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Langnerhof: Ein Paradies für Menschen und Tiere

Familie Weiß aus Berg im Drautal hat den Bio Award 2016 für Kärnten gewonnen. Hier kümmert man sich besonders um den Erhalt alter Rassen und die Direktvermarktung.

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Georg Weiß mit Andrea und Sohn Noah. Andrea, eine gelernte Tischlerin, ist auf dem Biobauernhof auch für das Marketing zuständig.

 

Der Bio Award für Kärnten ging in diesem Jahr an Familie Weiß in Berg im Drautal. Biobauer Georg Weiß kümmert sich hier am Langnerhof auf knapp 1.000 Metern Seehöhe mit seiner Partnerin Andrea um den Erhalt alter Rassen und einen besonders nachhaltigen Umgang mit den Tieren und der Natur. Bei unserem Besuch auf dem Langnerhof am Oberberg treffen wir auf einen übermüdeten, aber sichtlich glücklichen Landwirt. In der Nacht zuvor ist Georg Weiß zum zweiten Mal Vater geworden. „Valentina soll unser Töchterchen heißen“, berichtet der junge Bauer.

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Vor vier Jahren hat Georg den Langnerhof von seinem Vater Sepp übernommen. „Schon im Alter von zehn Jahren war mir klar, dass ich einmal hier Bauer werden möchte“, blickt er zurück. Nach Absolvierung der Landwirtschaftsschule Litzlhof erlernte der Oberkärntner das Koch- und Metzgerhandwerk und kann so heute bei der Verarbeitung von Lebensmitteln, insbesondere von Fleisch, auf das richtige Knowhow zurückgreifen. „Der Erhalt alter Rassen, die eine gute Fleischqualität aufweisen, ist uns am Langnerhof ein besonderes Anliegen. Dabei steht die artgerechte, nachhaltige Tierhaltung absolut im Vordergrund“, so Georg.

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Auch Georgs Vater Sepp hilft am Bauernhof noch immer kräftig mit.

 

Neben Pustertaler Sprinzen, einer Rinderrasse, fühlen sich auch Mangalica Wollschweine sowie Altsteirer Hühner und Hähne auf dem Langnerhof auf der Sonnseite des Drautales sichtlich wohl. Der gute Ruf der Pustertaler Sprinzen gelangte, wie der begeisterte Biobauer zu erzählen weiß, einst sogar bis in die ehemalige Kaiserstadt Wien, wo sie auf den dortigen Abmelkbetrieben bevorzugt für die Milch- und Fleischerzeugung gehalten wurden. Familie Weiß beliefert mit dem frischen Rindfleisch von Pustertaler Sprinzen und Fleckvieh u.a. auch Gastronomiebetriebe am Weißensee. Außerdem wird auf dem Langnerhof das Fleisch der Bio-Schweine zu Speck, Salami und Leberstreichwurst verarbeitet.

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Zum Sortiment des Bio-Hofes gehört auch Puten- und Masthendl-Fleisch. „Das Putenfleisch ist vor allem bei unseren Privatkunden sehr begehrt“, freut sich Georg über die inzwischen sehr zahlreichen Stammkunden von Spittal bis nach Lienz. Auf Wunsch bereitet er die Puten küchenfertig vor. Außerdem gibt er seinen Kundinnen und Kunden gerne Tipps und Rezepte für die Verarbeitung mit. Die Schlachtung der Tiere erledigt Georg selbst, Vater Sepp hilft auch hier tatkräftig mit. Per SMS werden die Abnehmer über die Schlachttermine informiert. Ab Hof sind Mischpakete ebenso wie einzelne Fleischteile erhältlich, meistens übersteigt die Nachfrage das Angebot.

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„Das Wohlbefinden der Tiere bei der Haltung und eine möglichst stressfreie Schlachtung haben einen wesentlichen Einfluss auf die Fleischqualität. Durch die Produktveredelung können wir die Wertschöpfung unseres Hofes steigern und so den Betrieb und die Existenz der Familie absichern“, erklärt Georg. „Bio“ bedeutet für ihn und seinen Vater nicht nur, sich an die strengen Auflagen zu halten und auf Spritzmittel und Kunstdünger zu verzichten, sondern auch, sich durch  Weiterbildung immer mehr Wissen über die Zusammenhänge in der Natur, die Beschaffenheit des Bodens und die Tierhaltung anzueignen.

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„Ich informiere mich sehr viel im Internet auf Landwirtschafts-Seiten und habe vor Kurzem auch den Bodenpraktiker-Lehrgang absolviert. Bei den Rindern praktizieren wir reine Grünlandfütterung. Der Zustand des Bodens und die Beschaffenheit des Humus sind in der Landwirtschaft essentiell. Für mich hat jede Pflanze und auch jede Krankheit einen Grund. Man muss nicht die Symptome, sondern die Ursachen bekämpfen“, erklärt Georg Weiß sein Verständnis von der Landwirtschaft. „Mir immer mehr Wissen anzueignen und dadurch zu versuchen, die Zusammenhänge in der Natur ein wenig zu verstehen, war auch mir schon immer wichtig. Ausgelernt hat man in diesem Bereich ja nie“, meint auch Vater Sepp.

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Bio Austria zeichnet Bio-Bauernhöfe aus, die besondere Leistungen im Biolandbau erbringen und die mit ihrem engagierten, nachhaltigen Verhalten besonders auf das Ganze schauen. Biobauer Georg Weiß hat den Bio Award 2016 wohl auch deshalb gewonnen, weil er als gelernter Koch und Metzger nicht nur um die Fleischqualität alter Rassen genau Bescheid weiß, sondern weil am Langnerhof in kleinen Stückzahlen und in besonders nachhaltiger und intelligenter Art und Weise für die Direktvermarktung produziert wird.

 

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Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Martin Lugger, Privat