Susanne Mair: Mit viel Optimismus in die Zukunft

Die erfolgreichste Osttiroler Bergläuferin wurde am 21. August 2015 bei einem Unfall während des Trainings schwer verletzt. Wir besuchten Susanne Mair zu Hause in Assling.

mairsusanneh_c_muehlburgerIm heurigen Frühjahr war die 21-jährige Bannbergerin die schnellste Frau beim Vienna City Halbmarathon. Mit viel Einsatz und Training verfolgte sie ihr großes Ziel – die Teilnahme am Marathon bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio. Am 21. August trainierte die Osttirolerin auf der Pustertaler Höhenstraße. Im Gemeindegebiet von Leisach ereignete sich ein tragischer Unfall: Ein Unimog des Baubezirksamtes fuhr die Bergläuferin von hinten an und überrollte sie. Susanne erlitt Knochenbrüche und Weichteilschäden an beiden Beinen, eine Gehirnerschütterung kam hinzu.

Nach ihrem Aufenthalt im Bezirkskrankenhaus Lienz saß sie vorübergehend für vier Wochen im Rollstuhl, derzeit benötigt sie Krücken. Bei unserem Besuch in Bannberg strahlt die Athletin viel Zuversicht und Optimismus aus. „Ich hoffe, dass ich bald wieder zur alten Form zurückfinde. Ich will wieder laufen, trainieren und an Wettbewerben teilnehmen. Wenn das Studium im Oktober wieder losgeht, finde ich im Olympiazentrum in Innsbruck die professionelle Betreuung, die ich für meine Genesung und mein Comeback brauche. Inzwischen fühle ich mich in Osttirol bei Physiotherapeut Karl Assmayr bestens aufgehoben“, schildert die Bergläuferin ihre derzeitige Situation. Mit Freude denkt sie an die Zukunft, wenn sie z.B. wieder den Hochstein hinauf laufen kann.  Dann fühle sie sich rundum frei und vergesse alles um sich herum, erzählt sie. „Seit meiner Kindheit verbringe ich jede freie Minute in der Natur und in den Bergen. Mein Papa ist ein erfahrener und begeisterter Alpinist. Er hat mich schon als kleines Kind in die Berge mitgenommen. Gemeinsam haben wir Gipfel in den Dolomiten und in den Hohen Tauern erklommen, und im Winter waren wir sehr oft mit den Tourenski unterwegs“, blickt die 21-Jährige zurück.

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Gestartet hat sie ihre sportliche Karriere allerdings nicht mit dem Laufsport, sondern am Mountainbike. „Mein bevorzugtes Ziel war immer die Mautstelle am Hochstein, wo ich gerne bei Hans Salcher eingekehrt bin“, schmunzelt die Bannbergerin. In der Unterstufe des Gymnasiums habe sie ihr Lauftalent entdeckt und war rasch bei Crosslaufmeisterschaften sehr erfolgreich. 2010 beschloss sie, bei den österreichischen Berglaufmeisterschaften anzutreten. Überraschend setzte sie sich in der Juniorinnen-Wertung an die Spitze. Zahlreiche Siege bei nationalen und internationalen Meisterschaften folgten, u.a. der 4. Rang und die Bronzemedaille im Team bei den Europameisterschaften im türkischen Bursa. Mit ihrem 2. Platz bei den Österr. Meisterschaften in Rauris 2015 qualifizierte sie sich für die Europameisterschaft in Madeira, bei der sie mit dem österreichischen Team Silber holte.

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Vor ihrem Unfall schien Susanne Mair überhaupt am Höhepunkt ihrer jungen Karriere angelangt zu sein – der Sieg beim Vienna City Halbmarathon und beim Vertical Up auf der Kitzbüheler Streif, Stockerlplätze beim Großglockner Berglauf und bei der Bike-Challenge oder der Sieg beim Schlickeralmlauf in Telfes im Stubaital bewiesen ihre hervorragende Form. Aufgewachsen ist Susanne Mair mit einer Schwester und zwei Brüdern auf einem Bergbauernhof in Bannberg. „Meine Geschwister sind älter als ich. Sie und meine Eltern geben mir den Rückhalt und die Kraft, die ich für Training und Wettbewerbe brauche. Meine Eltern sind auch jetzt in der Genesungsphase nach dem Unfall meine größte Stütze“, so Mair, die in Innsbruck im 7. Semester Pharmazie studiert. Am Inn und auf den Bergen rund um die Tiroler Landeshauptstadt findet sie ebenfalls gute Trainingsbedingungen vor. Im Vorjahr wurde die Sportlerin im Olympiazentrum aufgenommen. Hier findet sie ideale Möglichkeiten zum Krafttraining vor und kann die professionelle Infrastruktur – wie Physiotherapie oder Massagen – nutzen.

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Immer mehr trainiert Susanne Mair auch für den Straßenlauf, ist es doch ihr Ziel, das Limit für die Teilnahme am olympischen Marathon 2020 in Tokio zu schaffen. „Der Halbmarathon-Sieg in Wien und der Sieg beim Straßenlauf in Innsbruck haben mir gezeigt, dass ich auch in diesem Bereich Potenzial habe“, so Mair. Die Kombination aus Berglauf- und Straßenlauf-Training findet sie ideal. „Das Training am Berg eignet sich hervorragend für die Kraftentwicklung. In flachem Gelände kann man hingegen vor allem Geschwindigkeit und Spritzigkeit trainieren“, analysiert sie. Zusätzlich ist Susanne viel mit dem Rennrad unterwegs – um Ausdauer zu trainieren und die Gelenke zu schonen. Das Tourenski-Gehen ist für sie die ideale Sportart, um auch im Winter die Form zu behalten.

Nach dem Unfall habe sie im Krankenhaus und jetzt während der Genesungsphase zuhause über vieles nachgedacht, erzählt sie. „Man lernt in einer solch schwierigen Situation, auch Kleinigkeiten wieder zu schätzen. Plötzlich ist man auch bei alltäglichen Verrichtungen auf fremde Hilfe angewiesen. Meinen Eltern kann ich nur Danke sagen. Sie unterstützen mich mit all ihrer Kraft und wo sie nur können“, so die 21-Jährige. Vor allem sei ihr auch bewusst geworden, dass Sport nicht alles im Leben ist. „Nach so einem Unfall relativiert sich vieles. Trotz aller Mühen und Beschwerlichkeiten habe ich in der kurzen Zeit viel für mein Leben gelernt. Ich denke, dass das für meine weitere Entwicklung nur von Vorteil sein kann“, meint die tapfere junge Sportlerin abschließend.

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Brunner Images, Osttirol heute/Mühlburger

23. September 2015 um