Wie gut sind Osttirols Feuerwehren aufgestellt, Herr Bezirksfeuerwehrinspektor?

Wir haben uns mit David Walder, der das Amt des Bezirksfeuerwehrinspektors (BFI) am 1. Juli 2026 von Franz Brunner übernommen hat, über gegenwärtige und zukünftige Herausforderungen für die Osttiroler Feuerwehren unterhalten.

David Walder ist seit 1990 Mitglied der Feuerwehr Anras, seit 2018 stand er ihr als Kommandant vor. Mit seiner Bestellung zum Bezirksfeuerwehrinspektor legte er diese Funktion zurück und übergab das Kommando im Rahmen einer Ergänzungswahl an Martin Bodner. Viele Jahre war Walder bei der Feuerwehr Anras auch als Atemschutzbeauftragter tätig. Darüber hinaus engagiert er sich als Bewerter bei der Atemschutz-Leistungsprüfung und sammelte wertvolle Erfahrungen in den Betriebsfeuerwehren von Sandoz in Kundl und Liebherr in Lienz. Dort ist der zweifache Familienvater auch beruflich tätig.

Im Gespräch erzählt er uns, welche Aufgaben ihn in seiner neuen Funktion erwarten, wo er die größten Herausforderungen für die Osttiroler Feuerwehren sieht und warum für ihn bei aller modernen Technik eines entscheidend bleibt: das Miteinander.

Viele wissen vermutlich nicht genau, was ein Bezirksfeuerwehrinspektor macht. Wie würden Sie Ihre Aufgaben in wenigen Sätzen erklären?

Der Bezirksfeuerwehrinspektor ist gemäß Tiroler Landes-Feuerwehrgesetz Aufsichtsorgan und Bindeglied zwischen den Feuerwehren, Gemeinden, der Bezirkshauptmannschaft und dem Landesfeuerwehrinspektor. Er wird von der Tiroler Landesregierung für fünf Jahre bestellt. Zu meinen Aufgaben gehören unter anderem die Beratung von Feuerwehren und Gemeinden, die fachliche Beurteilung in feuerwehr- und brandschutztechnischen Fragen, behördliche Stellungnahmen sowie die Prüfung und Vidierung von Brandschutzplänen.

Wichtig ist mir dabei, immer gemeinsam mit den Beteiligten praktikable Lösungen für einen wirksamen Brandschutz und eine gute Einsatzabwicklung zu finden. Entscheidend ist der direkte Kontakt: das Miteinander-Reden, das Miteinander-Arbeiten und das gemeinsame Tragen von Verantwortung für die Sicherheit der Bevölkerung.

Wo liegen die Unterschiede zwischen der Tätigkeit als Feuerwehrkommandant und jener als Bezirksfeuerwehrinspektor?

Als Kommandant trägt man die unmittelbare Verantwortung für die eigene Feuerwehr, ihre Mitglieder, für Ausbildung, Ausrüstung und Einsatzbereitschaft. Als Bezirksfeuerwehrinspektor richtet sich der Blick auf das Feuerwehrwesen im gesamten Bezirk. Ich berate Feuerwehren und Gemeinden, begleite Entwicklungen und beurteile Fragestellungen aus einer übergeordneten Perspektive.

Sie sind Ansprechpartner für Feuerwehren, Gemeinden, Behörden. Wie wichtig ist die Vernetzung dieser Akteure?

Sie ist von zentraler Bedeutung. Feuerwehr, Gemeinden und Behörden haben unterschiedliche Aufgaben, aber ein gemeinsames Ziel: die Sicherheit der Bevölkerung. Gerade bei Fahrzeugen, Feuerwehrhäusern, bei der Löschwasserversorgung oder im Katastrophenschutz braucht es eine frühzeitige und offene Abstimmung. Unterschiedliche Standpunkte sind dabei selbstverständlich. Entscheidend ist es, sachlich miteinander zu arbeiten und eine fachlich und praktisch tragfähige Lösung zu finden.

Welche Aufgabenbereiche prägen Ihre Arbeit in besonderem Maß?

Ein wesentlicher Teil meiner Arbeit besteht in der Beratung und fachlichen Beurteilung. Dazu gehören Stellungnahmen in behördlichen Verfahren, die Prüfung und Vidierung von Brandschutzplänen, Inspektionen, die Begleitung von Fahrzeuganschaffungen und Feuerwehrhausprojekten sowie die Beratung in Fragen der Löschwasserversorgung. Daneben beschäftigen mich Förderungsangelegenheiten und die Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen und Gremien. Bei größeren Schadenslagen und Katastropheneinsätzen unterstütze ich gemeinsam mit dem Bezirksführungsstab die Einsatzorganisation.

Sie sind schon viele Jahre bei der Feuerwehr aktiv. Was hat Sie ursprünglich zu dieser Blaulichtorganisation geführt?

Es war vor allem mein Wunsch, anderen Menschen zu helfen und Gemeinschaft zu leben. Kameradschaft, Hilfsbereitschaft und die Möglichkeit, etwas für die Allgemeinheit zu leisten, haben mich von Anfang an angesprochen. Mit den Jahren kamen Verantwortung und neue Aufgaben dazu. Das Feuerwehrwesen hat mich persönlich geprägt und mir gezeigt, wie wichtig Teamarbeit, Verlässlichkeit und gegenseitiges Vertrauen sind. Dass ich nach mehr als 30 Jahren noch immer mit Begeisterung dabei bin, sagt eigentlich alles.

Welche Erfahrungen aus Ihrer Zeit als Kommandant der Feuerwehr Anras helfen Ihnen heute in Ihrer neuen Funktion?

Ich kenne die Herausforderungen einer Feuerwehr aus eigener Erfahrung – von Einsätzen und Ausbildung über Beschaffungen und Finanzierungsfragen bis zur Zusammenarbeit mit der Gemeinde. Dadurch kann ich viele Anliegen praxisnah beurteilen und die Auswirkungen von Entscheidungen besser einschätzen. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass gute Lösungen einen offenen und sachlichen Austausch brauchen. Fachliche Grundlagen, Vorschriften und die tatsächlichen Erfordernisse müssen dabei immer zusammenpassen.

Was hat Sie motiviert, die Aufgabe des Bezirksfeuerwehrinspektors zu übernehmen?

Für mich ist diese Funktion eine große Verantwortung und zugleich eine Ehre. Nach vielen Jahren im Feuerwehrdienst möchte ich meine Erfahrungen für die Feuerwehren des gesamten Bezirks einbringen und zur weiteren Entwicklung des Feuerwehrwesens in Osttirol beitragen. Wir verfügen im Bezirk über engagierte Feuerwehren und eine sehr gute Basis. Es geht daher nicht darum, Bewährtes grundlegend zu verändern, sondern die Arbeit meiner Vorgänger verantwortungsvoll fortzuführen und dort Verbesserungen anzustoßen, wo sie sinnvoll und notwendig sind. Das gelingt nur gemeinsam mit den einzelnen Ortsfeuerwehren, dem Bezirksfeuerwehrkommando, den Gemeinden und Behörden.

Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen im Bezirk Lienz?

Die Anforderungen an die Feuerwehren sind vielfältig. Neben neuen Einsatzszenarien geht es auch um die laufende Weiterentwicklung von Ausbildung, Technik und Einsatzorganisation. Besonders fordernd sind längere Trockenperioden und die damit verbundene Wald- und Vegetationsbrandgefahr sowie Starkregen, Muren und Hochwasser. Hinzu kommen die finanziellen Rahmenbedingungen vieler Gemeinden. Notwendige Investitionen in Fahrzeuge, Feuerwehrhäuser und Ausrüstung müssen fachlich sinnvoll und wirtschaftlich verantwortungsvoll geplant werden. Grundsätzlich sind unsere Feuerwehren gut aufgestellt. Wichtig ist aber, diese gute Basis laufend weiterzuentwickeln.

Wie haben die Folgen des Klimawandels in den vergangenen Jahren die Anforderungen verändert?

Für die Feuerwehren bedeutet das vor allem eine größere Bandbreite an Einsatzlagen. Längere Trockenperioden und hohe Waldbrandgefahr treffen auf Starkregenereignisse mit Überflutungen, Vermurungen und Hangrutschungen. Damit gewinnen Vegetationsbrandbekämpfung, Hochwassereinsätze und der allgemeine Katastrophenschutz weiter an Bedeutung. Dafür braucht es angepasste Ausbildung, geeignete Ausrüstung und klare Einsatzkonzepte. Bei größeren Ereignissen sind außerdem überregionale Unterstützung und eine gute Zusammenarbeit besonders wichtig.

Welche speziellen Herausforderungen bringt die alpine Topografie Osttirols mit sich?

Osttirol hat zahlreiche abgelegene Siedlungen, hochalpine Bereiche, lange Anfahrtswege und teilweise anspruchsvolle Verkehrs- und Wetterverhältnisse. Das stellt besondere Anforderungen an Einsatzplanung, Alarmierung und Organisation. Umso wichtiger sind gut ausgebildete Einsatzkräfte, vorausschauende Planung und eine enge Zusammenarbeit zwischen den Feuerwehren.

Wie wichtig ist die Kooperation über Bezirks- und Landesgrenzen hinweg, etwa mit Kärnten oder Südtirol?

Diese Zusammenarbeit ist für größere Schadenslagen sehr wichtig. Gerade die partnerschaftliche und kameradschaftliche Kooperation mit unseren benachbarten Feuerwehrbezirken in Oberkärnten und Südtirol hat für mich einen hohen Stellenwert. Sie wurde bereits von meinem Vorgänger gemeinsam mit dem Bezirksfeuerwehrkommando aufgebaut und über viele Jahre gepflegt. Sie ist von gegenseitigem Vertrauen, persönlichen Kontakten und einem freundschaftlichen Miteinander geprägt. Gemeinsame Übungen, der regelmäßige Austausch und gegenseitige Unterstützung schaffen eine gute Basis, um auch bei größeren Ereignissen schnell und unkompliziert zusammenzuarbeiten. Diese bewährte Zusammenarbeit möchte ich weiterführen und stärken.

Viele Vereine kämpfen mit Nachwuchssorgen. Wie stellt sich die Situation bei den Feuerwehren im Bezirk Lienz dar?

Grundsätzlich können wir in Osttirol auf viele engagierte Feuerwehrmitglieder und eine starke Jugendfeuerwehrarbeit bauen. Trotzdem dürfen wir uns darauf nicht verlassen. Junge Menschen müssen erleben, wie vielfältig Feuerwehr heute ist: Kameradschaft, moderne Technik, Ausbildung, Verantwortung und die Möglichkeit, etwas für die Gemeinschaft zu leisten. Genauso wichtig ist das Wissen der erfahrenen Mitglieder. Feuerwehr lebt vom Miteinander der Generationen – die Jungen bringen neue Ideen und Motivation ein, während die Älteren viel Erfahrung und Wissen weitergeben können.

Wie gelingt es, Ehrenamt, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen?

Das kann nur mit Verständnis und Unterstützung durch Familie und Arbeitgeber gelingen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie wichtig gutes Zeitmanagement, klare Prioritäten und die Verteilung von Verantwortung sind. Familie und Beruf haben ihren festen Stellenwert. Gleichzeitig müssen wir sorgsam mit der Zeit unserer ehrenamtlichen Mitglieder umgehen. Freiwilliges Engagement kann langfristig nur funktionieren, wenn die Belastung auf mehrere Schultern verteilt wird.

Die Ausrüstung der Feuerwehren wird laufend moderner. Welche Entwicklungen sehen Sie besonders positiv?

Die Weiterentwicklung der persönlichen Schutzausrüstung, der Fahrzeugtechnik und spezialisierter Geräte bietet viele Möglichkeiten, Einsätze sicherer und effizienter abzuwickeln. Beispiele sind Wärmebildkameras, Drohnen oder die moderne Ausrüstung für Wald- und Vegetationsbrände. Entscheidend ist aber, dass die Technik zum tatsächlichen Einsatzspektrum passt und durch eine praxisnahe Ausbildung ergänzt wird. Gute Technik unterstützt den Menschen, sie ersetzt ihn nicht.

Welche Rolle spielen Digitalisierung und neue Technologien?

Die Digitalisierung eröffnet viele Möglichkeiten, etwa bei Alarmierung, Einsatzunterlagen, Lageführung oder beim Drohneneinsatz. Wichtig ist, dass die Systeme zuverlässig funktionieren und einen konkreten Nutzen für die Einsatzkräfte bringen.

Gibt es Bereiche, in denen die Bevölkerung selbst mehr zur Sicherheit beitragen könnte?

Ja. Schon einfache Maßnahmen können viel bewirken: funktionierende Rauchwarnmelder, freigehaltene Zufahrtswege für Einsatzfahrzeuge, ein verantwortungsvoller Umgang mit Feuer und die Beachtung von Warnhinweisen. Gerade bei Trockenheit ist besondere Vorsicht im Wald und in Waldnähe wichtig. Auch bei Naturgefahren tragen Eigenverantwortung und rechtzeitige Information dazu bei, Risiken zu reduzieren und Einsatzkräfte zu entlasten.

 

 

Text: Raimund Mühlburger, Foto: Martin Lugger

30. Oktober 2026 um