Hechenberger: „Bürokratie ertränkt Produktivität!“

Am Außer-Mantler-Hof in Virgen thematisierten die Spitzen der Tiroler Landwirtschaftskammer die zu geringen Produktpreise und die Bürokratisierung.

Den Hof von Franz und Christine Wurnitsch gleich unterhalb der Wallfahrtskirche Maria Schnee in Obermauern wählten Ing. Josef Hechenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Tirol, und Vizepräsidentin Helga Brunschmid aus, um im Rahmen ihrer Sommertour durch alle Tiroler Bezirke die wichtigsten Herausforderungen der Landwirtschaft zu thematisieren. Franz Wurnitsch bewirtschaftet seinen Hof als Milch- und Zuchtbetrieb. „Dieses Haus ist über 300 Jahre alt, und es ist mit dem gesamten Ensemble rundherum denkmalgeschützt. Neun Kühe liefern rund 55.000 Liter Milch im Jahr, Speckerzeugung und Speisekartoffeln sind eine zusätzliche Einkommensquelle“, erklärte der Landwirt.

Josef Hechenberger: „Wir haben derzeit den historisch schlechtesten Milchpreis. Wenn es gewünscht wird, dass unsere Bauern in Zukunft weiter Qualitätsmilch und nicht Industriemilch erzeugen, müssen die Preise erhöht werden."

Josef Hechenberger: „Wir haben derzeit den historisch schlechtesten Milchpreis. Wenn es gewünscht wird, dass unsere Bauern in Zukunft weiter Qualitätsmilch und nicht Industriemilch erzeugen, müssen die Preise erhöht werden.“

Tüchtige Bauern wie Wurnitsch, die auf mehreren Standbeinen stehen, gäbe es in allen Tiroler Bezirken, sie würden jedoch unter den niedrigen Rohstoffpreisen, den erschwerten Produktionsbedingungen und vor allem auch unter der steigenden Bürokratisierung der Landwirtschaft und der Direktvermarktung stöhnen, meinte der Präsident. „Im Februar 2014 lag der  Milchpreis der Berglandmilch noch bei 47 Cent inklusive Mehrwertsteuer, jetzt  werden nur mehr 33,6 Cent an die Bauern bezahlt. Dieser Preis ist viel zu niedrig. Wir brauchen nicht nur eine Leistungsabgeltung, sondern wieder Produktpreise, mit denen unsere Bauern etwas verdienen“, forderte Hechenberger.

Franz Wurnitsch: „Mit diesem niedrigen Milchpreis ist es mir nicht möglich, den Betrieb auszuweiten. 10 Cent pro Liter Unterschied machen bei meiner Milchproduktion 5.000 Euro im Jahr aus."

Franz Wurnitsch: „Mit diesem niedrigen Milchpreis ist es mir nicht möglich, den Betrieb auszuweiten. 10 Cent pro Liter Unterschied machen bei meiner Milchproduktion 5.000 Euro im Jahr aus.“

Vizepräsidentin Helga Brunschmid thematisierte die überbordende Bürokratisierung in der Landwirtschaft: „Die Wirtschaftlichkeit der Betriebe, vor allem aber auch die Lust am Arbeiten auf unseren Höfen wird durch den steigenden bürokratischen Aufwand zunehmend gehemmt. Die Allergenverordnung haben wir schon, von der Registrierkassenpflicht für Barumsätze über 7.500 Euro und die Nährwertdeklaration sind vor allem die Direktvermarkter betroffen“, so Brunschmid. Sie appellierte, die Eigenverantwortung der Konsumenten mehr zu fördern. „Auch die meisten unserer Abnehmer interessieren solche Verordnungen überhaupt nicht“, meinte sie.

Der Außer-Mantler-Hof liegt wunderschön unterhalb der Wallfahrtskriche Maria Schnee in Obermauern und ist Teil eines denkmalgeschützten Ensembles.

Der Außer-Mantler-Hof liegt wunderschön unterhalb der Wallfahrtskirche Maria Schnee in Obermauern und ist Teil eines denkmalgeschützten Ensembles.

Josef Hechenberger gab zu bedenken, dass es unter diesen Bedingungen – niedrige Produktpreise und Bürokratisierung – den meisten Bauern nicht mehr möglich sei, einerseits Qualitätsprodukte zu erzeugen und andererseits in die Höfe zu investieren. „Unsere Direktvermarkter müssen die Auswüchse der Steuerreform mittragen, obwohl die Lebensmittel aus bäuerlicher Urproduktion stammen und im Einheitswert bemessen sind“, kritisierte der Präsident. Angesprochen auf die Knappheit an landwirtschaftlichem Grund und die damit verbundenen hohen Pachtpreise meinte Hechenberger: „Im Umgang mit Grund und Boden ist in den letzten Jahren in Tirol sehr viel Schlimmes passiert. Wir fordern, dass die landwirtschaftlichen Vorsorgeflächen ausgeweitet werden.“

Die berühmte Wallfahrtskirche vom Garten der Familie Wurnitsch aus fotografiert.

Die berühmte Wallfahrtskirche Maria Schnee vom Garten der Familie Wurnitsch aus fotografiert.

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Mühlburger

11. August 2015 um