Hilfe zur Selbsthilfe: Durch die Trauer „hindurchgehen“
Die Selbsthilfegruppe „Verwaiste Eltern“ steht allen Eltern/Großeltern unterstützend zur Seite, die von einem Kind/Enkelkind Abschied nehmen mussten.
Auf den Tod eines Kindes kann niemand vorbereitet sein – und es gibt keine Erklärung, die das Geschehene erträglich macht. Der Tod eines Kindes, unabhängig seines Alters, stürzt Eltern in ein kaum zu beschreibendes Leid. Ein Teil der Zukunft scheint ausgelöscht und vieles, wenn nicht alles nur mehr sinnlos zu sein.
Antonia Schwarz ist das passiert, was keiner Mutter, keinem Vater je passieren sollte: Sie musste am Grab ihres eigenen Kindes Abschied nehmen. Heute, 14 Jahre später, steht die Leisacherin anderen Betroffenen als Leiterin einer Selbsthilfegruppe der Selbsthilfe Tirol/Zweigverein Osttirol zur Seite. „Unsere Trauergruppe richtet sich an Eltern, Mütter und Väter, sowie an Großeltern, die ein Kind/Enkelkind verloren haben und sich im Kreise von Menschen, die mit demselben Schicksal kämpfen, auf Trauerarbeit einlassen möchten. Natürlich ist dieser Weg immer ein schmerzhafter. Die Erfahrung, sich mit anderen, die das Gleiche durchmachen und die wissen, wovon sie reden, austauschen zu können, kann aber helfen, sprichwörtlich durch die Trauer hindurchzugehen“, erklärt sie, worum es in der Selbsthilfegruppe „Verwaiste Eltern“ geht.
Gegründet im Jahr 2010, treffen sich die Mitglieder monatlich einmal im Selbsthilfetreff am Rechten Iselweg 5a in Lienz. „Bislang fanden unsere Zusammenkünfte an jedem dritten Donnerstagabend im Monat statt. Ab November laden wir nun an jedem dritten Samstag ab 9.00 Uhr herzlich dazu ein. Wir haben uns für einen Vormittag am Wochenende entschieden, damit auch Betroffene aus den Tälern teilnehmen können“, lässt Antonia wissen. Die Treffen leitet sie gemeinsam mit Rudi Rumpl, der die Gruppe sprichwörtlich „begleitet“. Er weist darauf hin, wie wichtig es ist, Trauer zu verarbeiten. „Dafür gibt es kein Ablaufdatum“, hält der erfahrene Coach und Supervisor fest. Seine Arbeit als Trauerbegleiter hat ihn gelehrt, dass betroffene Eltern ganz unterschiedlich trauern. „Manche wollen für sich sein, andere suchen den Kontakt. Gläubige trauern manchmal leichter – und doch gibt es kein Patentrezept, wie man mit diesem Schicksalsschlag umgehen kann. Was ich weiß, ist, wie hilfreich es sein kann, dieses harte Schicksal mit Gleichbetroffenen zu teilen.“
Trauerarbeit benötigt, wie Antonia Schwarz ergänzt, nicht nur Zeit, sondern auch Raum. „Und diesen bieten wir allen, die zu unseren Gruppentreffen kommen“, sagt sie. „Bei uns ist jeder/jede herzlich willkommen – ob als stiller Zuhörer oder um sich einmal alles von der Seele zu reden. Bei uns hat alles Platz: Wut, Schmerz, Verzweiflung und Tränen, aber auch gemeinsames Lachen.“ Im Blick zurück auf die vergangenen elf Jahre in der Selbsthilfegruppe betont sie, wie dankbar sie und andere Betroffene Rudi Rumpl für seine Begleitung sind und erinnert sich an viele bewegende Gespräche, an Wanderungen in der Natur, an Bastelstunden und an gemeinsame Frühstückstische und Mittagessen. „Wir als Gruppe wollen uns gegenseitig stärken und einander helfen, Schritt für Schritt zurück ins Leben zu finden. Natürlich ist dieses Leben nie mehr dasselbe wie vor dem Tod des eigenen Kindes. Aber gemeinsam kann es gelingen, eine Brücke in die Zukunft zu bauen!“
Für Fragen stehen Antonia Schwarz (Tel.: 0676/4365717) und Rudi Rumpl (0664/1818297) gerne zur Verfügung! Nähere Informationen auch bei der Selbsthilfe Tirol/Zweigverein Osttirol, Tel.: 04852/606 290 oder unter der E-Mail: selbsthilfe-osttirol@kh-lienz.at
Text: Elisabeth Hilgartner, Foto: Osttirol heute