Klimawandel, Sortenvielfalt und Erträge: der Maisanbau im Bezirk Lienz

Mais ist eine der wichtigsten Kulturpflanzen weltweit – auch in Österreich. Verschiedene Faktoren zeichnen Mais gegenüber anderen Ackerbaukulturen aus, wobei die hohen Erträge und der vergleichsweise geringe Arbeitsbedarf zu den Besonderheiten zählen.

Auch wenn Mais ursprünglich aus Südamerika stammt, ist diese Feldfrucht heute für die österreichische Landwirtschaft und darüber hinaus für die gesamte Agrar- und Ernährungswirtschaft von enormer Bedeutung. Mais kann als ganze Pflanze in der Rinderhaltung oder in Biogasanlagen genutzt werden. In der Schweinehaltung werden Teile des Maiskolbens mit dem Korn verwendet. Das Korn des Körnermais findet weiters für die menschliche Ernährung, als Tierfutter oder als Rohstoff zur industriellen Weiterverarbeitung Verwendung. Einige Maissorten eignen sich darüber hinaus zur Herstellung von Gemüse, als Popcorn oder als nachgefragte Inhaltsstoffe für die Lebensmittelindustrie. Dieses breite Einsatzspektrum hat dazu beigetragen, dass Mais heute in vielen österreichischen Regionen in großem Umfang produziert wird.

Die Entwicklung in Tirol

In Tirol lässt sich der Anbau von Mais, historisch betrachtet, ab dem 16. Jhdt. belegen. Von Bedeutung für die Viehhaltung wurde die umgangssprachlich als „Türken“ oder „Tirggn“ bezeichnete Kulturpflanze jedoch erst ab dem 18. und 19. Jhdt. Im 20. Jhdt. setzte mit der Mechanisierung, vor allem ab den 50er-Jahren, ein regelrechter Boom beim Anbau von Silomais als Viehfutter ein – zunächst als Grünfutter und später, basierend auf den neuen Techniken der Konservierung, als Winterfutter, sprich Silage. Nach einigen Schwankungen hinsichtlich der Anbauflächen von Mais stieg der Silomais-Anbau in Tirol zuletzt wieder an. In den vergangenen Jahren wuchs die Anbaufläche tirolweit um rund 20 Prozent auf knapp 3.000 Hektar (Stand Ende 2025).

 

In Osttirol werden verschiedene Maissorten kultiviert. Die Aussaat findet zwischen Mitte April und Ende Mai und die  Ernte von Anfang September bis Mitte Oktober statt.

 

Die Bedeutung von Mais für den Bezirk Lienz

Wie Franz Klocker von der Bezirkslandwirtschaftskammer Lienz, informiert, wurde Silomais in Osttirol bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts von Arnbach bis Virgen angebaut, also überall dort, wo ackerfähige Flächen zur Verfügung standen. Gleichlaufend damit ging der Getreideanbau kontinuierlich zurück, was sich, so Klocker, auch darauf zurückführen lässt, dass Kraftfuttermischungen für die Tierhaltung kostengünstiger waren als die Pflege von Getreidekulturen. Die immer größeren, intensiveren Milchvieh- und Mastbetriebe nutzten zunehmend Flächen zum Anbau von Mais als sichere, energiereiche Futtergrundlage. „Im Zuge verschiedener Förderungen und der entsprechenden Umweltprogramme wie ÖPUL wurde der Maisanbau jedoch mancherorts zunehmend unwirtschaftlich“, führt der Invekos-Leiter der Bezirkslandwirtschaftskammer Lienz weiter aus. „Heute konzentrieren sich die Maisanbauflächen deshalb vor allem auf die Tallagen Osttirols, vornehmlich auf den Lienzer Talboden. Mit Stand Ende 2025 wurden im Bezirk Lienz auf insgesamt 575 Hektar Silo- und Körnermais kultiviert. Im Vergleich dazu standen für andere Nutzpflanzen wie etwa Klee, Luzerne und Wechselwiese rund 399 Hektar zur Verfügung. Für den Getreideanbau wurden 175 Hektar und für den Kartoffelanbau 78 Hektar genutzt. Die Sojabohne wurde auf 10 Hektar und Spezialkulturen wie Obst, Gemüse und Hanf auf rund 40 Hektar Fläche angebaut.“

 

Franz Klocker, Invekos-Leiter der Bezirkslandwirtschaftskammer

 

Sortenvielfalt, Aussaat, Ernte und Lagerung

Je nach Verwendungszweck kommt im Bezirk Lienz eine Vielzahl von Maissorten zum Einsatz. „Dabei dominieren jene, die für Silomais genutzt werden“, berichtet Franz Klocker und verweist darauf, dass für den Anbau von Körnermais zur Rindermast zuletzt lediglich 20 Hektar genutzt wurden. „Ein Betrieb verarbeitet den Mais zur Legehennen-Fütterung und von einigen wenigen Bio- Bauern werden auch Zucker- und Zahnmais kultiviert.“ Die Aussaat erfolge, so der Experte der Bezirkslandwirtschaftskammer, je nach Bodentemperatur von mindestens 8 bis 10 Grad Celsius zwischen Mitte April bis Ende Mai. Silomais werde nach Erreichen der Teigreife der Körner von Anfang September bis Anfang Oktober geerntet, während der Körnermais meist erst ab Mitte Oktober reif sei und gedroschen werden könne. Sehr verändert haben sich im Laufe der Jahrzehnte die Konservierungsmethoden für Silomais: Waren es zuerst Hochsilos, entweder Beton- oder Holzsilos in und außerhalb von Wirtschaftsgebäuden, folgten später lose Haufen, mit Folie abgedeckt, dann die Vorarlberger Siloplatte und Traunsteinersilos (also Platten mit Seitenwänden) und schließlich setzten sich, wie aktuell, Maissilage-Ballen landauf, landab durch.

Vor- und Nachteile des Maisanbaues

„Mais ist zwar kein billiges Futtermittel, allerdings sind Anbau, Kulturpflege und Ernte heute voll mechanisiert und sowohl konventionell als auch biologisch wirft der Mais durchaus die größte Erntemenge und Energiedichte pro Hektar Anbaufläche ab. Aus diesem Grund ist diese Futterpflanze für intensive Betriebe unverzichtbar“, betont Franz Klocker. Allerdings sei, wie er weiter meint, ein flächendeckender Maisanbau ökologisch durchaus auch problematisch zu sehen, da in den Hauptanbaugebieten zunehmend Monokulturen entstehen. „Darüber hinaus ist der Bedarf in Hinblick auf die Düngung, entweder in Form von Mist, Gülle oder Mineraldünger, hoch und nicht zuletzt werden bei großen Maisanbaugebieten die Bodenerosion und die Abschwemmung von Erde zunehmend ein Thema.“

Der Klimawandel und seine Folgen

Mais ist eine C4 Pflanze. Das bedeutet, sie nutzt einen besonderen Weg für die Photosynthese. Das erste Zwischenprodukt hat vier Kohlenstoff-Atome, woher auch der Name C4 rührt. Mais baut in kurzer Zeit sehr viel Masse auf. Zudem weist die Pflanze eine ausgesprochene Hitzetoleranz auf, leidet jedoch in kritischen Wachstumsphasen sehr unter Wassermangel. Bei Trockenheit schließt bzw. rollt sie die Blätter ein, verliert dadurch weniger Wasser und kann danach wieder weiterwachsen. „Im heurigen extremen Hitzesommer war dies gut zu beobachten“, so Klocker. Dadurch seien die Ertragseinbußen bei Mais deutlich geringer ausgefallen als jene im Grünland oder bei Getreide. Trotzdem seien auch in den Osttiroler Maisbeständen, regional unterschiedlich und auch von der jeweiligen Bodenqualität abhängig, mit Erntebeginn ab Anfang September Ertragseinbußen von mindestens 20 Prozent und mehr zu erwarten.

 

Bio-Bauer Kilian Brugger vom Riedlhof in Patriasdorf

 

Maisanbau am Riedlhof in Patriasdorf und am Brunnerhof in Tristach

Von zu erwartenden Ernteerträgen unterschiedlichen Ausmaßes sprechen auch die beiden Osttiroler Landwirte Kilian Brugger und Thomas Totschnig. Kilian Brugger, der gemeinsam mit seiner Familie den Riedlhof mit Hofladen in Patriasdorf betreibt, baut nach eigenen Angaben pro Jahr durchschnittlich auf mehr als elf Hektar Ackerfläche Mais an. „Als Bio-Bauer setze ich dabei vor allem auf frühreife bis mittelfrühe Maissorten, um den alpinen Klimabedingungen und kürzeren Vegetationsperioden gerecht zu werden“, lässt er wissen. Zu dem an der Sonnenseite von Lienz gelegenen, bäuerlichen Anwesen gehören 35 Hektar Eigenfläche. „Insgesamt bewirtschaften wir aber mittlerweile 100 Hektar, davon rund 48 Hektar Grünland, 12 Hektar Wechselwiesen, 10 Hektar Ackerland sowie diverse Wald- und Almflächen“, so Kilian. Der auf den Ackerflächen des bäuerlichen Betriebes kultivierte Mais kommt ausschließlich für die Fütterung der eigenen Tiere zum Einsatz. Aktuell weist der Riedlhof einen Viehbestand von 120 Milchkühen sowie rund 100 Stück Jungvieh auf. Darüber hinaus gibt es am Hof auch Hühner, Schweine und Laufenten. Ein Herzstück des in dritter Generation geführten Familienbetriebes ist der offene Laufstall, in dem Fütterung und Melken hochautomatisiert ablaufen. Als Zeitpunkt für die heurige Maisernte nennt Bio-Bauer Brugger die Wochen zwischen Anfang September und Anfang Oktober. Aufgrund der während der Hitzeperioden des heurigen Sommers laufend vorgenommenen Bewässerung seiner Maiskulturen rechnet der Patriasdorfer mit nur sehr geringen bis überhaupt keinen Ernteeinbußen.

 

Thomas Totschnig vom Brunnerhof in Tristach mit zwei Maiskolben: einem normal ausgebildeten und einem trockengeschädigten

 

Am Brunnerhof in Tristach stellt sich die Situation, wie Bauer Thomas Totschnig erzählt, etwas anders dar. Thomas hat das bäuerliche Anwesen, das bereits vor 700 Jahren erstmals urkundlich genannt wurde, vor 20 Jahren von seinem Vater Werner bernommen und baut, wie seine Vorfahren, auch Mais an. „Insgesamt gehören zum Brunnerhof knapp 26 Hektar Eigenfläche, davon 11,5 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. Der Rest ist Wald. Zusätzlich bewirtschaften wir, großteils über Pacht, rund zehn Hektar mit. Für den Maisanbau werden durchschnittlich rund neun Hektar genützt“, informiert er. Die Gemeinde Tristach sei, wie Totschnig weiter ausführt, schon seit Generationen für die Kultivierung von Mais bekannt gewesen. Nicht umsonst sei auch der Begriff „Plentinger“, wie er schmunzelnd meint, in Tristach oft und häufig für die hier lebenden Menschen zur Anwendung gekommen. „Als ‚Plente‘ wird bei uns umgangssprachlich die aus Mais hergestellte Polenta bezeichnet“, ergänzt er dazu. Thomas Totschnig, der sich beruflich als Amtsleiter von Amlach engagiert und den Brunnerhof gemeinsam mit seiner Familie im Nebenerwerb betreibt, baut im Durchschnitt um die fünf verschiedene Maissorten, je nach Standort und Bodenbeschaffenheit, an. Geerntet wird meist ab Mitte September, im heurigen Jahr etwas früher. Für die Fütterung der am Hof lebenden Tiere – darunter circa 40 Milchkühe und etwa 30 Jungtiere – muss der Tristacher jedes Jahr Mais zukaufen. Die angekaufte Menge dürfte, wie er erklärt, 2026 höher ausfallen, rechnet er doch in diesem Jahr mit einem bis zu 20 bzw. 30 Prozent geringeren Masseertrag. „Die lang andauernde Trockenheit und die hohen Temperaturen der vergangenen Monate haben eine geringere Wuchshöhe und kleinere, teilweise auch nicht ausgebildete Kolben bedingt. Hinzu kommt, dass wir in einigen Bereichen das Auftreten des Maisbeulenbrandes feststellen mussten. Auch diese Pilzerkrankung ist als eine Folge der diesjährigen Trockenheit zu betrachten“, so Thomas Totschnig. Er verweist abschließend darauf, dass sein Dürreschaden von der Hagelversicherung gedeckt ist. „Wir haben uns nämlich schon vor über 25 Jahren entschieden, unseren Betrieb so gut wie möglich gegen solche Wetterextreme zu versichern.“

 

Text: Elisabeth Hilgartner, Fotos: © Osttirol Journal, Martin Lugger

17. September 2026 um