Virgen: Familie Dichtl von der Merschenalm ist Almhirtenfamilie des Jahres 2026

Der Nationalpark Hohe Tauern wählte Familie Agnes und Leopold Dichtl, vlg. Krienhuber, aus 13 Bewerbungen aus. Auf der Merschenalm melkt Agnes im Sommer täglich ca. 15 Kühe und erzeugt aus der Milch allerhand Köstlichkeiten.

Die Merschenalm liegt auf 2.250 Metern Seehöhe in Virgen. Agnes übernahm vor sieben Jahren, nach dem Tod ihrer Schwiegermutter, die Aufgabe der Sennerin. Mit rund 50 Rindern, darunter Milchkühe, Kälber und Galtvieh, sowie Ziegen verbringen auch Hühner und ein Hund den Sommer auf der Alm.

Besonders bemerkenswert ist die bis vor wenigen Jahren fehlende Zufahrtsmöglichkeit. Der traditionelle Auf- und Abtrieb des Viehs erfolgte daher zu Fuß und ohne Fahrzeuge. Dass die Bewirtschaftung des Familienbetriebs dennoch bis heute aufrechterhalten werden konnte, ist der Zusammenarbeit mehrerer Generationen zu verdanken. So erhalten Agnes und Leopold tatkräftige Unterstützung von ihren fünf Kindern sowie Leopolds Geschwistern.

 

In der Almausschank werden ausnahmslos Spezialitäten aus eigener Erzeugung serviert.

 

Almausschank und Direktvermarktung

2026 verbrachten Agnes, Leopold und ihre jüngste Tochter Leonie rund drei Monate auf der Merschenalm. Als Sennerin aus Leidenschaft melkt Agnes täglich ca. 15 Kühe und veredelt die Milch unter anderem zu Butter, Schotten, Topfen, Joghurt, Buttermilch und Graukäse. Diese hochwertigen, von Einheimischen und Gästen geschätzten Spezialitäten werden direkt in der kleinen Almausschank verkauft. Zur Stärkung vor Ort werden die Gäste ausschließlich mit Hausgemachtem, von Brot und Speck bis hin zu Kuchen, Milchprodukten und Säften, verwöhnt. Damit zählt die Merschenalm zu den wenigen Almen im Nationalpark Hohe Tauern Tirol, auf der noch Milchwirtschaft mit Almausschank und Direktvermarktung betrieben wird.

 

Familie Dichtl ist seit Generationen für ihre erfolgreiche Zucht von robustem Fleckvieh bekannt.

 

Traditionelle Handarbeit

Besonders hervorzuheben ist die Pflege von für die Erhaltung der Biodiversität besonders wertvollen Flächen: Rund um die Almhütte wird ca. 1 ha Bergwiese bewirtschaftet. Geprägt durch die bis vor einem Jahr fehlende Zufahrtsmöglichkeit werden viele Tätigkeiten mit traditionellen Techniken ausgeführt. Das Mähgut wird zum Trocknen auf Harpfen aufgehängt, bevor das Heu mit geflochtenen Körben in den Stadl getragen wird. Auf dem „Madle“ wird der Mist mit Schubkarren, Gabel und Rechen ausgebracht und verteilt.

 

Das Heu wird mit geflochtenen Körben in den Stadl getragen.

 

„Familie Dichtl ist seit Generationen für die erfolgreiche Zucht von robustem Fleckvieh bekannt. Mit dem jährlichen Auftrieb ihrer Rinder und viel persönlichem Einsatz trägt unsere heurige Almhirtenfamilie dazu bei, die vielfältige Kulturlandschaft und die artenreichen Lebensräume im Nationalpark Hohe Tauern zu erhalten“, sagt Thomas Steiner von der Nationalparkverwaltung Tirol. „Familie Dichtl zeigt vorbildlich, wie Almwirtschaft, Förderung der Biodiversität und Tradition vereint werden können.“

Vor Ort auf der Merschenalm haben Nationalparkdirektor Florian Jurgeit, Vertreter des Tiroler Nationalparkkuratoriums und Bürgermeister Dietmar Ruggenthaler herzlich gratuliert.

 

 

Text: Redaktion, Fotos: NPHT/Nell, Dichtl

15. September 2026 um