Brauerei Falkenstein: Lienzer Bierbraukunst seit 120 Jahren
Seit dem Gründungsjahr 1900 hat sich das renommierte Traditionsunternehmen zum größten Bierlieferanten der Region und zu einem wichtigen Arbeitgeber entwickelt.
Die Bierkultur hat in Lienz eine lange Tradition. Erste urkundliche Belege reichen ins 15. Jahrhundert zurück. Damals wurde der Lienzer Bierbrauer Jörg Schmied nachweislich von den görzischen Landesherren gefördert.
Geschichtliches
Dort, wo sich heute die Gösser-Brauerei Falkenstein befindet, wird seit 120 Jahren Bier gebraut. Im Jahr 1900 gründete der gebürtige Matreier Johann Baptist Steiner hier die „Erste Osttiroler Dampfbrauerei Falkenstein“. Vorher befanden sich an dieser Stelle die „Graf Mühle“, eine Hammerschmiede und eine Gerberei. Für den Bau und die Inbetriebnahme der Brauerei benötigte Steiner, der die Kunst des Bierbrauens in Böhmen erlernt hatte, zwei Jahre – das erste Bier floss 1902. Der Firmenname „Falkenstein“, für den er sich entschied, bezieht sich auf einen Felsen, der in seiner Heimatgemeinde Matrei vom Glanzer Berg auf den Ort „herunterschaut“ und der sich heute bei Kletterern großer Beliebtheit erfreut. Steiner stattete seine Brauerei von Beginn an mit den damals modernsten Maschinen und Einrichtungen aus. So erhielt die Brauerei ein eigenes E-Werk mit Turbine zur Stromerzeugung.


Die Behandlung der Malz- und Bierwürze mit Dampf erbrachte eine Qualitätsverbesserung gegenüber bekannten „alten“ Methoden. Obwohl Steiner ein begnadeter Braumeister war, hatte er als Unternehmer wenig Glück. Bis 1909 beschäftigte er einen Verwalter, danach lenkte er das Schicksal des Betriebes selbst. Eine Reihe familiärer Rückschläge und einige Fehlspekulationen während des Ersten Weltkrieges ließen ihn alles verlieren. 1918 wurde die Falkensteiner Brauerei an die Gösser Brauerei AG Leoben verkauft. Diese ging später in der Brau Union Österreich und schließlich im niederländischen Heineken-Konzern auf.
Wenn die Bierfuhrwerke mit den großen Pferden kamen, gab es für die Stadtbewohner etwas zum Staunen. Etwas Stärkeres als die Brauerei-Rösser schien es damals nicht zu geben. Im Bild eine Aufnahme aus dem Ende der 30er-, Anfang der 40er-Jahre des vorigen Jahrhunderts.
In der Brauerei waren im Laufe der Zeit auch natürlich Frauen beschäftigt. Das Bild zeigt, wie anno dazumal die Abfüllung des köstlichen „Gerstensaftes” in Bierflaschen über die Bühne ging.
Die Brauerei heute
Auch wenn die Besitzer im Laufe der Zeit wechselten – am Bier und an der Qualität der heimischen Produktion hat dies nichts geändert. Heute ist die Brauerei Falkenstein, die sich in den vergangenen 120 Jahren stetig weiterentwickelt hat, eine regionale Braustätte mit ausgezeichnetem Ruf. So traditionell der Gerstensaft aus der Osttiroler Bezirkshauptstadt auch ist, in der Produktion setzt man auf modernste Technologien und innovative Verfahren. Vor drei Jahren ging eine neue Abfüll- und Etikettieranlage in Betrieb. Die Flaschenabfüllhalle wurde erweitert und eine neue Kesselsteuerung installiert. Im heurigen Jahr wird die Gärkeller-Steuerung erneuert. „Wir bauen beinahe jährlich um bzw. investieren in den modernsten Stand der Technik“, informiert Braumeister Harald Green, der die Geschicke des Betriebes seit sechs Jahren leitet. Insgesamt sind in Produktion, Verkauf und Logistik der Brauerei Falkenstein heute 37 MitarbeiterInnen beschäftigt.
Im Bild Braumeister Harald Green mit der Hauptsorte „Falkenbräu”
Text: Elisabeth Hilgartner, Fotos: Archiv Brauerei Falkenstein, Dina Marina, Martin Lugger