Assling: In Thal-Aue entstehen „ausgezeichnete” Liköre

Hildegard und Franz Vergeiner aus Assling sind nicht nur begeisterte Beeren-Sammler, ihre selbst produzierten Liköre werden auch immer wieder prämiert.

„Im Kristeinertal war ich in meiner Jugend drei Sommer lang als Almhirte tätig. Damals hatte ich genügend Zeit, um Beeren und Pilze zu suchen. Später ist dieses Sammeln für mich zu einer Leidenschaft geworden”, erzählt Franz Vergeiner, ein pensionierter Baupolier, eingangs davon, wie er zu seinem Hobby gekommen ist. Gemeinsam mit seiner Frau Hildegard begann der Asslinger irgendwann auch damit, Preisel-, Ribisel- und Aroniabeeren „anzusetzen“ und Liköre herzustellen.

 

 

„Als Grundlage verwenden wir Weizenbrand, wir setzen also die Beeren in echtem Korn an. Sechs bis acht Wochen später seihen wir die Flüssigkeit ab und lassen sie nach dem Abpressen der Früchte noch rund vier Wochen ruhen. Nach einem erneuten Filtern geben wir, wenn notwendig, Zucker hinzu. Im Anschluss daran muss der Likör in einem dunklen Raum bei einer gleichbleibenden Temperatur von 15 bis 20 Grad reifen. Je länger dieser Prozess andauert, desto besser mundet der fertige Likör”, schildert der 77-Jährige Details des Produktionsvorganges.

 

 

Im Garten von Franz und Hildegard in Thal-Aue finden sich zahlreiche Ribisel- und Aroniastauden. Vom Garten aus gelangt man auch direkt in den Keller, wo die Fässer lagern, in denen die edlen Tropfen heranreifen. Die „Granten“ (Preiselbeeren) sammelt das Ehepaar in den Bergen rund um Assling, beispielsweise im Kristeinertal oder am Schwarzboden auf der Schattseite. Näheres wollen die beiden aber nicht verraten. „Schließlich haben wir unsere Betriebsgeheimnisse”, schmunzelt Hildegard.

 

 

Den fertigen Likör füllen die beiden in 100-, 200- und 350-ml-Flaschen ab. „Die Abfüllung und das Etikettieren sind unsere Winterbeschäftigung. Viele unserer Liköre verschenken wir, einiges verkaufen wir auch an heimische Betriebe wie die Compedal Skihütte oder das Vitalpinum”, führt Franz aus und berichtet davon, dass die aromatischen Spirituosen als beliebte Mitbringsel gelten. Seit einigen Jahren nehmen die Asslinger Likörproduzenten auch an Prämierungen teil. „Bei einem Ausflug des Asslinger Obst- und Gartenbauvereins zum Zogglhof im Lavanttal sind wir auf die Genussregion der ,Mostbarkeiten‘ aufmerksam geworden“, erinnert sich Hildegard zurück. Sie freut sich ebenso wie Franz darüber, dass ihr „Ang’setzter Grantenlikör“ bei dieser Alpen-Adria-Verkostung 2013 zum ersten Mal mit Silber ausgezeichnet wurde.

 

 

„2017 konnten wir zwei Goldmedaillen mit nach Hause nehmen, und heuer wurde unser ,Ang’setzter Grantenlikör‘ mit Silber und unser ,Ang’setzter Aronialikör‘ mit Bronze prämiert.“ Bei den „Mostbarkeiten“ wird jedes Produkt nach Geruch, Fruchtigkeit, Geschmack und Harmonie bewertet. Im heurigen Mai stellten sich 298 Betriebe mit insgesamt 1.600 verkosteten Produkten der Herausforderung. Neben Franz und Hildegard Vergeiner wurden weitere Osttiroler Produzenten – nämlich die Landwirtschaftliche Lehranstalt Lienz, Familie Webhofer aus Gaimberg und die Kuenz Naturbrennerei aus Dölsach – ausgezeichnet. „Wenn man einmal mit der Likörerzeugung begonnen hat, kann man nur schwer damit aufhören. Vielmehr ist man bestrebt, jedes Jahr ein noch besseres Produkt zu erzeugen“, meinen Hildegard und Franz abschließend. „Wenn unsere edlen Tropfen schmecken und unseren Abnehmern genussvolle Momente bereiten, freut uns das natürlich außerordentlich.“

 

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Martin Lugger

19. Juni 2019 um