bewusstseinsbildung in der Gesellschaft sein, um eine Wertschätzung und Anerkennung für pflegende Angehörige zu erreichen.

Im Zuge des Pilotprojekts sollen auch regelmäßige Auszeiten für pflegende Angehörige und finanzielle Unterstützung ermöglicht werden. Nach einem Begegnungsort für Betreute und Angehörige wird gemeinsam gesucht. Vor Ort sollen Interessierte auch zu Seniorenbegleiter:innen ausgebildet werden, um das Angebot der flexiblen Entlastung über das Pilotprojekt hinaus zu gewährleisten.

 

Text: Redaktion, Foto: Hans Weitlaner

26. Januar 2026 um