Jugendorchester Matrei: Wo junge Menschen in die Blasmusik hineinwachsen

Seit 2009 führt das Jugendorchester der Musikkapelle Matrei in Osttirol junge Musikantinnen und Musikanten an das gemeinsame Musizieren heran. Die musikalische Leitung liegt seit sechs Jahren in den Händen von Sebastian Pretis.

Für den 31-Jährigen schließt sich mit seiner Aufgabe beim Jugendorchester ein Kreis. Lange bevor Sebastian vor den jungen Musikantinnen und Musikanten stand und den Takt vorgab, saß er als Nachwuchsmusiker mittendrin. „Ich selbst habe über das Jugendorchester zur Blasmusik gefunden. In der Musikkapelle Matrei spiele ich seit dem Jahr 2011 die Klarinette.“ Musik war allerdings schon wesentlich früher ein fester Bestandteil seines Lebens. Sebastian wuchs in der musikalischen Familie Mattersberger auf. Seine Mutter Barbara, Leiterin der Matreier Sängerinnen, förderte die musikalische Begeisterung ihrer Kinder von klein auf.

Beruflich hat es Sebastian ebenfalls zu jungen Menschen gezogen: Er ist als Lehrer an der Volksschule Jochberg tätig. Das Jugendorchester der Musikkapelle Matrei wurde im Jahr 2009 vom damaligen Jugendreferenten Philipp Klaunzer gegründet. Nach ihm übernahmen René Wibmer und später Marco Rainer, der heutige Kapellmeister der Musikkapelle Matrei, die musikalische Leitung. Seit 2020 ist Sebastian Pretis als mittlerweile vierter Leiter für das Nachwuchsorchester verantwortlich.

Derzeit spielen 23 Jungmusikantinnen und Jungmusikanten im Alter zwischen elf und 18 Jahren im Orchester. Bereits ab dem zweiten Lernjahr in der Musikschule können Kinder und Jugendliche mit dabei sein. Wer 14 Jahre alt ist und das Bronzene Leistungsabzeichen absolviert hat, kann schließlich auch in der Musikkapelle Matrei mitspielen. Nur zehn der derzeit 23 Mitglieder des Jugendorchesters sind noch nicht Teil der großen Kapelle.

„Wir wollen den Kindern und Jugendlichen den Einstieg in die Musikkapelle erleichtern. Die jungen Musikantinnen und Musikanten sollen Freude am gemeinsamen Spiel entwickeln und lernen, aufeinander zu hören. Gleichzeitig gewöhnen sie sich daran, unter einem Dirigenten und vor Publikum zu spielen“, betont Pretis.

Geprobt wird in regelmäßigen Abständen jeweils samstags rund eineinhalb Stunden. Dabei kann sich der musikalische Leiter auf viel Unterstützung aus den Reihen der Musikkapelle verlassen. Sein Vorgänger und heutiger Kapellmeister Marco Rainer steht ihm ebenso zur Seite wie die Jugendreferentinnen Lena Trost und Katharina Mattersberger, die insbesondere organisatorische Aufgaben übernehmen.

Junge Musikerinnen und Musiker, die bereits in der Musikkapelle spielen, unterstützen die Jüngeren. Das Repertoire des Jugendorchesters ist breit gefächert. „Ich glaube, unsere Jungen spielen am liebsten Märsche“, meint Sebastian schmunzelnd. „Besonders beliebt sind die Jugendorchester-Versionen jener Märsche, die auch bei den Matreier Kranzltagen zu hören sind.“ Doch auch moderne Klänge gehören zum breiten Repertoire, etwa Filmmusik wie „Star Wars“ oder Popmusik von ABBA bis Queen.

Im Sommer gestaltet das Jugendorchester traditionell zwei Platzkonzerte am Rauterplatz. „Dabei lernen die Jugendlichen, aufeinander zu hören und erleben, was es heißt, Teil eines großen Ganzen zu sein.“ Mindestens ebenso wichtig wie Proben und Auftritte ist für Sebastian Pretis die Gemeinschaft abseits der Musik. Gemeinsame Unternehmungen gehören deshalb fest zum Jahresprogramm.

Große Sorgen um den musikalischen Nachwuchs muss man sich in Matrei derzeit nicht machen, wenngleich Sebastian meint, dass man sich über zusätzliche Musikantinnen und Musikanten an Klarinetten und Hörnern sehr freuen würde. „Die Liebe zur Tradition und zur Heimat ist für mich neben der Leidenschaft für die Musik ein wesentlicher Grund, um bei einer Musikkapelle dabei zu sein. Projekte wie das alle zwei Jahre stattfindende Frühjahrskonzert begeistern auch die Jungen“, betont er und erklärt abschließend, warum das gemeinsame Musizieren gerade in unserer zunehmend digitalen und schnelllebigen Welt für ihn noch eine weitere Bedeutung hat: „Musik bietet jungen Menschen die Möglichkeit, abzuschalten, sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren und Zeit mit jenen Menschen zu verbringen, die tatsächlich neben ihnen sitzen – und nicht nur digital erreichbar sind.“

 

 

Text: Raimund Mühlburger, Foto: Jugendorchester Matrei

28. Oktober 2026 um