Matreier bei Gedenkfeier an Erdbeben in Friaul geehrt

Die Stadt Buja lud zu einer Gedenkzeremonie an das verheerende Erdbeben vor 40 Jahren in Friaul und bedankte sich bei allen, die damals der Bevölkerung geholfen haben.

Am Donnerstag, 6. Mai 1976, um 20.59 Uhr, erschütterten massive Erdstöße die italienische Region Friaul-Julisch Venetien eine Minute lang. Auf der heute 12-teiligen Mercalli-Skala erreichte das Beben die Stufe 10. Das Epizentrum lag nördlich von Udine am Monte San Simeone in den Gemeinden Trasaghis und Bordano. Die Gemeinden im Kanaltal und am Tagliamento um Tolmezzo sowie die Gegend um Gemona wurden am schwersten getroffen – insgesamt kamen bei der Katastrophe 989 Menschen ums Leben.

Bgm. BR Dr. Andreas Köll nahm stellvertretend für seinen im Jahre 2007 verstorbenen Vater und die spendenfreudige Matreier Bevölkerung eine Ehrenurkunde der Stadt Buja entgegen und schmunzelte über seine Anrede als „Senatore".

Bgm. BR Dr. Andreas Köll nahm stellvertretend für seinen im Jahre 2007 verstorbenen Vater und die spendenfreudige Matreier Bevölkerung eine Ehrenurkunde der Stadt Buja entgegen und schmunzelte über seine Anrede als „Senatore“.

Eine enorme Herausforderung für die Katastrophenhelfer waren die Aufräumarbeiten in und um die teilweise total zerstörten Häuser.

Neben den Todesopfern wurden über 3.000 Verletzte und zehntausende Obdachlose in Friaul gemeldet. Die meisten Ortschaften im Kanaltal waren großteils zerstört. Erheblich beschädigt wurden unter anderem auch die Kirche von Venzone und der Dom von Gemona. In den ersten Tagen nach dem Beben lebte die Bevölkerung im Freien oder in Zelten, die Angst vor Nachbeben war ein ständiger Begleiter. Am 15. September 1976 folgten zwei starke Nachbeben. Das Epizentrum lag nun bei Tolmezzo, weitere 30.000 Menschen verloren ihr Heim.

Große Bedeutung erlangten damals auch ausländische Hilfsmaßnahmen. In Osttirol startete der damalige Bürgermeister von Matrei, Florian Köll, gemeinsam mit Dekan Msgr. Josef Holaus eine einzigartige Hilfsaktion. Durch die große Spendenfreudigkeit der Bevölkerung und die Verdoppelung der Spenden durch die österreichische Bundesregierung konnten mit 2 Mio. Schilling sofort vier erdbebensichere Fertigteilhäuser errichtet und zusammen mit einem weiteren Haus der Matreier Partnergemeinde Korb an betroffene Familien übergeben werden.

Trümmer in Buja, wohin man blickt ...

Trümmer in Buja, wohin man blickt …

„Haus I erhielt die schwerstgeschädigte Familie Fabro in Treppo Grande. Die dreiköpfige Familie bewohnte seit dem Beben am 6. Mai nur ein notdürftiges Zelt. Das Fertigteilhaus wurde von der Zimmerei Ing. Andreas Köll aufgestellt. Bei der Aufstellung hat eine Reihe von Matreiern kostenlos mitgeholfen. Auch ich durfte dabei sein, nachdem ich bereits in den Jahren davor als Ferialarbeiter in der Zimmerei meines Onkels tätig war“, erinnert sich der Matreier Bgm. BR Dr. Andreas Köll – damals 16 Jahre alt – zurück. Eine 5-köpfige Delegation aus Matrei fuhr am 8. Mai 2016 zu einer Gedenkfeier nach Friaul. Die mit der Iseltaler Marktgemeinde befreundete Stadt Buja mit Bgm. Dott. Stefano Bergagna lud Vertreter von Institutionen, Vereinigungen und Freiwilligengruppen, die damals der Stadt geholfen haben, zu dieser Zeremonie ein – unter ihnen auch die Marktgemeinde Matrei.

Die zerstörte Barockkirche „Zur heiligen Madonna" in Buja wurde wieder aufgebaut und restauriert.

Die zerstörte Barockkirche „Zur heiligen Madonna“ in Buja wurde wieder aufgebaut und restauriert.

Andreas Köll nahm als Vertreter der Marktgemeinde Matrei gemeinsam mit zahlreichen anderen staatlichen und privaten Hilfsorganisationen, der italienischen Armee, Luftstreitkräften und Marine sowie Vertretern der Länder Slowenien, Kroatien, Deutschland, USA und Österreich eine Gedenkmedaille sowie eine Auszeichnung mit Ehrenurkunde entgegen. „Die Kosten eines Hauses betrugen rund 250.000 Schilling. Ich denke heute noch gerne an die besondere Gastfreundschaft der Friulaner Bevölkerung sowie mehr oder weniger lange Nächte im Freien zurück, die oft sternenklar waren. Leider gab es öfters Nachbeben“, erinnert sich der Matreier Bürgermeister an seine Aufenthalte vor 40 Jahren in Friaul zurück.

Diese Karte zeigt, wie nah Osttirol am Epizentrum des verheerenden Erdbebens vom 6. Mai 1976 gelegen ist. Viele Osttiroler können sich noch an die Erdstöße erinnern, die auch in Südösterreich deutlich zu spüren waren.

Diese Karte zeigt, wie nah Osttirol am Epizentrum des verheerenden Erdbebens vom 6. Mai 1976 gelegen ist. Viele Osttiroler können sich noch an die Erdstöße erinnern, die auch in Südösterreich deutlich zu spüren waren.

Ein weiteres Haus wurde von der Matreier Zimmereifirma Steiner am Stadtrand von Buja aufgestellt und ging an Familie Cantin mit vier schulpflichtigen Kindern. Die Schlüsselübergabe durch Bgm. Florian Köll und Dekan Josef Holaus erfolgte bereits am 20. September 1976. Von Matrei aus wurden auch weitere Häuser der Tiroler Jungbauernschaft initiiert, sodass insgesamt 12 Häuser aufgestellt werden konnten.

Die Gedenkfeier fand im Ratsaal der Stadt Buja statt. Es wurde auch ein beeindruckender Film über die Erdbebenkatastrophe gezeigt.

Die Gedenkfeier fand im Ratsaal der Stadt Buja statt. Es wurde auch ein beeindruckender Film über die Erdbebenkatastrophe gezeigt.

Nach dem Erdbeben in Süditalien 1981 wurde die Erdbebenhilfe von Friaul mit noch größerer logistischer Herausforderung wiederholt. Wieder wurde über 1 Mio. Schilling gespendet und dadurch der Bau von zwei Häusern in Ricigliano ermöglicht. Die Erdbebenhilfe der Matreierinnen und Matreier war auch ausschlaggebendes Kriterium dafür, dass der Marktgemeinde die Ehrenfahne des Europarates in Strassburg verliehen wurde. Seit der Übergabe im Jahre 1985 darf Matrei daher die Bezeichnung „Europagemeinde“ auch in ihrem Wappen führen.

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Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Marktgemeinde Matrei i.O., Gedenkschrift „Buja 1976-2016″

 

12. Mai 2016 um