Erstmals Bartgeier-Bruterfolg im Tiroler Anteil des Nationalparks Hohe Tauern

Je ein Bartgeier-Paar im Dorfertal in Prägraten am Großvenediger und im Fleißtal in Heiligenblut haben zum ersten Mal erfolgreich gebrütet.

Nachdem zum ersten Mal seit Beginn des Wiederansiedlungsprojekts (1986) alle sechs Bartgeier-Paare in den Hohen Tauern mit der Brut begonnen hatten, erblickten Anfang März vier Jungvögel das Licht der Welt. Die ersten zwei kritischen Wochen nach dem Schlüpfen, in denen sich zeigt, ob die Eltern den Nachwuchs auch wirklich eigenständig versorgen können, sind vorüber, und es können nun die vier Freilandbruten bestätigt werden.

Einen derartigen Bruterfolg hatte es im größten Schutzgebiet der Alpen bisher noch nie gegeben. Zu den erfolgreichen Paaren gehören das Bartgeier-Paar am Katschberg, das inzwischen seinen zehnten Jungvogel aufzieht, sowie das Krumltaler Paar, das bereits zum neunten Mal erfolgreich gebrütet hat. Das über 35 Jahre alte Bartgeier-Weibchen aus dem Krumltal (Salzburg) ist der älteste Brutvogel der Alpen und gilt somit als die „Grande Dame der Bartgeier“.

 

Aktuelle Aufnahme von Silke Moll vom Bruterfolg vom 5. März 2023 am Horst in Prägraten am Großvenediger

 

Neben den erfahrenen Bartgeier-Paaren haben erfreulicherweise auch zwei Paare zum ersten Mal erfolgreich gebrütet. Aus dem Dorfertal in Prägraten am Großvenediger konnte erstmals ein Jungvogel gemeldet werden – der allererste Bruterfolg im Tiroler Anteil des Nationalparks Hohe Tauern seit 100 Jahren. Horstkontrollen ergaben, dass sich die beiden jungen Eltern erfolgreich um ihren Nachwuchs kümmern.

Auch im Fleißtal in Heiligenblut (Kärnten) gab es allen Grund zur Freude, da Bartgeier-Weibchen Ambo und ihr Partner Fortuna zum ersten Mal für Nachwuchs gesorgt haben. Somit konnte man sich in allen drei Nationalpark-Bundesländern Kärnten, Salzburg und Tirol über Bartgeier-Nachwuchs freuen.

Da das „Mallnitzer Paar“ (Kärnten) erst im Februar mit der Brut begonnen hat, können zum aktuellen Zeitpunkt noch keine Aussagen über einen möglichen Bruterfolg getätigt werden. Durch das jährlich durchgeführte Horstmonitoring wurde festgestellt, dass es bei den Bartgeiern im Gschlößtal in Matrei in Osttirol leider erneut zu einem Abbruch der Brut gekommen ist. Über die Gründe für den Abbruch können derzeit nur Vermutungen angestellt werden.

„Mit Blick auf die gesamtalpine Bartgeier-Population bilden die Hohen Tauern die östlichste Verbreitung der majestätischen Geier-Art. Die vier Jungvögel sind ein immenser Erfolg für die Bartgeier-Population in den Ostalpen. Derzeit leben in Österreich schätzungsweise 30 Bartgeier”, teilen der Nationalpark Hohe Tauern und die Projektleitung Greifvogelmonitoring mit.

 

Text: Redaktion, Fotos: NPHT Archiv, Silke Moll

28. März 2023 um