Der „Hufeisendoktor“ aus Greifenburg

Johannes Unterlaß ist seit sechs Jahren Hufschmied und hat seither schon tausende Hufeisen an Pferdefüße in ganz Kärnten und der Steiermark geschlagen.

Die Geschichte der Schmiede reicht fünf Jahrtausende zurück. Bis zum Einsetzen der Industrialisierung galt das Beschlagen der Pferde als wesentlicher und zentraler Arbeitsschwerpunkt
des Schmiedehandwerks. Heute gibt es in Österreich rund 100.000 Pferde. Viele von ihnen werden
als Sport- und Freizeitpferde gehalten, einige auch bei der Waldarbeit in schwierigen Lagen eingesetzt. Sie alle benötigen in regelmäßigen Abständen eine „Pediküre“, d.h., ihre Hufe müssen gepflegt und etwa alle acht Wochen neu beschlagen werden.

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Einer, der dieses ganz besondere Handwerk versteht, ist der Greifenburger Johannes Unterlaß. Seit sechs Jahren ist der versierte Fachmann rund ums Pferd in ganz Kärnten und der Steiermark unterwegs und führt in seinem Auto seine eigene, kleine Schmiedewerkstatt mit sich. „In früheren Zeiten galt eine Schmiede als zentraler Ort im Dorf. Heute führt der Pferdebesitzer sein Tier nicht mehr zum Schmied, sondern umgekehrt. Der Hufschmied muss heute mobil sein“, berichtet er. Wir begleiten Johannes zu einem Pferdebesitzer an den Weißensee und erfahren dort, dass es sich mit einem „Hufeisendoktor“ ähnlich wie mit einem Hausarzt verhält: Wenn man einen guten gefunden hat, dann bleibt man dabei. Schließlich ist das, was der 39-Jährige tagtäglich macht, sehr wichtig für die Gesundheit der Tiere.

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„Ohne Hufeisen würde ein Pferd sehr schnell seinen gesamten Gehapparat ruinieren“, sagt Johannes. Die Natur habe die Vierbeiner nicht für Straßen und gepflasterte Wege „konzipiert“, weshalb der Schutz und die richtige Pflege der Hufe von größter Wichtigkeit sei. „Man muss als Hufschmied genau wissen, was man tut. Eine sorgfältige, individuell auf jedes einzelne Tier abgestimmte Maßarbeit ist das A und O. Ungenauigkeit und fehlende Sorgfalt könnten sich fatal auswirken und im schlimmsten Fall auch zum Tod des Tieres führen“, klärt er auf. Pferde seien sogenannte Zehenspitzengänger, meint der Hufschmied weiter. Sie würden quasi auf der Spitze des Mittelfingers wandeln. Alle anderen „Finger“ hätten sich zu Griffelbeinen zurückgebildet und seien nur noch am Skelett erkennbar.

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Das, was man gemeinhin als „Pferdehuf“ bezeichne, entspreche dem Fingernagel des Menschen. Wie dieser wachse auch die hornige Substanz beim Pferd ständig nach und müsse geschnitten und gepflegt werden, bis zu sechs Mal pro Jahr. Zuerst nimmt Johannes Unterlaß dem Pferd das Hufeisen ab. Dann reinigt er die Hufsohle und schneidet den Hufstrahl mit einem messerähnlichen Gerät zu. Als nächstes steht die Bearbeitung der Sohle auf dem Programm. Der Hufschmied hält den Huf hoch, kürzt die Sohle um 10 bis 15 Millimeter und glättet sie mit einer Art Nagelfeile. Anschließend passt er das Hufeisen an und bringt es mit einem kleinen Hammer in Form. Befestigt wird das Eisen mit schmiedeeisernen, leicht gebogenen Nägeln. Johannes muss sie in jenen nur 3 bis 5 Millimeter dicken Bereich zwischen Hufwand und Sohle treiben, in das „Tothorn“, wie er sagt.

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Ruhig, besonnen und sehr konzentriert geht der Greifenburger dabei vor und berichtet uns, wie wichtig es sei, einen guten Kontakt, eine Verbindung mit dem Pferd herzustellen. „Die Tiere haben den sechsten Sinn und lesen dich genau. Je ruhiger und behutsamer du mit ihnen umgehst, desto einfacher geht dir die Arbeit von der Hand!“ Besucht Johannes Unterlaß einen Kunden zum ersten Mal, nimmt er als erstes eine genaue Begutachtung des Tieres und dessen Gang vor. „Jedes Pferd ist anders, hat individuelle Gelenkstellungen, andere Voraussetzungen. Mit genau abgestimmten Beschlägen kann man auch Fehlstellungen korrigieren“, betont er und spricht die große Vielfalt an Hufeisen an, die er mit sich führt. Von Beschlägen für Kutschenpferde, Reit- und Springpferde bis hin zu jenen für Rennpferde reicht die Palette.

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Das Gros der Eisen wird industriell produziert und vor Ort angepasst. Auf Wunsch fertigt Johannes Unterlaß natürlich auch handgemachte Beschläge an, doch sei dies sehr teuer und für viele Pferdehalter unfinanzierbar. Der Oberkärntner ist mit Pferden seit seiner Kindheit vertraut und betreibt heute gemeinsam mit seiner Frau Claudia in seiner Oberdrautaler Heimatgemeinde auch eine erfolgreiche Haflingerzucht. „Die Liebe zu den Tieren war ausschlaggebend dafür, dass ich den Berufsweg des Hufschmiedes eingeschlagen habe.“ In Österreich gibt es zwei Ausbildungsstätten für Hufschmiede, eine davon befindet sich an der Veterinär-Medizinischen Universität in Wien. Hier hat auch Johannes Unterlaß „gelernt“. Voraussetzung für seine Lehre, die er nach monatelangem Schulbesuch mit einer Abschlussprüfung abschloss, war seine bereits vorher ausgeübte Profession als Schlosser.

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„Mein Beruf ist auch meine Berufung“, gibt er uns abschließend noch mit auf den Weg. „Ich bin ohne Übertreibung `Hufschmied aus Leidenschaft` und schätze an meiner Arbeit den direkten Kontakt zu den Tieren, das Kennenlernen unterschiedlichster Menschen und Regionen und meine Selbstständigkeit.“ Wir wünschen dem „Hufdoktor aus Greifenburg“, dass dies so bleibt und weiterhin alles Gute!

Text: E. Hilgartner, Fotos: Osttirol Journal/David Hotzler

12. September 2015 um