Alli Zehetner – der „Headshaper” vom Kitzsteinhorn
Albert Zehetner baut mit seinem Team die Freestyle-Facilities im Pinzgauer Gletscherskigebiet. Hier in Kaprun trainieren deshalb die besten Snowboarder und Freeskier der Welt.
Olympiasieger und Weltmeister geben sich alljährlich zu Beginn der Wintersaison im Oberpinzgau die Klinke in die Hand – und der gelernte Zimmerer Albert Zehetner kennt sie alle. Gemeinsam mit Martin Liebmann zeichnet Alli am Kitzsteinhorn im Skigebiet Zell am See/Kaprun als „Headshaper“ für die Freestyle-Facilities verantwortlich. Der Pinzgauer baute aber auch schon bei zwei Olympischen Spielen den Slopestyle-Parcours bzw. die Halfpipe – in Sotschi 2014 und zuletzt in Pyeongchang in Südkorea im Februar 2018. „Vor zwanzig Jahren habe ich begonnen, Schanzen zu bauen. Bei den ersten beiden Weltcup-Bewerben war ich bereits dabei. Ich muss bei der FIS wohl einen guten Eindruck hinterlassen haben, sodass ich in der Folge immer häufiger für Wettbewerbe engagiert wurde“, erzählt uns der 42-Jährige bei unserem Besuch am Kitzsteinhorn.
Albert „Alli” Zehetner ist selbst ein begeisterter Snowboarder und gehört weltweit zum Kreis jener, die eine perfekte Superpipe auf Wettkampfniveau in den Schnee bauen können.
Heute gehört Alli in seinem Fach zu den Besten der Welt, baut Halfpipes und Funslopes in Europa ebenso wie in den USA oder in China. Den jungen Cracks, die sich zu Beginn des Winters Jahr für Jahr am Kitzsteinhorn auf die Wettbewerbe vorbereiten, geht es inzwischen nicht mehr nur um perfekte Bedingungen, sondern auch darum, die persönliche Handschrift von Albert Zehetner kennen zu lernen. „Wir sind ständig dabei, unsere Pipes und Parks weiterzuentwickeln. Wir schauen uns beispielsweise an, was sich in der Szene in Übersee abspielt, und natürlich unterhalte ich mich auch mit vielen Athleten.“
Im Dezember des Vorjahres reiste Alli zum Freestyle-Skiing-Weltcup nach Secret Garden in China. „Es ging auch darum, das OK-Team bei den Vorbereitungen für Olympia 2022 in Peking zu unterstützen. Was sich international in der Szene abspielt, ist hier bei uns in Mitteleuropa kaum jemandem bekannt. So hatten die Halfpipe-Bewerbe der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang weltweit bis zu 1,5 Milliarden Zuschauer.“ Die Saison am Kitzsteinhorn beginnt für Alli und sein Team bereits im Oktober mit dem Bau des Glacier Parks am Gletscherplateau. Ende Oktober ist der „Skatepark aus Schnee“ bereits fertig und bietet für Snowboarder und Freeskier ein spektakuläres Set-up mit über 30 Hindernissen.
Ab Anfang Dezember trainiert die Freestyle-Elite mit zahlreichen Olympiasiegern und Weltmeistern dann auf der Superpipe mit 180 Metern Länge und 6,8 Metern Höhe. „Hier finden zu Spitzenzeiten etwa 1.500 Runs pro Tag statt. Wenn die Nationalteams trainieren, ist die Pipe für das Publikum gesperrt”, informiert der begeisterte Headshaper. Als Teenager machte Alli selbst bei Halfpipe-Contests mit, später entdeckte er als Mitarbeiter der Bergbahngesellschaft seine Leidenschaft für Pistenraupen
und Bagger. „Die Superpipe muss jeden Tag am Abend wieder in Form gebracht werden. Mit der Pipefräse wird zunächst grob gearbeitet, um der Halfpipe anschließend mit Hilfe von Spezialrechen
den Feinschliff zu geben.“
Die ausgezeichnete Qualität der Freestyle-Facilities lockt auch immer mehr Skifahrer und Snowboarder in das Gletscherskigebiet in Kaprun. Ab Dezember stehen für sie auch die „Eagle Line“ und der „Easy Park“ offen. Sie bieten mit ihren unterschiedlich schwierigen Hindernissen vor allem auch Kids und Einsteigern die Möglichkeit, ihr persönliches Level schrittweise weiterzuentwickeln. Der „Central Park“ mit über 15 Obstacles öffnet im Jänner, und Anfang Februar schlägt die große Stunde des „South Central Park“. Das neue Angebot wurde in der letzten Saison bereits getestet und wird nun am Kitzsteinhorn zur Dauereinrichtung. Der neue Parkabschnitt glänzt mit einem verspielten Setup, das allen Parkfahrern noch mehr Obstacles und Runs ermöglicht.
„Mein Beruf ist der schönste, den man sich vorstellen kann. Ich kann an der frischen Luft arbeiten und beim Bau unserer Pipes der Kreativität freien Lauf lassen. Die Tatsache, dass nicht nur die weltbesten Athleten zum Training zu uns in den Pinzgau kommen, sondern dass auch immer mehr Hobbysportler die Freestyle-Action hier am Kitzsteinhorn genießen, ist für mich die beste Bestätigung dafür, dass ich und mein Team mit unserer Arbeit auf dem richtigen Weg sind“, meint Alli abschließend.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Kitzsteinhorn/Roland Haschka, Markus Rohrbacher






