Dölsach: Elisa De Gaetani ist neue Standortleiterin in Aguntum
Andreas Rudigier, Direktor der Tiroler Landesmuseen, stellte am Dienstag, 11. August, die neue Standortleiterin vor. Grabungsleiter Martin Auer berichtete über die Schwerpunkte der diesjährigen Grabungskampagne in der Römerstadt.
Die Archäologin und Kulturmanagerin Elisa De Gaetani leitet ab 17. August 2026 die Geschicke im Museum und Archäologischen Park Aguntum. Ihre Abschlüsse in Klassischer und Provinzialrömischer Archäologie sowie in Europäischer Kunstgeschichte hat sie an der Karl-Franzens-Universität in Graz gemacht, danach absolvierte sie eine Ausbildung im Bereich Kulturmanagement.
„Ich freue mich sehr über die Chance, an der Weiterentwicklung dieser einzigartigen Stätte mitwirken zu dürfen. Die Funde und Ausgrabungen in Aguntum liefern der Wissenschaft bedeutende archäologische und provinzialrömische Erkenntnisse. Wichtige Weichen zu stellen, um diese Erkenntnisse erzielen, bewahren und zur Schau stellen zu können, sehe ich als einen bedeutenden Teil meiner Arbeit. Ein weiterer Fokus liegt darauf, Besucherinnen und Besuchern das Museum und den Archäologischen Park weiterhin als diesen besonderen historischen Ort präsentieren zu können, der er bereits ist“, nannte die neue Standortleiterin ihre Zielsetzungen.
Elisa De Gaetani: „Ich bin in Italien aufgewachsen und mit 16 Jahren nach Österreich gekommen. Meine Mama stammt aus Osttirol. Mit 17 habe ich angefangen, auf Schloss Bruck Führungen zu machen. Sechs Jahre lang habe ich bei der Osttiroler Kulturspur – insbesondere auch im Bereich Inventarisierung – gearbeitet.“
Direktor Andreas Rudigier zeigte sich zuversichtlich, dass dies gelingen wird: „Mit Elisa De Gaetani haben wir eine Expertin in Archäologie und Kulturmanagement gewinnen können. Damit vereint sie zwei essenzielle Bereiche, mit denen die Weiterentwicklung von Aguntum – sowohl des Museums als auch der Ausgrabungsstätte – erfolgreich sein wird. Besondere Vorteile sehe ich auch darin, dass die neue Standortleiterin zweisprachig aufgewachsen ist und ausgezeichnete Erfahrungen im Bereich Kulturvermittlung/Führungen mitbringt.“
Die diesjährige Grabungskampagne in Aguntum läuft von 29. Juni bis 14. August unter der Leitung von Martin Auer vom Institut für Archäologien der Universität Innsbruck. „Die Arbeiten umfassen heuer mehrere Schwerpunktsetzungen: die Überprüfung geophysikalischer Messergebnisse, die Klärung von Detailfragen zu einem der größten derzeit bekannten beheizbaren Versammlungsräume der römischen Provinzen sowie Arbeiten im Umfeld der seit den 1970er-Jahren bekannten Thermenanlage, deren nähere Umgebung erstmals wissenschaftlich dokumentiert wurde“, erklärte Auer, der die Grabungen in Aguntum seit 2021 leitet.
Grabungsleiter Martin Auer: „Zur Römerzeit war Aguntum eine kleine Stadt mit schätzungsweise 5.000 bis 10.000 Einwohnern. Ihre genaue Größe ist bis heute nicht bekannt, da bisher nur ein kleiner Teil freigelegt wurde. Durch die archäologischen Grabungen erhalten wir jedes Jahr weitere Erkenntnisse über das römische Leben in Osttirol. Ziel ist es, in den kommenden Jahren die genauere Ausdehnung der Stadt besser benennen zu können, wofür unser Team auch auf geophysikalische Methoden zurückgreift.“
Das diesjährige Grabungsteam besteht aus insgesamt 26 Archäologinnen und Archäologen sowie Studierenden der Universität Innsbruck, anderer österreichischer Universitäten sowie aus Deutschland, Polen, den USA und Kanada. Im Mittelpunkt der feldarchäologischen Untersuchung stand auch diesen Sommer die Baugeschichte von Aguntum – vor allem das Areal des Forums, des Verwaltungszentrums der antiken Stadt.
Unmittelbar an das heute zum größten Teil vom Debantbach überlagerte Forum anschließend konnte bereits im Vorjahr ein Versammlungsraum festgestellt werden. Dieser Raum ist mit einer 360 Quadratmeter umfassenden Fußbodenheizung ausgestattet und zählt somit zu den größten bekannten beheizbaren Versammlungsräumen der römischen Provinzen. Um die Funktionsweise der Heizanlage besser zu verstehen, lag heuer ein Fokus auf der Lokalisierung der Heizräume dieses Gebäudes.

Im Zuge geophysikalischer Messungen im Herbst 2025 konnten im Areal des Stadtzentrums auch Mauerzüge eruiert werden, die in der diesjährigen Kampagne ebenfalls näher untersucht wurden. Zwar haben sich anstatt der erwarteten Mauern langgezogene Gräben abgezeichnet, aber für die weitere Interpretation der Geophysik-Daten sind diese Ergebnisse besonders wertvoll.
Der dritte Grabungsfokus lag im Bereich der Thermenanlage von Aguntum. Diese wurde bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren freigelegt, allerdings fokussierte man sich dabei auf die Thermenanlage selbst und ließ deren Umgebung weitgehend unerforscht zurück. Da gerade die Grabungen der späten 1970er-Jahre nur oberflächlich dokumentiert wurden, war es nötig, die Umgebung der Thermen nochmals in den Fokus zu rücken. Hier stehen die Arbeiten erst am Beginn, allerdings konnten bereits neue Mauerzüge und Gebäudeteile festgestellt werden, die in den kommenden Jahren näher untersucht werden.
Blick auf die Thermenanlage von Aguntum
Neben den bauarchäologischen Ergebnissen konnte im Versturzmaterial der römischen Mauern auch eine Bestattung festgestellt werden. „Es handelt sich um ein Skelett ohne Beigaben. Die letzte in Aguntum entdeckte Bestattung reicht in die frühen 1990er-Jahre zurück. Die nähere Untersuchung des geborgenen Skeletts steht noch aus, es ist jedoch anzunehmen, dass die Grablege in das 6. oder 7. Jahrhundert n. Chr. zu datieren ist. In dieser Zeit wurden die noch sichtbaren Ruinen der römischen Stadt als Begräbnisplatz genutzt“, erklärte der Grabungsleiter.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: EXPA/Hans Groder, Uni Innsbruck/Institut für Archäologien
