Lange Nacht der Museen: Auf den Spuren von Jakob Gliber durch Ainet

2025 jährt sich zum 200. Mal der Geburtstag des wohl berühmtesten Aineters, des Nationalsängers und Künstlers Jakob Gliber, dem zu Ehren in seiner Heimatgemeinde ein Museum sowie ein Skulpturenweg eingerichtet wurden.

Mitte September 2025 waren es genau 200 Jahre, dass Jakob Gliber am 15.09.1825 als neuntes von 15 Kindern beim „Kircher“ in Ainet geboren wurde. Hier erlebte er ebenso arbeits- wie entbehrungsreiche Kindheits- und Jugendjahre. Später war Gliber als sogenannter „Notlehrer“ in Alkus tätig, bevor sich ihm die Möglichkeit des Bildhauerstudiums in München und Wien bot. Gefördert von dem aus Prägraten stammenden Bildhauer Josef Gasser gestaltete er u.a. den figuralen Schmuck der Votivkirche, des Naturhistorischen Museums oder der Staatsoper mit. In Admont schuf der Aineter für die dortige Stiftskirche die Statue des Heiligen Blasius, die Passionsgruppe für den Kreuzaltar oder die Kreuzwegstationen.

Gliber war nicht nur ein anerkannter Bildhauer, sondern auch ein profunder Musiker und Sänger. In Wien sang er beim Schubertbund und im Wiener Sängerbund mit. 1892 kehrte er nach Osttirol zurück und wurde hier Mitglied des Lienzer Sängerbundes. Nach den verheerenden Bränden in Ainet 1899 und 1903 engagierte sich der vielseitig Begabte auf Sängerfahrten für den Wiederaufbau des Dorfes und die „Wiederbelebung des Volks- und Chorgesanges“. Er sammelte alte Tiroler Volkslieder, trug sie auf seinen Reisen vor – und machte sie dadurch bekannt. 21 Jahre lang lebte und arbeitete Jakob Gliber in Leisach, bevor er 1914 als fast Neunzigjähriger wieder in sein Elternhaus, zum „Kircher“ nach Ainet, übersiedelte. Hier verbrachte er seine letzten drei Lebensjahre bis zu seinem Tod im Februar 1917.

Über viele Jahrzehnte geriet Jakob Gliber beinahe in Vergessenheit, bis sich Aineter, allen voran Klaus Lukasser, vormals Professor am BG/BRG Lienz, ab 2016 intensiv mit seinem Leben und Schaffen zu beschäftigen begannen. Ein Ergebnis der jahrelangen Forschungsarbeit stellte eine Gedenkausstellung in Ainet im Jahr 2018 dar, ein weiteres eine Diplomarbeit von Klaus Lukassers Sohn Raphael am Mozarteum Innsbruck, die sich vor allem dem musikalischen Wirken Glibers widmete. Im Zuge weiterer Recherchen rückte immer mehr der skulpturale Nachlass Glibers inklusive der damit zusammenhängenden Dokumente in den Fokus. Für Klaus Lukasser wurde es eine Herzenssache, quasi Lebensaufgabe, Jakob Gliber seinem ihm zustehenden Platz in der Musik- und Kunstgeschichte zuzuweisen. Ein Erfolg war es, dass der „Trauernde Engel“, ein Epitaph von Gliber am ehemaligen Familiengrab am alten Aineter Friedhof, wiederentdeckt und am Aineter Kirchplatz aufgestellt werden konnte.

 

 

Die jahrelangen Bemühungen Klaus Lukassers um den Nachlass und die Würdigung des heute wohl berühmtesten Aineters gipfelten schließlich im heurigen Jahr in der Eröffnung eines eigenen „Jakob Gliber-Museums“ im Aineter Gemeindehaus und in der Installierung eines Skulpturen-Weges mit Glibers Werken in Ainet. Das Museum im Gemeindehaus zeigt Dauerleihgaben, Schenkungen und Dokumente aus Glibers Leben. QR-Codes und Schautafeln vertiefen die Informationen. Der Skulpturenweg führt in sieben Stationen vom Museum bis zur Pfarrkirche. Besucher begegnen Modellen für Tabernakel-Engel und für die Passionsgruppe in Admont, dem Porträtrelief „Jakob Gliber arbeitet an einer Madonna“ sowie dem bereits erwähnten „Trauernden Engel“. Den Abschluss bilden Kreuzweg-Modelle, die der Künstler einst seiner Heimatgemeinde schenkte.

 

 

Das Jakob-Gliber-Museum und der Skulpturen-Weg Jakob Gliber sind gewissermaßen das Geschenk der Gemeinde Ainet an ihren berühmten Sohn zu seinem 200. Geburtstag. Interessierte haben am 3. und 4.10.2025  jeweils um 17.00 Uhr Gelegenheit, im Rahmen der „Langen Nacht der Museen“ bei Führungen mit dabei zu sein. Treffpunkt: Gemeindehaus Ainet. Eintritt: frei!

 

Text: Redaktion, Fotos: © Klaus Lukasser, Christof Gaggl

02. Oktober 2025 um