Tourismusverband Osttirol: Gute Stimmung und wenig Kritik bei Vollversammlung 2022

Die Kapitalerhöhung an der Lienzer Bergbahnen AG in Höhe von 625.000 Euro wurde mit zwei Gegenstimmen beschlossen. Zu diesem Tagesordnungspunkt gab es auch Kritik.

Zur Vollversammlung 2022 lud der Tourismusverband Osttirol am Montag, 27. Feber, in den Kultursaal der Marktgemeinde Nußdorf-Debant. Zunächst betonte Obmann Franz Theurl die gute Zusammenarbeit im Vorstand, dem neben ihm auch Martin Gratz und Peter Wibmer angehören. „Im Vorstand wird natürlich auch viel diskutiert, aber schlussendlich sind alle Beschlüsse einstimmig gefasst worden. Die größten Herausforderungen sind derzeit die Inflation mit der Energiekostensteigerung, die Personalproblematik in den Betrieben sowie der Qualitätsbettenstopp in Tirol“, so Theurl.

Viele MitarbeiterInnen im Tourismus hätten in die Industrie gewechselt, in den Betrieben gäbe es aufgrund des Personalmangels mehr Ruhetage, und einige hätten sogar gänzlich aufgegeben. „Die guten Ergebnisse im Osttiroler Tourismus wären ohne die vielen Familienbetriebe nicht möglich. Die Personalknappheit wird durch massive Mehrleistung der Familienmitglieder erfolgreich zu kompensieren versucht. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle einmal ganz herzlich bedanken“, so der Obmann.

Anschließend berichtete er von guten Nächtigungszahlen sowohl im vergangenen Sommer als auch im laufenden Winter. Mit über 1,2 Millionen Nächtigungen konnte im Sommer 2022 das beste Ergebnis aller Zeiten erzielt werden. „Im Vergleich zum Sommer 2019 sind die Nächtigungen in Osttirol um 3,4 % gestiegen, im gesamten Bundesland Tirol betrug die Steigerung nur rund 1,3 %. Im laufenden Winter (November bis Jänner) konnten wir bisher 373.282 Nächtigungen erzielen, das bedeutet gegenüber dem Vergleichszeitraum November 2019 bis Jänner 2020 nur ein Minus von 5,9 %. Allerdings war dieser Winter bei uns im Bezirk der beste aller Zeiten“, rechnete Theurl vor.

 

Obmann Franz Theurl: „Wir brauchen in Osttirol mehr Qualitätsbetten. Im Vergleich zum gleich großen Bezirk Landeck mit 18.300 Betten in 4- und 5-Sterne-Betrieben verfügen wir in Osttirol über nur 3.200 dieser Qualitätsbetten.“

 

Anschließend berichtete der Obmann über die Finanzlage des Verbandes. „Finanziell gesehen sind wir der beste Tourismusverband im gesamten Bundesland Tirol. Zum Stichtag 31. Dezember 2022 beträgt das Eigenkapital 12,58 Mio. Euro. Das bedeutet eine Eigenkapitalquote von 73 %. 2014 hatten wir noch ein Unterkapital von 414.000 Euro. An Pflichtbeiträgen hat das Land Tirol 2022 insgesamt 8,3 Mio. Euro ausbezahlt. Allerdings sind in diesem Betrag auch zurückbehaltene Beiträge aus den zwei Jahren zuvor enthalten. Die Aufenthaltsabgabe belief sich auf 3,1 Mio. Euro. An Marketingmitteln wurden 2,2 Mio. Euro ausgegeben.“

An großen Infrastrukturprojekten, die im Vorjahr realisiert, abgeschlossen oder begonnen wurden, stellte Theurl u.a. die Loipenbetreuung im gesamten Bezirk, die Winterwanderwege, die Skitourenlenkung, den Ausbau des Russenweges am Hochstein, die Leppleskofel-Sesselbahn in St. Jakob, die Erhaltung und Sanierung des Wanderwegenetzes, den Thieme Weg in Matrei, den Radrundweg und die Neubeschilderung des Rundwanderweges Lienzer Talboden, den Panoramasteig Golzentipp, den Weitwanderweg Glocknerkrone und den weiteren Ausbau des Iseltrails vor.

Als geplante Projekte für das Jahr 2023 und die Folgejahre nannte Theurl die Hängebrücke im Bereich des Iseltrails im Virgental, das Projekt „Virgen Wasserreich“, den Ausbau im Wichtelpark Sillian, den neuen Klettertrum in der Galitzenklamm, das Freilichtmuseum Wegelate-Säge in Innervillgraten, die Begehbarmachung der Prosseggklamm in Matrei, die Neugestaltung des Informationsbüros Sillian, die Attraktivierung „Goldriedriese“ in Matrei, das Venedigerzentrum Prägraten, den Skiweg Matrei, die Loipenverbindung Sillian-Innichen, die Sicherung des Qualitätsloipennetzes, die Verstärkung bzw. Komplettierung der Beschneiung sowie die Erweiterung des Familienparks am Zettersfeld und die Erweiterung der Beschneiungsanlage im Bereich Stubenlift in Obertillliach. Vorstand Martin Gratz stellte das Projekt „Laufsport Osttirol“ als touristisches Positionierungselement mit Laufmöglichkeiten in allen Höhenlagen vor.

Nach dem Bericht des Aufsichtsratsvorsitzenden Mag. Hansjörg Mattersberger wurde über die Genehmigung des Jahresabschlusses 2021 sowie über die Entlastung des Vorstandes und Aufsichtsrates abgestimmt. Beide Beschlüsse erfolgten einstimmig.

Auf der Tagesordnung stand dann noch die „Beschlussfassung zur Kapitalerhöhung an der Lienzer Bergbahnen AG in Höhe von 625.000 Euro gegen Aktienzeichnung“. „Schon 2020 erfolgte die Beschlussfassung für die Bereitstellung von 5 Mio. Euro für Projekte im gesamten Bezirk, davon 2 Mio. Euro für die Lienzer Bergbahnen AG. 625.000 Euro für die Ergänzung der Beschneiung am Zettersfeld sollen jetzt ausgeschüttet werden“, erklärte Theurl.

In seiner Wortmeldung bemängelte Joachim Defregger das Management der Lienzer Bergbahnen. „Immer wieder wird Geld für die Skigebiete Zettersfeld und Hochstein ausgeschüttet. Die Attraktivität und die Qualität der Skigebiete verbesserten sich dadurch aber kaum. Hier sehe ich eklatante Versäumnisse des Managements“, so Defregger. Michael Wildauer forderte einen Masterplan für die Lienzer Bergbahnen AG sowie für den Tourismus im Lienzer Talboden. Die Kapitalerhöhung wurde schließlich von den Mitgliedern genehmigt. Joachim Defregger und Regina Köll stimmten dagegen.

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Willi Seebacher, Osttirol heute/Mühlburger

28. Februar 2023 um