Der mühsame Weg bis zum „Durchstich“ am Glockner

Von Süden und Norden arbeiten sich derzeit Räumtrupps durch den Schnee und räumen die Großglockner Hochalpenstraße frei – bis zum „Durchstich“ am Hochtor Ende April.

Die Räumtrupps arbeiten sich derzeit von Heiligenblut im Süden und Fusch im Norden mit Schneepflügen durch den meterhohen Schnee. Ende April soll der Weg dann wieder frei sein für die etwa 900.000 Besucher, die alljährlich per Auto, Motorrad oder Fahrrad die Fahrt über die insgesamt 48 km lange Alpenstraße der Superlative antreten. Es ist ein wunderschöner Frühlingstag Ende März. Wir treffen uns mit Peter Embacher im Bereich der Mautstation Ferleiten in Fusch an der  Glocknerstraße. Peter ist seit den 1990er-Jahren Leiter der Schneeräumung bei der Großglockner Hochalpenstraßen AG (GROHAG), gleichzeitig Werkstättenleiter und Lawinensprengbefugter.  Außerdem zeichnet der Pinzgauer auch für verschiedene externe Events, die auf der berühmtesten Passstraße Österreichs stattfinden, wie Oldtimerrennen oder die Österreich-Radrundfahrt, verantwortlich.

„Normalerweise beginnen wir am 10. April mit der Räumung. Heuer sind wir aufgrund der relativ geringen Schneemengen etwas früher dran. Derzeit sind wir damit beschäftigt, mit einem Pistengerät den ersten Schnitt, also Vorarbeiten, durchzuführen, damit die Fräsen durchfahren können“, erklärt er uns. Während sich Michael Hölzl mit seiner Pistenraupe durch die weißen Massen arbeitet, ist die Straße nicht sichtbar. Orientierungsmöglichkeiten bieten die talseitigen Randsteine, bergseitig türmen sich hingegen hohe Schneewände auf. Mit einer Messlatte wird die Breite der Straße jeweils gemessen. „Die Fahrbahn ist acht Meter breit. Wenn nach erfolgter Räumung der Asphalt sichtbar wird, erleben wir manchmal auch eine Überraschung. Insgesamt gelingt es uns aber jedes Jahr aufs Neue, unsere Arbeit, mit kleinen Abweichungen von maximal fünf Zentimetern, exakt durchzuführen“, informiert Peter Embacher, dessen Kompetenz und Erfahrung in der Schneeräumung auch in anderen Teilen dieser Welt gefragt ist.

Der GROHAG-Abteilungsleiter war beispielweise auch schon im Kaschmir-Gebiet in Pakistan mit Schneeräum-Trupps auf bis zu 4.500 Metern Seehöhe unterwegs.Die Räumung der größten Lawine in der Bärenschlucht stellt Anfang April immer den Startschuss für die Räum- und Fräsarbeiten an der Hochalpenstraße dar. Zwei Tage lang „beißen“ sich die Schneeräumer rund um ihren Leiter Peter Embacher mühevoll durch die berüchtigte Schlucht. Danach gibt es nur noch ein Ziel: Sich vorsichtig mit den blauen Rotationsfräsen durch die zahllosen Kehren bis zum Hochtor hochzuarbeiten. Jeweils sechs bis sieben Mann kämpfen sich von Heiligenblut im Süden und Fusch im Norden kommend mit den Monstern aus Stahl durch den Schnee bis auf 2.504 Meter Seehöhe. Teil der Mannschaft ist sowohl auf Salzburger als auch auf Kärntner Seite jeweils ein Bergführer, der für die Lawinenbeurteilung und die Sicherheit im Allgemeinen sorgt.

„Eisbändiger“, „Ander“, „Oskar“ und „Jörgen“ heißen die Rotationspflüge „System Wallack“, die noch immer am Großglockner im Einsatz sind. Der Planer und Erbauer der Hochalpenstraße, HR Dipl.-Ing. Franz Wallack, hatte diese blauen Schneepflüge vor mehr als 60 Jahren konstruiert und gebaut. „Es gibt kein besseres Gerät für die Schneeräumung am Glockner. Der ,Glocknerschnee‘ zeichnet sich durch ein breites Spektrum an Eigenschaften aus. Die Palette reicht von trocken bis nass, von ausgefroren und zuckerartig bis hin zu eisförmig. Hofrat Wallack hat die Schneeräumgeräte eigens für diesen ,Glocknerschnee‘ entwickelt“, erzählt Embacher. Er weist uns auch auf die Bezeichnung für die Linienführung der Passstraße und die Art der Absicherung mit den Randsteinen – „Glocknernorm“ – hin.

Vier Rotations-Schneepflüge „System Wallack“ sind neben den modernen Pistengeräten und Traktoren mit Fräsen seit mehr als 60 Jahren auf der Großglockner Hochalpenstraße im Einsatz.

Seit etwa zwei Jahren steht die Großglockner Hochalpenstraße unter Denkmalschutz. Im Jänner 2017 wurde in Paris das Dossier zur Aufnahme in die UNESCO Welterbe-Liste übergeben. „Unabhängig davon war uns aber immer schon wichtig, dass sich die Straße und die mit ihr verbundenen Einrichtungen harmonisch in die Natur einfügen“, betont der langjährige Leiter des Schneeräumungs-Trupps der GROHAG. Er ist auch aktives Mitglied der Bergrettung Fusch und unternimmt im Winter gerne Skitouren. Begeistert zeigt er in Richtung Großes Wiesbachhorn. „Jetzt bleibt mir allerdings wenig Zeit für Skitouren. Unsere volle Energie gilt in den nächsten Tagen und Wochen der Schneeräumung, damit die Straße Anfang Mai 2017 für den Verkehr freigegeben werden kann“, gibt er uns abschließend mit auf den Heimweg nach Osttirol.

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Journal/Hotzler, GROHAG

13. April 2017 um