Innovation und Kreativität beim Peter Bruckner Preis 2025 ausgezeichnet

Zur Präsentation der Siegerprojekte konnte die INNOS GmbH als Veranstalter am 11. Juli Gäste aus Wirtschaft, Handwerk und Design begrüßen. Die Siegerprojekte können bis 7. September im Museum Aguntum besichtigt werden.

Rund 100 Personen aus den Bereichen Handwerk und produzierende Unternehmen sowie interessierte Menschen aus der Region waren der Einladung der INNOS GmbH mit Michaela Spiess und Paula van der Woude als Projektverantwortliche für das LEADER-Projekt „Design, Produktion & Transformation“ gefolgt. Die Impulsvorträge am Beginn der Veranstaltung standen unter den Titeln „Weiterbildung – die nahe liegt und weiter bringt“, „Teach me, Tiger!“ sowie „Was passiert, wenn Gestaltung auf Material, Idee auf Machbarkeit und Anspruch auf Wirklichkeit trifft?“. Im Anschluss daran wurden der Peter-Bruckner-Preis 2025 verliehen und die Ausstellung feierlich eröffnet.

Elke Gruber, Leiterin des Arbeitsbereiches Erwachsenen- und Weiterbildung am Institut für Erziehungs- und Bildungswissenschaft der Universität Graz, beleuchtete in ihrem Vortrag die Notwendigkeit einer zeitgemäßen Weiterbildungskultur unter dem Titel „Weiterbildung – die nahe liegt und weiter bringt“. Sie sprach über den Wandel von tradierten Lernmodellen hin zu einem lebensbegleitenden Lernen. Des Weiteren betonte sie die Bedeutung informellen Lernens, die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels – weg von der einmaligen Ausbildung hin zur kontinuierlichen Kompetenzentwicklung – und forderte mehr Durchlässigkeit und Anerkennung verschiedener Lernformen. Dabei plädierte sie für neue Lernkulturen, flexiblere Bildungswege und ein ganzheitliches Verständnis von Bildung über die gesamte Lebensspanne. Designer Tino Valentinitsch, der in diesem Jahr Teil der Jury war, spannte in einem leidenschaftlichen und poetischen Vortrag unter dem Titel „Teach me, Tiger!“ einen Bogen von persönlichen Anekdoten bis hin zu internationalen Designkooperationen und beschrieb Design als ein kraftvolles Wechselspiel zwischen Intuition, Disziplin und Neugier. Mit dem „Tiger“ als Metapher für kreative Prozesse zeigte Valentinitsch auf humorvolle, pointierte Weise, wie viel Mut, Vertrauen – und manchmal auch Widerstand – es braucht, um neue Ideen zu zähmen, zu begreifen oder mit ihnen zu tanzen. Sein Fazit: Gutes Design entsteht genau dort, wo Spannung, Reibung und echte Begeisterung aufeinandertreffen. Stefan Moritsch, Professor an der New Design University St. Pölten und Mitbegründer des Preises, erzählte von der Entstehung des Peter Bruckner Preises und würdigte dessen Namensgeber. Peter Bruckner, der eine Werkstätte für Schlosserei in Tristach führte, vereint gestalterischen Anspruch mit handwerklicher Meisterschaft und gilt mit über 70 Jahren Berufserfahrung als Vorbild einer ganzheitlichen Gestaltungspraxis. Der Preis, 2022 ins Leben gerufen, ist seither ein wichtiger Impulsgeber – getragen von der Zusammenarbeit mit lokalen Betrieben, Institutionen und engagierten Persönlichkeiten.

Im zweiten Teil der Veranstaltung wurde der Peter Bruckner Preis 2025 verliehen. Die Fachjury, bestehend aus Tino Valentinitsch, Katharina Bruckner, Leonhard Unterrainer und Paula van der Woude, hatte aus über 75 Einreichungen aus Deutschland, Brasilien, Belgien, Slowenien, Serbien, Japan und Iran, die Siegerprojekte ausgewählt. Die Verleihung der Auszeichnungen wurde von den Projektpartnern der INNOS GmbH – der Felbertauernstraße AG, HELLA, der Wirtschaftskammer Lienz, dem Verein Industrie 4.0 Osttirol sowie der Tischlerei Forcher – übergeben.

Lobenswerte Erwähnungen
Die Jury vergab heuer sieben lobenswerte Erwähnungen. Folgende Projekte wurden ausgezeichnet:
Projekt MB.122 BANK, Einreicherin: Masato Miura (Japan), Projekt DOG BOWLS TO GO, Einreicher: Juliane Fink (Wien), Projekt WOVEN, Einreicher: Milan Peka & Tereza Sluková (Tschechien), Projekt NATURAL FIBER COMPOSITES, Einreicherinnen: Daniel Leiter (Lienz), Projekt DOLINE, Einreicher: Jan Contala (Deutschland), Projekt HOLDBUDDY „RENATE“, Einreicher: Nadja Seeber (Wien), Projekt ONE MILLION, Einreicher: Uli Aigner (Deutschland)

Anerkennungspreise
Von der Jury wurden fünf Anerkennungspreise vergeben. Folgende Projekte wurden ausgezeichnet:

Projekt: RADIATOR FLASK, Einreicher: Valerio Sampognaro (Deutschland)
Modularer Raumkühler aus Ton, der nach dem Prinzip der Verdunstungskühlung funktioniert. Traditionelles Wissen trifft auf zeitgemäßes Design.

Projekt WIREWIREWIREWIRE, Einreicher: Yoomin Sun (Wien)
Sitzmöbelserie aus gestricktem Edelstahldraht, die ohne dauerhafte Verbindungen auskommt, und vom Textilhandwerk inspiriert ist.

Projekt LOC, Einreicher: Markus Gamsjäger, (Hallstatt)
Modulares Holzprofilsystem aus lokalem Eschenholz, flach verpackbar und ressourcenschonend gefertigt.

Projekt FIRST.ERA, Einreicher: Aberjung GmbH (Lienz)
Die wohl leichteste Skitourenbindung der Welt, speziell für Freerider*innen, kombiniert geringes Gewicht mit maximaler Kontrolle.

Projekt GRIT, Einreicher: Bastian Gasser & Florian Weger (Lienz)
Eine App-basierte Shopping-Plattform, die Kaufentscheidungen nach persönlichen Werten optimiert und bewussten Konsum fördert.

Hauptpreise
Aufgrund der in der Ausschreibung explizit erwünschten großen Diversität der Projekte entschied sich die Jury dazu, anstatt eines ersten, zweiten und dritten Preises drei Hauptpreise zu je 2.000.- Euro zu vergeben.

 

Projekt 24er KÜCHE, Einreicher: Erik Eltner (Wien)
Im Herbst 2024 wurden große Teile des Tullnerfeld in Niederösterreich von einem Jahrhunderthochwasser überschwemmt. Durch den Wasserstand im Erdgeschoss waren die meisten Küchen unbrauchbar geworden. Ziel der 24er Küche ist es, in Krisensituationen ein Stück Normalität wiederherzustellen. Das System ist auf Küchennormmaße angepasst und kann somit Einbaugeräte, die nicht beschädigt wurden, aufnehmen. Die 24er Küche besteht aus 24 mm CNC gefrästen Siebdruckplatten, ist schnell gefertigt, wiederverwendbar und mobil. Das simple Steck und Keil System sorgt dafür, dass die Küche auch von einer Person ohne Werkzeug in 24 Minuten aufgebaut werden kann.

 

Projekt THE PEATLAND ROTUNDA, Einreicher: Ana Martarello & Lena Siebrecht (Deutschland)
Inspiriert durch den Besuch eines Erdbeerhofs in Limburg, thematisiert dieses Projekt die Wiederverwendung von Abfalltorf, einem Nebenprodukt der Bio-Landwirtschaft. Torfgebiete sind als „umgedrehte Regenwälder“ bekannt, weil sie große Mengen an CO2 speichern. Für die peatland rotunda wird gebrauchter Torf zu Platten für einen Pavillon zur Wiederbefeuchtung des Blaugraslands verarbeitet. In Anlehnung an die traditionelle Architektur von Feuchtgebieten besteht die Struktur aus vorgefertigten Bauteilen, die mit lokalen Materialien leicht zusammengesetzt werden können.

 

Projekt SHIFTING COLORS, Einreicher: Esther van Schuylenberg (Belgien)
„shifting colors“ ist eine Serie von handgewebten monumentalen Waffelgeweben aus 100 % Flachs. Die Serie experimentiert mit Mustern aus der Schafweberei. Mithilfe von Software werden Parameter wie Kettrichtung und Farbreihenfolgen erforscht und neu berechnet. Die Elemente reagieren auf neue Weise und ermöglichen größere Muster, in denen Farben in dynamischen Farbverläufen auf der Oberfläche erscheinen und verschwinden. Garn und Dichte wurden so kalibriert, dass ein Gleichgewicht zwischen Raffinesse und Dreidimensionalität entsteht. Die doppelseitigen Platten werden auf Maß gefertigt und dienen als akustische Raumteiler oder Wandbehänge.

 

Von den 15 ausgezeichneten Projekten bzw. Produkten waren neun Preisträger:innen vor Ort, um die Auszeichnung entgegenzunehmen. Die „integrierte Sonderausstellung“ zum Peter Bruckner Preis 2025 kann noch bis 7. September 2025 im Museum Aguntum besichtigt werden.

 

Text: Redaktion, Fotos: © INNOS GmbH/Brunner Images

22. Juli 2025 um