60 Jahre Kinderdorf Osttirol: Pionier- und Vorzeigeprojekt

Das 1955 besiedelte SOS-Kinderdorf in Nußdorf-Debant ist heute als integriertes Modell ein Vorzeigeprojekt, das auch international auf großes Interesse stößt.

Seinen 60. Geburtstag feiert heuer das SOS-Kinderdorf in Nußdorf-Debant. „Nach Gründung des ersten SOS-Kinderdorfes in Imst im Jahre 1949 wurde 1955 in Nußdorf-Debant das zweite Kinderdorf besiedelt. Die bauliche und konzeptionellen Erneuerung als integriertes Modell zusammen mit der OSG war ein Pilotprojekt für ein Kinderdorf im ländlichen Raum, auf das ich als gebürtiger Osttiroler auch ein wenig stolz bin“, leitete der aus Matrei stammende und seit vielen Jahren für SOS-Kinderdorf in Innsbruck tätige Viktor Trager ein Pressegespräch am Dienstag, 21. April 2015, ein.

Die neue Anlage wurde von März 2010 bis August 2011 auf einer Grundstücksfläche von 8.311 m² errichtet.

Die neue Anlage wurde von März 2010 bis August 2011 auf einer Grundstücksfläche von 8.311 m² errichtet und beinhaltet sechs SOS-Großwohnungen, drei SOS-Wohnungen, den SOS-Verwaltungstrakt und 28 Mietwohnungen.

Das Kinderdorf umfasst heute zwei Familien mit 13 Kindern, die von zwei Müttern und drei Familienhelferinnen betreut werden, dazu kommen vier Kinderwohngruppen mit 26 Kindern (20 BetreuerInnen) und das Jugendwohnen mit zwölf Jugendlichen und sieben BetreuerInnen. In den Gebäudekomplex integriert sind 28 Mietwohnungen. „Wir sind stolz darauf , dass wir als kleiner regionaler Bauträger dieses Großprojekt umsetzen durften. Das Kinderdorf ist zur Familiendorfgemeinschaft geworden. Das gemeinsame Leben der aktuell 109 Personen ist von einem guten Miteinander geprägt. Bereichernd ist auch, dass der Verwaltungstrakt und damit die MitarbeiterInnen des Kinderdorfes in das Familiendorf integriert sind“, betonte OSG-Geschäftsführer Georg Theurl.

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Guido Fuß: „Es gibt Bestrebungen, in Finnland ein integratives Familiendorf wie jenes in Nußdorf-Debant zu errichten. Eine Delegation von dort hat sich unsere Anlage angeschaut.“

Seit bereits 18 Jahren ist der heutige Leiter Guido Fuß im SOS-Kinderdorf Osttirol tätig. „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen“, zitierte er ein afrikanisches Sprichwort. „Ich habe den Wandel vom Kinderdorf zum integrierten Modell mitgemacht und kann rückblickend sagen, dass dieser integrative Ansatz eine gute Antwort auf die pädagogischen und gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit ist. Hier können Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden gut begleitet und integriert werden“, hielt Guido Fuß fest. Die Kinderdorf-Kinder, die Kinder aus der Nachbarschaft und auch die Erwachsenen würden profitieren, weil sie sich gegenseitig helfen und gemeinsam Verantwortung für eine gute Gemeinschaft tragen würden.

OSG-Geschäftsführer Georg Theurl, Kinderdorf-Leiter Guido

OSG-Geschäftsführer Georg Theurl, Kinderdorf-Leiter Guido Fuß, Viktor Trager (Pressesprecher SOS-Kinderdorf)

Guido Fuß betonte auch die große Bedeutung der Elternarbeit. „Der Kontakt zu den Eltern und die Aufrechterhaltung der Beziehung zwischen Kindern und leiblichen Eltern ist uns wichtig. SOS-Kinderdorf arbeitet durch die Ambulante Familienarbeit Tirol (AFA) auch ambulant und bietet mit der Notrufnummer 147 Rat auf Draht rund um die Uhr anonym und kostenlos professionelle Hilfe und Beratung an“, erklärte der Kinderdorf-Leiter. Mit der 12-jährigen Marlen hätten die Kinder eine hervorragende Sprecherin für das Kinderparlament gefunden, in dem viel diskutiert und Fragen wie zum Beispiel Handynutzung und Ausgehzeiten in einem demokratischen Prozess abgeklärt werden.

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Anlässlich des 60. Geburtstages des SOS-Kinderdorfes Osttirol sind von April bis Herbst 2015 mehrere Veranstaltungen geplant zu denen Nachbarn, Freunde und Partner sowie die Öffentlichkeit herzlich eingeladen sind:

24. bis 26. April:  Kunst-/Kreativworkshop
Unter Anleitung von Kreativen und Künstlern werden Kinder und Jugendliche einen Adlerhorst aus Holz bauen, mit einem Profifotografen filmen und fotografieren sowie mit Grafik- und DesignsexpertInnen zeichnen und malen. Es werden auch T-Shirts gestaltet.

6. Juni:  Jubiläumslauf im Rahmen des Raika-Cups 2015 mit Start und Ziel im SOS-Kinderdorf

27. Juni: Jubiläumsfeier mit Kinder-/Familienfest und vielen Überraschungen

Juli/August: Überraschungs-Flashmob in Lienz mit Tanzschule Valeina Dance

11. September: Vernissage mit Hans Salcher in der Münze Hall „Sonnenhände – für eine Kindheit in Freude“

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Mühlburger

 

 

21. April 2015 um