Ein halbes Jahrhundert Hingabe und Einsatz für das Tiroler Steinschaf in Osttirol

1975 gründeten Schafbauern den „Steinschafzuchtverein Lienzer Talboden“, der bald auf das Iseltal ausgeweitet und 1983 in die Abteilung Schafzucht der Raiffeisengenossenschaft Osttirol eingegliedert wurde.

Engagierte Nordtiroler Schafzüchter entschlossen sich 1974, das Tiroler Steinschaf züchterisch zu erfassen und die Züchter in einem Verein zu organisieren. Ein Jahr später folgten ihre Osttiroler Kollegen und gründeten am 11. Jänner 1975 beim „Fischwirt“ in Lienz den „Steinschafzuchtverein Lienzer Talboden“. Die Obmannschaft übernahm Johann Frandl aus St. Johann im Walde, das Amt des Herdebuchführers Balthasar Winkler aus Dölsach.

 

Die Klassensieger bei der Steinschaf-Bezirksausstellung am 18. März 2000 beim Gasthof Bad Weiherburg in Ainet. hinten v.l.n.r.: Sepp Winkler (damaliger Obmann, der den Verein von 1988 bis 2002 in der RGO-Abteilung Schafzucht vertreten hat), Norbert Holzer, Jakob Zwischenberger, Sepp Ganzer, Paul Riepler, Lois Frandl; vorne v.l.n.r.: Hans Egger, Josef Gander, Albin Steidl

 

„Unser Ziel war es, im Austausch mit den Nordtiroler Kollegen das Tiroler Steinschaf zu erhalten und züchterisch zu fördern. Wir sind von Stall zu Stall gefahren und haben rund 200 Steinschafe in das Herdebuch aufgenommen. Die ersten Ausstellungen 1976 und 1977 im Gasthof Badl in Ainet waren ein Erfolg. 1978 wurden erstmals etliche Widder versteigert, wobei ein sehr guter Durchschnittspreis erzielt werden konnte“, erinnert sich Balthasar Winkler zurück.

 

 

Bald trat auch Matrei i.O. dem Steinschafzuchtverein bei, und es formierten sich die zwei eigenständigen Vereine „Vorderes Iseltal“ und „Hinteres Iseltal“. Einen Meilenstein bildete 1983 der Beitritt zur Genossenschaft Lienz. Seitdem sind die Osttiroler Steinschafzüchter in der Raiffeisengenossenschaft Osttirol (RGO) organisiert. Traditionell ist der Obmann der Abteilung Schafzucht ein Bergschafzüchter, sein Stellvertreter ein Steinschafzüchter. So vertraten Josef Winkler aus Dölsach und Markus Steiner aus Matrei viele Jahre mit viel Einsatz und Leidenschaft die Interessen der Steinschafzüchter in der Abteilung Schafzucht.

 

 

Der Dölsacher Thomas Zwischenberger ist aktuell der Vertreter der Osttiroler Steinschafzüchter. Er unterrichtet an der Landwirtschaftlichen Lehranstalt Lienz und führt gemeinsam mit seiner Familie in Lengberg einen Steinschafzuchtbetrieb. Mit seinen Mastlämmern beteiligt er sich am Qualitätsfleischprogramm „Osttiroler Berglamm“.

 

 

Das Tiroler Steinschaf zählt zu den gefährdeten Rassen. Züchterisch betreut werden Tiere mit grauem und weißem Farbschlag. Hauptzuchtgebiete sind das Zillertal, der Weerberg, das Oberinntal und Osttirol. „Im Gegensatz zu den Bergschafen tragen die Widder Hörner. Bei den grauen Tieren ist ein schwarzer Kopf erwünscht“, informiert Thomas Zwischenberger und meint weiter, dass robuste Fundamente das Tiroler Steinschaf auszeichnen und es besonders almtauglich machen. „Neben der Reinzucht werden Steinschafe auch in der Lämmerproduktion eingesetzt.“

 

 

Aktuell halten im Bezirk Lienz 386 Schafbauern rund 22.000 Tiere. Osttirol gehört damit zu den schafreichsten Bezirken Österreichs. „Wir zählen 40 aktive Züchter von Tiroler Steinschafen mit 1.100 Herdebuchschafen und Widdern sowie 34 aktive Züchter von Bergschafen mit 800 Herdebuchschafen und Widdern“, so der Obmann.

 

 

Seit nunmehr 50 Jahren pflegen die Osttiroler Steinschafzüchter einen regen Austausch mit ihren Kollegen in Nordtirol. „Der Kontakt mit den Züchtern, besonders im Zillertal und am Weerberg, war uns immer ein großes Anliegen – und zugleich eine große Freude. Daraus sind viele Freundschaften entstanden, und mittlerweile pflegt bereits die dritte Generation diesen wertvollen Austausch zwischen Nord- und Osttirol“, freuen sich die beiden.

 

 

Früher fanden gemeinsame Gesamttiroler Steinschaf-Ausstellungen in Lienz und Rotholz statt. Seit der Eingliederung 1983 in die RGO werden die Steinschafe und die Bergschafe zweimal jährlich in Lienz versteigert. Jeweils im Frühjahr und Herbst finden Herdebuchaufnahmen statt. „2024 wurden 180 Steinschafe und 30 Widder in das Herdebuch aufgenommen“, lässt Thomas Zwischenberger wissen. Ein besonderes Anliegen ist es ihm, auch die Jugend für die Steinschafzucht zu begeistern. So haben sich die Schafjungzüchter in einem eigenen Verein organisiert.

Die Begeisterung für diese alte Tiroler Schafrasse ist ungebrochen – und so wird das, was die Osttiroler Steinschaf-Pioniere rund um Balthasar Winkler und Johann Frandl vor 50 Jahren begonnen haben, mit Hingabe und Engagement bewahrt und in die Zukunft getragen!

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Martin Lugger

07. April 2025 um