23. Universität im Dorf in Außervillgraten: Sprache in all ihren Facetten
Traditionsgemäß fand am ersten Adventwochenende in Außervillgraten schon zum 23. Mal die Universität im Dorf statt. Das übergeordnete Thema dieser Vortragsreihe war in diesem Jahr die Vielfalt der Sprache.
Der erste Tag am 29. November startete mit Workshops der Jungen Uni. Überraschenderweise waren dieses Mal einige Studierende aus den verschiedensten Ländern der Welt mit dabei und gaben Einblicke in ihre Muttersprache und Schriftzeichen. Es wurde indischer Chai Latte gebraut und getrunken. Außerdem wurde aufregenden Klängen nachgespürt. Im Workshop von Maria Stopfner widmeten sich die Jugendlichen der Aufgabe, Schilder und Zeichen zu lesen, die in der Umgebung zu finden sind. Viele Volks- und Mittelschüler:innen konnten viel Erlerntes mitnehmen und hatten auch jede Menge Spaß.
Reinhard Heuberger vom Institut für Anglistik startete die Vortragsreihe mit dem Thema der Rolle der Sprache im Mensch-Tier-Verhältnis. Warum gibt es Tiere, die wir positiv und welche die wir negativ besetzen wie beispielsweise Löwe (starker Löwe) oder Schlange (falsche Schlange)? Heuberger ist auf die Wörterbuchforschung spezialisiert und gab interessante Einblicke daraus.
Auf die Spuren von Orts- und Flurnamen begab sich Gerhard Rampl vom Institut für Sprachwissenschaft. Er erklärte, wie die Benennung von Orts- und Flurnamen abläuft. Darauf aufbauend informierte er über die verschiedenen Namen- bzw. Sprachschichten in Nord- und Osttirol.
Lesya Skintey erforscht aktuell die Mehrsprachigkeit an Schulen und den Nutzen von Mehrsprachigkeitsinseln, durch die unter anderem Beziehungsarbeit gefördert wird und die großes Bildungspotenzial aufweisen. Im Zentrum dieses Projektes stehen der Einsatz verschiedener Sprachen, die Rolle von Dialekt und Standardsprache sowie Situationen, in denen Mehrsprachigkeitsinseln entstehen.

Interessante Einblicke in die Sparte „Kultur und Behinderung” gab Marco Angetta. Sein Vortrag beleuchtete, wie blinde Menschen Zugang zu Opernaufführungen am Tiroler Landestheater in Innsbruck bekommen können. Die beiden Aufführungen fanden im Frühjahr dieses Jahres mit einer speziellen Einführung sowie einer Untertitelung der Oper für Blinde und Sehbehinderte am Landestheater statt.
Pater Georg Fischer SJ nahm auch in diesem Jahr das Thema der Universität im Dorf in seiner Predigt auf. Die Vielfalt der Sprache in der Bibel, die Mehrsprachigkeit von Jesus sowie der Turmbau von Babel behandelte er unter anderem in seiner Predigt. Nach dem Abendgottesdienst konnte man einer spannenden Podiumsdiskussion über Sprachen im Dorf lauschen.
Sprachenvielfalt prägt das Miteinander in vielen Regionen – auch in Osttirol. Durch historische Mehrsprachigkeit ebenso wie durch Migration und Globalisierung. Die Chancen und Herausforderungen, die daraus entstehen, wurden von den Expert:innen am Podium besprochen. Für den kulinarischen Ausklang sorgten auch in diesem Jahr die Ortsbäuerinnen.
Heike Ortner ging am Sonntagvormittag als erste Rednerin der Frage nach, wie Tourismus die sprachliche Vielfalt fördert und auch bedroht. Als Beispiel für eine Tourismusdestination mit einer Negativentwicklung nannte sie Mallorca, als positives Beispiel Lappland. Auch dass der Ötztaler Dialekt Weltkulturerbe ist, fand in ihrem Vortrag Platz.
Klaus Amann, gebürtiger Vorarlberger, nahm das Publikum mit ins Mittelalter zum Burggrafen von Lienz und gewährte Einblicke in die höfische Dichtersprache, die eine künstlerische Sprache war.
Yvonne Kathrein sprach über den Osttiroler Dialekt und erzählte viel über das Dialektarchiv, das sie in Innsbruck leitet. Man durfte verschiedenen Audioaufnahmen lauschen und raten, aus welchen Ortschaften die Personen stammen könnten.
Nach diesem Vortrag ging das spannende und lehrreiche Wochenende zu Ende, und die ARGE Universität im Dorf sucht schon fleißig Themen für die Universität im Dorf 2026.
Text: Redaktion, Fotos: Ursula Perfler


